Schulessen

Tischlein deck dich aus der Großküche

Die Firma Sodexo kocht täglich für Schul- und Kitakinder. Ein Besuch bei dem Caterer und am Mittagstisch

Ein kleiner Holztisch, darauf drei Teller. Einer mit Ei, Kartoffeln, Soße. Einer mit Gemüsegulasch und Hefeknödelscheiben. Und einer mit einer gebratenen Wurstscheibe, dazu Nudeln und Tomatensoße. So sieht das Ergebnis nun also in der Mensa der Reginhard-Schule aus, sieben Stunden nachdem Küchenleiter Lothar Lange früh am Morgen in der Großküche in Reinickendorf mit den Vorbereitungen losgelegt hat. Für knapp 2500 Kinder an Reinickendorfer Schulen und Kitas wird in der Sodexo-Küche an der Nimrodstraße das Mittagessen gekocht. Insgesamt gibt es in Berlin 13 Sodexo-Küchen - damit ist der Caterer der größte Belieferer von Schulen und Kitas in der Hauptstadt.

In der Küche in Reinickendorf stehen an diesem Morgen sieben Mitarbeiter an den Töpfen und Pfannen - aber die Entscheidung, was am Ende auf den Tellern liegt, fällt nicht nur hier. An den Speiseplänen für die Berliner Schüler sind viele Köche beteiligt. 1,93 Euro pro Tag und Schüler dürfen die Sodexo-Essen in Reinickendorf kosten, sagt Lothar Lange - inklusive Anlieferung. Die Eltern zahlen 23 Euro monatlich, der Rest kommt vom Bezirksamt. 50 oder 60 Cent mehr pro Tag, bei dem Gedanken bekommt Küchenchef Lange leuchtende Augen: Was man dafür alles anbieten könnte: jeden Tag kleingeschnittenes Rohgemüse zum Beispiel, "das mögen Kinder doch!", ruft er. Aber bei 1,93 Euro am Tag ist das eben nicht jeden Tag drin.

Zumal der Speiseplan täglich Obst enthalten muss, außerdem sehen die Vorgaben des Bezirksamts vor, dass ein Fünftel des angebotenen Essens aus dem Biolandbau stammen muss. Das muss Lothar Lange bei der Planung auch noch berücksichtigen, wenn er den zentral entwickelten Sodexo-Speiseplan an die Reinickendorfer Bedürfnisse anpasst. Damit aber ist es längst noch nicht getan. Denn da gibt es ja noch die Vorstellungen der Eltern und die der Kinder, und die passen eben auch nicht immer zusammen. Die Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Schule mittags satt werden und dabei möglichst viel Gesundes essen. Spinat zum Beispiel oder Brokkoli, Vitamine eben. Die Kinder wollen vor allem: Süßes! "Milchreis, Grießbrei, Hefeklöße", zählt Lothar Lange die Favoriten auf, "und natürlich Spaghetti mit Tomatensoße, die sind immer der Renner."

Keine leichte Wahl

Einmal in der Woche gibt es im Sodexo-Speiseplan Süßes. Aber den Eltern - oder Kindern, je nachdem, wer in der Familie den Speiseplan ausfüllt - wird die Entscheidung an diesen Tagen nicht leicht gemacht. Denn gerade dann stellt Sodexo "ein attraktives Essen als Gegenessen" auf den Speiseplan, wie es Sodexo-Sprecher Stephan Dürholt formuliert. Allzu leicht soll den Kindern die Entscheidung für das süße Gericht nicht gemacht werden. Wenn Eltern kopfschüttelnd vor dem Plan sitzen und sich fragen, warum es an manchen Tagen gleich zwei oder sogar drei Gerichte gibt, die dem Kind schmecken würden, und an anderen Tagen kein einziges - dann hat das also gute Gründe. Zufällig kommt kein Gericht auf den Speiseplan.

Auch die Eier in süßsaurer Soße, die Jagdwurst und das Gemüsegulasch nicht, die an diesem Tag in die Warmhalteverpackungen gefüllt werden. 1000 fingerdicke Scheiben Fleisch hat Lothar Langes Mitarbeiter Jan Fedrowitz an diesem Vormittag in der etwa einen Quadratmeter großen Pfanne gebraten, während in den Kesseln daneben 1250 Eier, ebenso viele Portionen Kartoffeln, 150 Portionen Gemüsegulasch kochten. Mit herkömmlichen Töpfen kommt man in dieser Größenordnung nicht weit: Der kleinste Kessel fasst 60, die drei größten 195 Liter.

Zwischen zehn und halb elf am Vormittag wird das Essen in die Warmhaltebehälter umgefüllt, "auf den Punkt gekellt", sagt Küchenchef Lothar Lange. Die "Warmhaltezeiten", also die Zeit zwischen Herd und Teller, sind in Deutschland gesetzlich geregelt. Nicht mehr als drei Stunden dürfe das Essen warmgehalten werden, erläutert Sodexo-Sprecher Dürholt, "da liegen wir deutlich drunter". In der Küche ist alles präzise durchgeplant, auf die Minute genau kommen die vier Fahrer in die Küche und machen sich auf den Weg zu den Schulen und Kitas, "Tagesmütter sind auch dabei", verrät Lothar Lange, darunter eine, die gerade einmal zwei Kinder betreut, das aber direkt neben einer Kita, die ohnehin angefahren werden muss.

Kartoffeln, Kartoffeln, Kartoffeln

In der Reginhard-Grundschule warten unterdessen schon die beiden Service-Mitarbeiterinnen auf die Lieferung aus der Nimrodstraße. Seit 2005 essen die Kinder der Reinickendorfer Grundschule bei Sodexo. 150 Kinder werden hier täglich unter Aufsicht einer Erzieherin versorgt, und Hortleiterin Monika Köppe schildert gleich das größte Problem: Es fehlt an Platz. 50 Stühle stehen an den acht Tischen zur Verfügung. Deshalb essen die Viertklässler schon in der zweiten Hofpause um 11.40 Uhr, die letzte Gruppe kommt erst um halb zwei. Um Punkt zwölf müssen die Kinder aus den vierten Klassen schon wieder im Unterricht sein - sie haben gerade 20 Minuten Zeit für das Mittagessen.

Ein Teil davon geht natürlich auch noch zum Quatschen drauf, jedenfalls bei Nele, Ebru, Denise und Maya, alle neun Jahre alt. Die vier Mädchen aus der 4a sitzen jeden Tag beim Mittagessen zusammen und reden, über Pferde, Musik oder auch schon mal über Jungs. Was auf dem Teller liegt, ist nicht ganz so spannend. Maya hat sich heute für das Ei mit Kartoffeln und süßsaurer Soße entschieden - und nach einem Blick auf die drei Teller vor der Essensausgabe ohne Ei und süßsaure Soße bestellt. Es komme aber "fast nie" vor, dass sie gleich nach dem Essen wieder Hunger habe, versichert sie. Ebru isst nur Kartoffeln und Soße, Nele Kartoffeln und ein bisschen von dem Ei. "Wir wissen schon ziemlich genau, welche Kinder immer nur die Beilagen essen", sagt Rita Szuwalski, die seit drei Jahren an der Grundschule das Mittagessen ausgibt. "Trotzdem versuchen wir, darauf zu achten, und ermutigen die Kinder, wenigstens auch ein bisschen was anderes zu essen." Und außerdem, so fügt die Mitarbeiterin hinzu, sei sie nicht so streng, wenn die Kinder sich nach einem Blick auf die ausgestellten Teller noch einmal umentscheiden, weil sie lieber etwas anderes essen möchten.

Am liebsten süß

Was die Kinder gern öfter auf dem Speiseplan sehen würden? Da bestätigt sich, was Lothar Lange zuvor berichtet hat: Süßes hätten sie gern. "Milchnudeln", sagt Nele, "Milchreis" wünscht sich Ebru, Maya bedauert, "dass es so leckere Sachen wie Eierkuchen nur so selten gibt". Meist sind sich die vier einig, was in der Mittagspause auf ihrem Teller liegen soll. Aber dann, kurz bevor sie wieder in ihren Klassenraum zurückrennen, zeigt sich doch noch, weshalb es gut ist, dass die Schüler zwischen drei Gerichten wählen können: Gerade hat Nele erklärt, von Brokkoli zum Mittagessen halte sie gar nichts, da wünscht sich Denise, das Gemüse solle häufiger auf der Karte stehen: "Ich liebe Brokkoli."