Interview

"Die Sicherheitsanforderungen sind nicht ausreichend"

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Wie sicher ist Kinderspielzeug? Worauf sollten Eltern achten? Darüber sprach Julia Heilmann mit Bärbel Vieth, Chemikerin am Bundesinstitut für Risikobewertung.

Berliner Morgenpost: Wird Spielzeug jetzt in Bezug auf darin enthaltende Chemikalien sicherer?

Bärbel Vieth: In der neuen Spielzeugrichtlinie sind mehr Stoffe als zuvor geregelt. Aber wir halten die chemischen Sicherheitsanforderungen für nicht ausreichend und fordern Nachbesserungen.

Berliner Morgenpost: Was genau fordern Sie?

Bärbel Vieth: Für fünf Schwermetalle, die bereits in der alten Richtlinie geregelt waren, wurden die Grenzwerte erhöht. So darf künftig die Freisetzung von Blei und Cadmium aus Spielzeug höher sein als bisher. Wir haben hierzu eine gesundheitliche Bewertung erarbeitet und fordern deutlich niedrigere Werte. Der Vorschlag liegt der EU vor. Wir hoffen auf Nachbesserungen noch in diesem Jahr.

Berliner Morgenpost: Kann man den Herstellern vertrauen?

Bärbel Vieth: Die Verantwortung für die Sicherheit von Spielzeug hat grundsätzlich der Hersteller. Er bestätigt mit dem CE-Zeichen, das er selbst auf dem Spielzeug anbringt, dass sein Produkt den Anforderungen entspricht. In Deutschland können sicherheitsbewusste Hersteller für ihre Produkte das GS-Zeichen erwerben. Dazu wird das Spielzeug durch ein dafür zugelassenes unabhängiges Labor geprüft.

Berliner Morgenpost: Ist Spielzeug aus Asien tatsächlich so schlecht wie sein Ruf?

Bärbel Vieth: Drei von vier Spielsachen kommen heute aus Asien, also muss man diesen Markt entsprechend ernst nehmen. Per se schlecht sind die dort hergestellten Spielsachen nicht, aber sie fallen häufig negativ auf, weil sie den Markt dominieren.

Berliner Morgenpost: Worauf sollten Eltern also beim Spielzeugkauf achten?

Bärbel Vieth: Es ist gut, sich auf alle seine Sinne zu verlassen. Man sollte auf Duftstoffe oder unangenehmen Plastikgeruch achten. Einige Duftstoffe können Allergien auslösen. Unangenehm riechendes Spielzeug sollte man meiden. Dann sollte man auf scharfe Ecken und Kanten aufpassen und prüfen, ob sich Kleinteile lösen können, denn die können Kleinkinder schnell verschlucken. Das GS-Prüfsiegel gibt den Eltern eine gute Hilfestellung.