Jugendliche

Tätowierung, Taschengeld, Ausgehen: Was Eltern bestimmen dürfen

Jugendliche träumen von der großen Freiheit. Doch bringt das Erwachsenwerden nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich. Was dürfen und müssen Jugendliche, was können ihre Eltern bestimmen? Das unterliegt dem Wandel der Zeit.

"Die zunehmende Zahl von Amokläufen hat zum Beispiel zu einer Verschärfung des Waffenrechts und Änderungen des Jugendschutzgesetzes geführt", erklärt Ulrike Hinrichs. Sie ist Anwältin in Berlin und Autorin des Rechtsratgebers für Jugendliche "ZuRecht finden". Als Mitglied des Projekts des Berliner Anwaltsvereins "Anwälte gehen in die Schule" steht sie jungen Menschen auch persönlich Rede und Antwort. "Die kurioseste Frage, die mir je gestellt wurde, war: 'Dürfen mir meine Eltern verbieten, rote Unterwäsche zu tragen?", erzählt Ulrike Hinrichs. Ihre Antwort lautet: "Nein, können sie nicht!" Hier weitere nützliche Hinweise für Jugendliche und ihre Eltern:

* Pflichten im Haushalt: Eltern können verlangen, dass die Kinder ihr Zimmer selbst aufräumen und im Haushalt mithelfen, so lange sie bei den Eltern wohnen und diese für Essen und Kleidung sorgen.

* Ausgehen: Ab 16 Jahren darf man nach dem Jugendschutzgesetz allein in die Disco, allerdings höchstens bis 24 Uhr. Doch gibt das Jugendschutzgesetz den Eltern nur den Rahmen vor. Sie können also auch bestimmen, dass man als 17-Jähriger schon um 23 Uhr zu Hause sein muss.

* Alkohol: Jugendliche unter 16 Jahren dürfen in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken oder kaufen. Ab 16 Jahren ist es Jugendlichen erlaubt, in Kneipen allein Bier oder Wein zu trinken, nicht aber Hochprozentiges wie Alcopops.

* Drogen: Wer Drogen wie Ecstasy kauft oder verkauft, macht sich strafbar. Wer im Straßenverkehr unter Drogeneinfluss erwischt wird, muss mit Bußgeld, Fahrverbot und Punkten im Verkehrszentralregister rechnen.

* Arztbesuch/Pille: Minderjährige können allein einen Arztbesuch vereinbaren und allein hingehen. Der Arzt darf den Eltern nichts von dem Termin erzählen: Er unterliegt der Schweigepflicht. Ist ein Kind oder Jugendlicher allerdings schwer krank und muss operiert werden, müssen die Eltern eingeweiht werden und ihre Genehmigung geben. Die Pille kann ein Mediziner ohne ihr Wissen verschreiben.

* Piercing/Tätowierung: Hier haben Eltern das letzte Wort. Zwar tätowieren Studios Jugendliche schon ab 16 Jahren, aber nur mit Einwilligung der Eltern. Liegt die nicht vor, kann das Geld zurückgefordert und Schadenersatz verlangt werden. Gleiches gilt für Piercing und Branding.

* Online-Geschäfte: Verträge mit Jugendlichen sind "schwebend wirksam", der Vertrag hängt also von der Genehmigung der Eltern ab. Der sogenannte Taschengeldparagraf besagt allerdings, dass sich Kinder und Jugendliche von ihrem Taschengeld kaufen können, was sie wollen. Doch auch da gibt es Ausnahmen, etwa wenn Firmen die geschäftliche Unerfahrenheit von Jugendlichen ausnutzen und damit sittenwidrig handeln.

* Taschengeld/Erbe: Kinder und Jugendliche haben keinen Rechtsanspruch auf Taschengeld, aber ein Recht auf Förderung der eigenen Entwicklung. Und dazu gehört auch, dass sie den Umgang mit Geld lernen. Über die Höhe entscheiden die Eltern. Erben Jugendliche unter 18 Jahren Geld, dürfen es die Eltern nicht einfach für sich verwenden. Das Geld steht dem Minderjährigen zu.