Theater

Gemeinsam auf der Bühne

Wie sich kleine blinzelnde Maulwürfe auf den Weg zur Sonne machen, was sich Sekundarschüler unter Helden vorstellen und wie sich tanzende Wellenreiter über die Bühne bewegen - das war jüngst in der ersten Präsentation des neuen kulturellen Bildungsverbunds Pankstraße an der Herbert-Hoover-Schule im Weddinger Brennpunktkiez zu erleben.

Viel Beifall bekamen die jungen Darsteller aller Nationen, die sich zum Großteil das erste Mal auf eine Bühne gewagt hatten.

Es ist nach den Worten von Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch (SPD) ein bislang einmaliges Pilotprojekt in Berlin, das die Kinder von der Kita bis zum Schulabschluss begleiten soll: Unter der Leitung des Kunst- und Kulturamtes Mitte arbeiten vier Kitas, zwei Grund- und eine Oberschule seit vier Monaten in Theater- Tanz- und Musikgruppen zusammen. Gefördert wird der Bildungsverbund, zu dem die Kitas Schönwalder Straße, Neue Hochstraße, Reinickendorfer Straße und Ruheplatz sowie die Humboldthain-Grundschule, die Wedding-Grundschule und die Sekundarschule Herbert Hoover gehören, aus dem Programm Soziale Stadt des Quartiersmanagements Pankstraße mit 30 000 Euro pro Jahr.

Mehr als 400 Kinder werden in dem kulturellen Netzwerk von Theaterpädagogen sowie professionellen Sängern, Tänzern und Schauspielern betreut. Sie erarbeiten gemeinsam Szenen und Stücke, Lieder und Choreografien. Eine der Betreuerinnen ist Uta Wollenberg. Die Schauspielerin hat mit den 7. Klassen der Hoover-Schule das Thema "Helden" gewählt und in Mimik, Tänzen und Episoden umgesetzt. "Bei der Erarbeitung des Stücks sind die Ideen der Schüler eingeflossen", sagt Uta Wollenberg. Sie hätten sich etwa Gedanken darüber gemacht, was Helden für Fähigkeiten haben müssen. Herausgekommen ist ein szenisches Mosaik, in dem es um Respekt, Angst und Mut, Kraft und Zusammenhalt geht.

"Es war so ein cooles Erlebnis, auf der Bühne zu stehen, dass ich am liebsten gleich noch einmal rausgehen würde", sagt eine Siebtklässlerin nach der Aufführung. Mit einer solchen Aufregung und so viel Applaus hatten die meisten Schüler nicht gerechnet. "Das ist ein gutes Gefühl", sagt Can, der jetzt keine Angst mehr vor dem Lampenfieber hat. Und Gizem ist nicht nur stolz auf die Präsentation, sondern nimmt aus dem Stück auch mit, "dass jeder ein Held sein kann und auch kleine Taten eine große Sache sind".

Ziel des Projekts ist es, die Wahrnehmung der Kinder zu stärken. "Mit Sprache, Theater und Musik bekommen die Kinder über die Unterrichtsfächer hinaus eine ganzheitliche Erziehung", sagt Thomas Schumann, Leiter der Herbert-Hoover-Schule. Das sei vor allem wichtig für Jugendliche, die Defizite hätten, sei es im Sozialverhalten oder in der deutschen Sprache. Der Schulleiter wollte mit seinen Schülern bei dem Verbund mitmachen, weil er eine Brücke von der Kita über die Grundschule bis zur Oberschule schlagen möchte. Jugendstadträtin Petra Schrader (Linke) betont, dass Kinder und Jugendliche in Kunst und Kultur eine eigene Sprache und ihre besonderen Fähigkeiten entwickeln. "Jedes Kind hat eine Begabung", sagt Petra Schrader. Das Projekt solle die Rahmenbedingungen schaffen, diese Begabungen zu entwickeln.