Hochzeitsplanung

Im Einsatz für das perfekte Jawort

Eine Hochzeitsplanerin über ihren Berufsalltag, die eigene Hochzeit und den Einfluss von Eltern und Leoparden auf das Brautpaar

Foto: Bertold Fabricius / Bertold Fabricius/Pressebild.de/Bertold Fabricius

Melanie Schmitz steht in einem Meer von Rosen im Blumenladen "Casaflora" an der Danziger Straße. Cremeweiß mit Grün, das passe immer auf einer Hochzeit, sagt sie. Aber zunehmend würden Brautleute auch mal Pink oder Lila als Deko wählen. Die 34-Jährige muss es wissen, immerhin ist sie professionelle Hochzeitsplanerin und hat mit ihrer Hamburger Agentur "marry me" schon insgesamt mehr als 140 Trauungen und Feiern organisiert. Mit ihr sprach Annette Kuhn.

Berliner Morgenpost: Woher kommt der Trend, seine Hochzeit planen zu lassen?

Melanie Schmitz: Das ist keine komplett neue Dienstleistung. In den USA gibt es Hochzeitsplaner schon seit 50, 60 Jahren. Der Film "Der Vater der Braut" hat da bereits in den 50er-Jahren einen Trend gesetzt. Für Deutschland ist diese Dienstleistung allerdings noch relativ neu und ungewohnt, aber hier dauert es ja immer länger, bis sich eine Dienstleistung in einem bestimmten Bereich durchsetzt.

Berliner Morgenpost: Und wer bucht eine Hochzeitsplanerin?

Melanie Schmitz: Früher hat die Familie die Hochzeit organisiert. Aber besonders die vielen Zugezogenen in den Großstädten haben ihre Familie nicht vor Ort. Sie kennen sich in der Stadt nicht so gut aus, wissen oft gar nicht, was alles geht, da braucht man einen Ideengeber. Außerdem soll die eigene Hochzeit unverwechselbar sein. Und meist sind ja auch beide berufstätig. Es fehlt die Zeit für die Planung. Da holt man sich eben den Profi, der den ganzen Tag nichts anderes macht.

Berliner Morgenpost: Eine unverwechselbare Hochzeit. Wie sieht die aus?

Melanie Schmitz: Paare, die zu mir kommen, sagen oft als Erstes: Wir wollen es anders. Und für manche heißt dieses anders eben, dass sie zum Beispiel nicht in der Kirche, sondern am Strand heiraten oder dass sie lieber ein lockeres Barbecue im Garten statt eines Vier-Gänge-Menüs wählen. Auffällig ist, dass viele ihre Hochzeit nicht mehr so steif haben wollen. Dass sie den Tisch lieber wie eine Sommerwiese dekoriert haben wollen statt mit steifen Gestecken in der Tischmitte. Was aber geblieben ist, ist das weiße Kleid, das wollen doch fast alle.

Berliner Morgenpost: Was war das Kurioseste, was Sie bei der Hochzeitsplanung bislang erlebt haben?

Melanie Schmitz: Was ist kurios? Man verliert ein bisschen den Blick dafür. Ich habe mich nicht mal mehr über den Bräutigam gewundert, der seine Freundin mit einem echten Leoparden im Garten überraschen wollte. Natürlich muss so ein Tier mit Dompteur kommen, weil er natürlich keinen Käfig wollte, und mit dem entsprechenden Versicherungsschutz. Aber das hätte geklappt. Ich hatte schon alles in die Wege geleitet, aber am Ende hat sich der Bräutigam doch dagegen entschieden.

Berliner Morgenpost: Was kann man an einer Hochzeit nicht planen?

Melanie Schmitz: Das Wetter. Und natürlich gibt es unvorhersehbare Fälle wie die Aschewolke im vergangenen Jahr. Bei einer Hochzeit konnte mehr als die Hälfte der Gäste nicht einfliegen, Statt der 50 Gäste waren es auf einmal nur noch zwölf. Da muss man schnell einen Plan B aus der Tasche zaubern.

Berliner Morgenpost: Welche Rollen spielen die Eltern? Bestimmen die heute noch viel mit?

Melanie Schmitz: Eltern haben nicht das Sagen, aber sie haben ein sehr, sehr starkes Mitspracherecht. Da ist es auch egal, wie alt die Brautleute sind. Der Einfluss der Eltern ist immer noch enorm.

Berliner Morgenpost: Müssen Sie da auch mal gegensteuern?

Melanie Schmitz: Es ist wichtig, die engste Familie miteinzubeziehen, schon allein um Konflikte zu vermeiden. Man sollte nicht einfach den Eltern verkünden, wir heiraten am 20. August. Beim Datum, bei der Location, da möchte die Familie mitbeteiligt sein. Aber ich mache den Brautleuten auch klar: Das ist eure Hochzeit, lasst euch die Entscheidungen nicht abnehmen. Aber in der Tat ist das oft ein ganz schöner Spagat - und auch die größte Probe für die Beziehung.

Berliner Morgenpost: Reizthemen sind sicherlich die Einladungsliste und die Sitzordnung.

Melanie Schmitz: Viele Paare sind völlig überfordert damit. Da tut eine Außensicht oft gut, da das Brautpaar ja emotional viel tiefer drinsteckt. Ich würde zwar nie sagen, Onkel Horst müsst ihr von der Liste streichen, da ich ihn ja gar nicht kenne. Aber wenn Tante Christa und Onkel Horst geschieden sind und beide neue Partner haben, dann rate ich schon dazu, die beiden nicht unbedingt an einen Tisch zu setzen.

Berliner Morgenpost: Wie lange dauert die Vorbereitung einer Hochzeit?

Melanie Schmitz: Neun bis zwölf Monate sind schon ganz gut, aber es geht natürlich auch erheblich schneller. Länger im Voraus sollte man auch nicht planen. Ich kann ja jetzt noch kein Probeessen für September 2012 machen. Ich werde auch nicht schon meine Probefrisur abstecken, weil ich nicht weiß, ob meine Haare dann 20 Zentimeter länger sind. Da nehme ich mir ja die Vorfreude.

Berliner Morgenpost: Wenn man sich monatelang mit der Hochzeit beschäftigt, fällt man danach nicht in ein Loch?

Melanie Schmitz: Ich empfehle immer, zeitnah nach der Hochzeit in die Flitterwochen zu fahren, damit man nicht gleich nach der Hochzeit wieder in den Alltag hineinrutscht. Und während man in den Flitterwochen ist, passiert ja noch ganz viel. Das Video wird geschnitten, die Fotos werden fertiggemacht. Nach dem Urlaub, schreibt man Danksagungen, trifft sich noch mal mit Freunden, um das Video anzusehen. Man ist ja nicht gleich von heute auf morgen "arbeitslos", was die Hochzeit angeht.

Berliner Morgenpost: Wie sind Sie Hochzeitsplanerin geworden?

Melanie Schmitz: Ich war vor allem inspiriert durch meine eigene Hochzeit 1999. Und durch meine Arbeit in Eventagenturen habe ich gesehen, dass mir Organisieren liegt.

Berliner Morgenpost: Würden Sie heute anders heiraten?

Melanie Schmitz: Komplett. Es war damals total schön, aber ich würde das heute ganz anders machen. Entweder zu zweit auf einer einsamen Insel oder schon mit einer großen Party. Aber wenn man jede Woche auf einer Hochzeit ist, ist es relativ schwierig, sich vorzustellen, selbst Gastgeber zu sein. Aber die Frage stellt sich ja auch gar nicht.

"Wenn Tante Christa und Onkel Horst geschieden sind, rate ich, die beiden nicht an einen Tisch zu setzen"

Melanie Schmitz, Hochzeitsplanerin