Spielkonsolen

Super-Mario in der dritten Dimension

Nintendos neue Spielkonsole bietet dreidimensionale Bilder. Die Morgenpost hat getestet, wie kindertauglich sie ist

Mario, Pokémon, Nintendogs, Street Fighter - die Figuren, die da über den kleinen Bildschirm laufen, springen oder auch mal um sich schlagen, sorgen für große Begeisterung im Kinderzimmer, aber oft für ebenso große Skepsis oder sogar Ablehnung bei den Eltern. Um das Gedaddel an Spielekonsole oder Rechner gibt es regelmäßig Auseinandersetzungen in der Familie. Und darum wird wohl auch das neueste Produkt aus dem Hause Nintendo das Feilschen um Spielzeiten weiter anheizen: In drei Tagen kommt der neue Nintendo 3 DS in den Handel und er verspricht, das Spiel noch faszinierender zu machen.

Die neue Spielekonsole kann Bilder dreidimensional darstellen, und um das erleben zu können, braucht man nicht einmal eine Spezialbrille. Auf dem oberen Bildschirm erscheinen räumliche Szenen, als blicke man durch ein Fenster. Plastische Figuren bewegen sich durch dreidimensionale Räume, Flugzeuge schweben dem Horizont entgegen.

Hineingezogen in die Spielewelt

War bislang der untere, berührungsempfindliche Bildschirm das technische Highlight des 2005 in Deutschland erschienenen DS, so ist es nun das obere Display mit dem 3 D-Bild. Annähernd 150 Millionen DS-Konsolen hat Nintendo mittlerweile verkauft. Und das, obwohl die Grafik der Taschen-Playstation PSP von Sony als überlegen galt. Der Erfolg einer Spieleplattform hängt jedoch nicht allein von ihrer technischen Überlegenheit ab. Entscheidend ist vor allem, wie die Technik in den Dienst kreativer Spielideen gestellt wird. Auf diesem Gebiet hat Nintendo bislang die Konkurrenz abhängen können.

Aber machen Videospiele in 3 D automatisch mehr Spaß? Oder nutzt sich der Effekt bald ab? Fazit nach den ersten Stunden mit dem 3 DS: Der beschriebene Fensterblick führt dazu, dass man sich in die Spielewelt geradezu hineingezogen fühlt. Der Spieler hat den Eindruck, die Szenen mit den Händen greifen zu können. Selbst eher simple Spielideen bekommen gleich deutlich mehr Atmosphäre, wenn sie sich vor einer verblüffend realistischen Kulisse abspielen.

Doch der 3 DS kann noch mehr. Zum Beispiel lassen sich mit ihm dreidimensionale Fotos aufnehmen. Die eigenen Bilder werden auf der mitgelieferten, zwei Gigabyte großen Speicherkarte gespeichert. Wer mehr Platz braucht, kann eine handelsübliche SD-Karte einsetzen. Der neue DS ist zudem mit einem analogen Schiebepad, einer Art flachem Joystick, ausgestattet, der eine präzisere Steuerung ermöglicht als bisher. Ein so genanntes Gyroskop erkennt überdies Bewegungen und überträgt sie in die Spielwelt.

Die erste Begeisterung bleibt allerdings nicht ungetrübt. Beim Einschalten des Geräts stößt man auf die "Gesundheits- und Sicherheitsinformationen". Dabei erfährt man, dass die 3 D-Funktion bei Kindern im Alter bis zu sechs Jahren "zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens" führen kann. Wer ohnehin schon unter einer Fehlstellung der Augen wie zum Beispiel Schielen leidet, soll regelmäßig Pausen einlegen, da die Benutzung zu Erschöpfung und Unbehagen führen könne.

Beeinträchtigung des Sehvermögens

Tatsächlich hängt die Qualität des 3 D-Effektes stark davon ab, aus welcher Position man den Bildschirm betrachtet. Rückt man nur ein wenig zur Seite, ist das 3 D-Bild schon nicht mehr richtig zu erkennen. Die Folge sind irritierende Doppelbilder. Besonders störend ist das bei Spielen mit Gyroskop-Steuerung, da man die Konsole beim Spielen hin und her bewegen muss.

Untersuchungen zu 3 D-Filmen in Kino und Fernsehen haben gezeigt, dass Zuschauer auf räumliche Bilder ganz unterschielich reagieren. Von dauerhaften Störungen des Wahrnehmungsvermögens ist aber bislang keine Rede gewesen. Dennoch empfiehlt es sich, bei der neuen Nintendo-Spielekonsole den Schieberegler neben dem oberen Display zu benutzen, mit dem sich die Intensität des 3 D-Effekts einstellen lässt. Bei geringerer 3 D-Leistung treten Irritationen seltener auf und die Augen ermüden nicht so schnell. Zudem wirken die Bilder, die bei höchster Einstellung mitunter etwas künstlich aussehen, auf diese Weise realistischer.

Vor dem Kauf sollte man den 3 DS aber auf jeden Fall selbst einmal ausprobiert haben. Wenn Eltern den Eindruck haben, der 3 D-Effekt würde ihr Kind überfordern, können sie immer noch auf eines der Vorgängermodelle zurückgreifen und das große Angebot an 2 D-Spielen nutzen.

Übrigens laufen auch herkömmliche DS-Spiele ohne die dritte Dimension auf dem neuen System einwandfrei. Allerdings schafft man sich den 3 DS wohl kaum deswegen, sondern vor allem der 3 D-Spiele wegen an. Ansonsten gibt es kaum einen Grund, denn im Vergleich zum Vorgängermodell DSi kostet die neue Konsole fast doppelt so viel. Super Mario, Kid Ikarus, die Nintendogs, Link aus der Zelda-Reihe - erwartungsgemäß werden alle alten und neuen Nintendo Helden dem 3 DS einen Besuch abstatten.