Gesundheit

Der Durchbruch der Zähne ist selten ein Grund für Infekte

Unruhiger Schlaf, Durchfall, Appetitlosigkeit: Dem Zahnen werden viele unangenehme Begleiterscheinungen nachgesagt. Tatsächlich kann es eine schmerzhafte Belastungsprobe für Baby und Eltern sein, krank wird das Kind davon aber nicht.

Zwar halten viele Menschen an dem Glauben fest, dass der Durchbruch der Zähne das Baby schwächt. "Die Zähne sind nicht schuld an allem", beruhigt indes Kinderarzt Peter Thilemann aus München. "Infekte im ersten Lebensjahr sind nicht ungewöhnlich." Im Durchschnitt zeigt sich der erste Zahn im sechsten Lebensmonat. "Die meisten Babys sind jetzt abgestillt und verlieren den Nestschutz durch die übertragenen Antikörper der Mutter", erklärt Thilemann. "Fieberhafte Infekte werden daher häufig fälschlich mit dem Zahnen in Verbindung gebracht." Das belegt auch eine Langzeitstudie der Cleveland Clinic im US-Bundesstaat Florida. Bei 125 Kindern wurden die Symptome des Zahnens täglich dokumentiert. Mehr als 19 000 Beobachtungstage und 475 Zahndurchbrüche ergaben, dass bei schwerwiegenderen Problemen wie Schlafstörungen, Durchfall, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Husten, Ausschlag oder Fieber von mehr als 38,9 Grad das Zahnen nicht die Ursache war. Zur Schmerzlinderung beim Zahnen empfehlen Ärzte kühlende Gegenstände wie Beißringe, kalte Waschlappen oder eine sanfte Massage der Zahnleiste. Zahngels mit Kamille und Lokalanästhetika können ebenfalls helfen. "Sie senken den Juckreiz und verschaffen zumindest kurzfristig Erleichterung", sagt Thilemann.