Wettbewerb "Jugend forscht"

Vom Wunsch, die Welt zu verändern

Nachwuchs-Tüftler aus Berlin haben die erste Hürde im bundesweiten Wettbewerb "Jugend forscht" genommen

Die Idee kam im Kino: "Wir haben den Film Avatar gesehen", sagt Adrian Boos (17). "Das hat uns fasziniert, wie sich diese Wesen bewegen konnten und so auch an Orte gelangten, an die normale Menschen nicht hinkommen." Stundenlang redete der Schüler vom Heinrich-Hertz-Gymnasium mit seinem Mitschüler Hoang Son Luu (18) und seiner Freundin Phuong Thanh Nguyen (18) von der Friedensburg-Oberschule nach dem Film noch darüber - und am Ende gab es ein Projekt: Sie wollten selbst einen künstlichen Muskel entwickeln und sich damit beim 46. Regionalwettbewerb Berlin-Süd von "Jugend forscht" behaupten.

Das haben sie auch geschafft. Seit gestern stehen die Regionalgewinner des bundesweiten Wettbewerbs fest: Adrian, Hoang Son und Phuong Thanh belegten mit ihrem Avatar-Knochen den ersten Platz in der Kategorie Technik. Allein für den Regionalwettbewerb Berlin-Süd reichten insgesamt 93 junge Berlinerinnen und Berliner ihre Arbeiten ein. Und außer den drei Avatar-Forschern können sich noch sechs weitere Jugendliche über einen ersten Preis freuen: Zum Beispiel Sarah Schömbs und Totinia Mateus, die in der Kategorie Arbeitswelt eine rutschfeste Perlonstrumpfhose entwickelten. Oder Elisabeth Migirowa, Antonia Löscher und Rachel Deichmann, die ein Geheimrezept für weiße Zähne entdeckten. Überzeugen konnten auch Melanie Skodzik und Sophie-Marlene Soos mit ihrem physikalischen Projekt "Die unglaubliche Kraft der Magneten - Kann man mit Magneten eine Kugel beschleunigen?".

Begeisterung für Naturwissenschaften

Die Projekte der jüngeren Schüler bis 14 Jahre, für die der Wettbewerb "Schüler experimentieren" heißt, stehen den älteren in Sachen Forschung nicht nach. Auf dem ersten Platz in der Kategorie Physik landeten beispielsweise Juli Kuschel und Helene von Schirach mit ihrer Idee zur CO2-Reduktion. Durchsetzen konnten sich auch Janine Sophia Doyle und Lu Katharina Maywald mit ihrem selbsthergestellten Bio-Nagellack (Kategorie: Chemie) und Carl Christoph Hugk, der sich mit der Frage beschäftigte: "Demenz - Was ist das?" (Kategorie: Biologie). Ganz begeistert von all den tollen Ergebnissen ist Sabine Röger, Patenbeauftragte der Firma Vattenfall, die den Wettbewerb seit 15 Jahren unterstützt. Für sie ist "Jugend forscht" von großer Bedeutung, denn es sei wichtig, Jugendliche für die Naturwissenschaft zu gewinnen: "Wir haben, als Berliner Unternehmen, eine soziale Verantwortung und wollen den Nachwuchs mobilisieren und fördern", sagte sie.

Unterstützung können die jungen Wissenschaftler gebrauchen, denn es kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld, ein Projekt voran zu treiben. Diese Erfahrung machten auch Adrian, Hoang Son und Phuong Thanh, als sie sich intensiver damit zu beschäftigen begannen, einen künstlichen Muskel zu erstellen, der dann elektrische Impulse an den natürlichen Muskel weiterleitet. Adrian hat sich hierbei vor allem auf die technische Entwicklung konzentriert. Das heißt, er fertigte Skizzen an und überlegte sich, wie man den Super-Muskel einsetzen könnte. "Zum Beispiel bei Grubenunglücken", sagt der Schüler und seine sonst eher gleichgültige Stimme klingt plötzlich ganz begeistert. "Der Muskel könnte uns helfen, uns in den engen Räumen und Schächten zu bewegen." Was man auf unserer Welt damit alles erreichen könne, verändern, besser machen.

Nur an der Umsetzung haperte es. "Da wir bei Adrian zuhause keine klinisch-sauberen Bedingungen hatten, konnten wir den Muskel nicht bauen", sagt Phuong Thanh. Die Schülerin beschäftigte sich vor allem mit der Anatomie des menschlichen Körpers. Und weil es anders nicht klappte, baute Hoang Son schließlich statt einem Muskel eine Knochennachbildung. Diese sollte die Muskeln halten. "Mir war es wichtig, dass der Knochen so leicht wie möglich ist und so ähnlich aussieht wie ein menschlicher Knochen", sagt der schlaksige Schüler. Sie besorgten sich Bauschaum und ein besonderes Kunstharz. Damit formten sie das realistische Knochengerüst eines Arms. Vor allem die Eltern der drei jungen Forscher unterstützten das Projekt und sponserten es mit 600 Euro. Auch die Schule steuerte einen Teil bei. Sie bezahlte einen Trafo, der die Kontraktion des Muskels simuliert.

Mit dem Ergebnis sind die drei sehr zufrieden. "Am liebsten hätten wir jetzt einen Raum, in dem wir unter klinischen Bedingungen weiterforschen und so den Muskel aufbauen können", sagt Phuong Thanh. Aber jetzt hoffen die drei Tüftler erst mal, dass ihr Avatar-Arm auch die Juroren in der nächsten Stufe des Wettbewerbs überzeugt. Hier treten sie in gut zwei Wochen gegen die anderen Berliner Regionalgewinner an. "Klar wollen wir den ersten Platz belegen", sagen die Schüler vom Heinrich-Hertz-Gymnasium und der Friedensburg-Oberschule. Aber sie wissen: Die Konkurrenz ist groß. Denn auch in den Berliner Regionalbereichen Nord und Mitte haben Jugendliche tolle Projekte eingereicht. "Wenn es dann nicht klappt ist es aber auch nicht so schlimm", sagt Adrian, "auf jeden Fall haben wir mit dem Avatar-Arm viel Spaß gehabt und eine Menge gelernt."