Bildung

Studie: Jungen werden in der Schule nicht benachteiligt

Die Vorurteile halten sich hartnäckig: Jungs sind die Verlierer im Bildungssystem, heißt es. Sie würden konsequent benachteiligt, weil in Schulen und Kitas überwiegend weibliche Pädagogen arbeiten, die sich in die Jungen schlecht einfühlen.

Alles Quatsch, sagt nun eine neue Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), für die der Wissenschaftler Thomas Rieske untersuchte, ob an der These der benachteiligten Jungen und übermächtigen Mädchen etwas dran ist. Seine Antwort: ein doppeltes Nein. Andere Faktoren wie sozialer Status oder nationale Zugehörigkeit hätten deutlich mehr Einfluss auf den Bildungserfolg als das Geschlecht.

Auch seien Jungen in der Schule zwar oft schlechter als Mädchen, im Berufsleben hätten sie aber wieder die Nase vorn, sagt Rieske. Ebenso falsch sei die Annahme, der hohe Frauenanteil im Bildungswesen sei für Jungen ein Nachteil. Lehrerinnen benoteten Jungen nicht schlechter als Mädchen. Das hätten zahlreiche Untersuchungen ergeben. Der Frauenanteil im Bildungssystem sei ohnehin variabel, erklärt der Wissenschaftler. In Kitas arbeiten 95 Prozent Frauen, in Grundschulen bis zu 90 Prozent. Auch an Haupt- und Förderschulen sind sie deutlich in der Überzahl. Je höher die Einrichtung im Bildungssystem, desto geringer ist allerdings die Zahl der weiblichen Pädagogen. An Gymnasien und Berufsschulen halten sich Männer und Frauen in etwa die Waage. An Hochschulen gibt es dagegen überwiegend männliche Lehrkräfte.

Auch GEW-Hauptvorstand Anne Jenter ärgert sich über die polarisierende Geschlechterdiskussion im Bildungssystem. Zwar fordert sie ein Ende des Ungleichgewichts von männlichen und weiblichen Pädagogen in den verschiedenen Bildungszweigen: mehr Männer in Kitas und Grundschulen also und mehr Frauen an Berufsschulen und Unis. "Aber wir brauchen nicht einfach mehr Männer in Schule und Kita", betont Jenter. Entscheidend sei, dass Männer nicht ihre alten Geschlechterrollen mitbrächten, sondern moderne Vorbilder seien. Das helfe sowohl den Jungen als auch den Mädchen.

"Wir brauchen nicht einfach mehr Männer in Schule und Kita"

Anne Jenter, GEW-Hauptvorstand