Valentinstagsgeschichten

Ja, ich will - Gespräche über die Liebe

Zum Valentinstag: Unsere Autorin Susanne Leinemann über große Gefühle

Foto: Sven Lambert

Dies ist die Geschichte vom Ende einer Ehe, die mir neulich zu Ohren kam. Ein Ehepaar mit so viel Geld, dass beide nicht mehr arbeiten müssen, zieht weit weg an einen Traumstrand dieser Welt. Weil man sich in der Fremde nicht so einsam fühlen will, kommen die besten Freunde mit - ein Paar, das genauso reich ist. Man kauft zwei Villen nebeneinander, blickt auf das Meer und lässt es sich gut gehen. Nur die Kinder der beiden Ehepaare machen noch ein bisschen Arbeit, aber dafür gibt es ja Kindermädchen. Die eine Mutter allerdings vertraut den Babysittern nicht recht, also schafft sie einen Teddybären an, in dessen Bauch eine Kamera installiert ist und durch dessen Knopfaugen das Treiben im Kinderzimmer aufgezeichnet wird. Und was muss sie entdecken, als sie die Aufnahmen kontrolliert? Mit den Babysittern ist alles okay. Aber ihr Mann vergnügt sich vor laufender Teddy-Kamera mit der befreundeten Nachbarin. Die Betrogene lädt spontan zu einem großen, eleganten Essen, zu dem natürlich auch die befreundeten Nachbarn geladen sind. Zum Nachtisch serviert sie dann eine ganz besondere Überraschung: die kompromittierende Aufnahme aus dem Teddybärbauch. Lecker!

Wissen Sie, was ich gedacht habe, als ich von der Geschichte hörte? Aha, zu viel Zeit zu haben, tut einer Ehe wohl nicht gut. Andererseits, zu wenig Zeit ist auch schlecht. Viele Ehen gehen mit der Begründung auseinander, man habe im Alltag das Gefühl füreinander verloren.

Es bleibt ein Geheimnis: Was macht eine gute Ehe aus? Es gibt darauf keine Antwort. Dafür sind Menschen viel zu unterschiedlich. Was der eine Partner langmütig erdulden kann, bringt den anderen schon nach wenigen Monaten zur Weißglut. Es gibt Ehen, die halten, weil sich die Paare ständig streiten. Andere schaffen es bis zur Silbernen Hochzeit und können die Anzahl der Kräche an zwei Händen abzählen. Es gibt Ehepaare auf Augenhöhe und es gibt Ehen mit klaren Machtverhältnissen. Von der Sache mit der Treue sollte man gar nicht erst anfangen, da wird es wirklich kompliziert. Noch nicht einmal die Zeit stabilisiert eine Ehe. Obwohl, ein bisschen schon. Statistisch droht das durchschnittliche Ehe-Aus zwischen dem vierten und achten Jahr. Wer sich also ins neunte gerettet hat, hat schon mal ein - statistisch gesehen - gutes Fundament.

Im Grunde muss sich ein Ehepaar in jeder neuen Lebensphase neu finden. Anfangs ist man verliebt und zu zweit, dann kommt das erste Kind. Die ersten Jahre sind nicht ohne. Kinder sind eben nicht nur eine Bereicherung, sondern auch eine Herausforderung. Oder: Was tun, wenn der Ehemann eine Midlife-Crisis kriegt? Er blickt auf sein Leben und sieht: mein Haus, meine Frau, meine Kinder, mein Auto. Soll das etwa alles gewesen sein? Schon ist er weg.

Aber ist es nicht naiv zu glauben, man könne mit einer neuen Liebe alles anders und sich selbst neu machen, eine Kehrtwende um 180 Grad? Wer immer wegrennt, der lernt halt nichts dazu. Und zahlt irgendwann den Preis. Denn eine lange Ehe gibt Halt - in Zeiten, in denen das Leben schwer wird. Wenn man jemanden braucht, der zu einem steht, einen aufbaut, wenn nicht alles läuft wie sonst. Nicht umsonst heißt es beim Ehegelübde: in guten wie in schlechten Zeiten.