Visitenkarten für Mütter

Gestatten, Mama von Lili

Mein Baby, mein Buggy, meine Businesskarte. Heißt es offenbar zunehmend auf den Spielplätzen der Republik, wo Mütter an den Sandkästen nicht mehr nur Sorgen austauschen, sondern auch Visitenkarten.

Darauf vermerkt ist nicht etwa der eigentliche Beruf, sondern eher wohl die Berufung: "Bettina, Mama von Jonathan und Mutter aus Leidenschaft", steht beispielsweise auf der Vorderseite geschrieben. Und auf der Rückseite ist unter den Handynummern der Eltern vielleicht noch notiert, dass der Jonathan eng mit dem Leo befreundet ist und auf Nüsse leider allergisch reagiert.

"Die Karte bietet alle wichtigen Infos zum Kind auf einen Blick", sagt Alex Schlomka, die eine Visitenkarte als Kommunikationsdesignerin besitzt und als "Mama von Lili" eine weitere. Die 36 Jahre alte Hamburgerin entwirft gemeinsam mit ihrer Kollegin Billy König "MamiCards", ebenjene Visitenkarten speßbritannien lebende Freundin habe sie davon erfahren, sagt die 40-jährige Billy König. "Da haziell für Mütter. In London habe längst jede Mutter solche Kärtchen im Portemonnaie. Über eine in Groben wir uns gefragt, ob diese Visitenkarten vielleicht auch in Deutschland gefragt sein könnten."

Die Antwort ist wohl: Ja. Seit gerade einmal vier Wochen bieten die beiden Designerinnen die Kärtchen in insgesamt mehr als 30 unterschiedlichen Designs an - und schon weit mehr als 100 Bestellungen seien eingegangen. Bevorzugt von Frauen aus Hamburg, Berlin und München. "Auf dem Land, wo ohnehin jeder jeden kennt, ist eine solche Karte natürlich überflüssig", sagt Alex Schlomka. Doch dass vor allem Großstädterinnen diese Kärtchen ordern, hat nach Angaben von Trendforschern noch einen anderen Grund. In Hamburg-Sternschanze, Berlin-Prenzlauer Berg und München-Schwabing seien nun mal bevorzugt jene "Latte-Macchiato-Mütter" zu Hause, die in jeder Lebensphase großen Wert auf "urbanen Lifestyle" legen, sagen beispielsweise Wissenschaftler des Zukunftsinstituts aus dem hessischen Kelkheim. "Die Karten sind gemacht für modebewusste und kommunikative Mütter", beschreibt Alex Schlomka die Zielgruppe und gibt zu: "Klar, irgendwie sind diese Visitenkarten natürlich ein Luxusgut." 50 MamiCards kosten immerhin 49,90 Euro. Doch wozu braucht man nun derartige Karten? "Sie sind beispielsweise praktisch auf Kindergeburtstagen. Man lässt Kind und Karte da, sodass die Gastgeber-Mutter gleich alle Nummern parat hat", sagt Alex Schlomka. Und wenn man irgendwo einen potenziellen Babysitter kennenlerne, müsse man nicht erst umständlich nach Zettel und Stift kramen, um seine Kontaktdaten aufzukritzeln. Man brauche einfach nur die MamiCard zu verteilen - vorausgesetzt natürlich, man hat einige Exemplare eingesteckt.

Übrigens seien es auch zunehmend Väter, die sich eine solche Karte für das Netzwerken auf dem Bolzplatz wünschten. "Selbstverständlich fertigen wir auch Papa-Karten, Oma-Kärtchen oder Opa-Karten an", sagt Billy König. Die Männer bevorzugen in der Regel ein schlichtes Design, während die MamiCards meist bunt und verspielt gestaltet werden sollen. "Es ist nicht immer leicht, eine fröhliche Mutter zu sein", sagt die "Mama von Lili". "Aber man kann immer eine fröhliche Visitenkarte dabeihaben."

www.mamicard.de