Bildung

"Let's talk about Porno": Neuer Unterricht an Schulen

Die Schüler der achten Klasse an der Berlin Cosmopolitan School in Mitte sind aufgeregt. Laute Gespräche und nervöses Lachen hallen durch den Klassenraum. Die Stimmung scheint ausgelassener als sonst - und das hat einen Grund. In der nächsten Unterrichtsstunde steht das Thema Pornografie auf dem Plan. Zeit für jede Menge anzügliche Witze, die vor allem die Jungen faszinieren.

Jeder der Schüler hier ist schon einmal mit pornografischen Inhalten konfrontiert worden. Natürlich ist den Minderjährigen der Besuch von Sexseiten im Internet untersagt - aber oft reicht schon ein Klick, und die Seite öffnet sich für jeden. Pornografie ist in der heutigen Welt allgegenwärtig, vor allem aber im Internet. Die 14 Jahre alte Schülerin hat schon viele Werbebanner in Foren gesehen, wie etwa auf den Seiten von "Chatroulette". Da seien vor allem nackte Frauen abgebildet, erzählt sie. Im Internet sind pornografische Bilder und Filme frei zugänglich - auch für Minderjährige. Laut Umfrage der EU-Initiative Klicksafe hat mehr als die Hälfte aller Zehnjährigen solche Seiten bereits besucht. "Gefährlich ist das, weil nicht alle Kinder Fiktion und Wirklichkeit trennen können", sagt der Profamilia-Sexualpädagoge Sebastian Kempf. Pornografie verunsichere die Jugendlichen und verändere ihr Rollenverständnis.

Um jungen Menschen beim Umgang mit den Medien zu helfen, hat Klicksafe Arbeitsmaterialien für den Schulunterricht entwickelt und jetzt veröffentlicht. "Let's talk about Porno" lautet der Titel des 120-seitigen Heftes.

Auch vor Theresa und ihren Klassenkameraden Vinzenz und Max landen die Arbeitsunterlagen. "Was ist schon normal? - Leben in der Pubertät" heißt das erste Kapitel, das zweite fragt "Bin ich schön, bin ich sexy?" und behandelt Schönheitsideale in der Gesellschaft.

Vor allem Mädchen, sagt der begleitende Pädagoge Sebastian Kempf, finden Pornos abstoßend und fühlen sich unter Druck gesetzt. Von seinen Kolleginnen weiß Kempf, der nur mit Jungen arbeitet, dass es junge Frauen verunsichert, wenn sie bei ihrem Freund Pornos finden. Ihnen stelle sich dann die Frage, ob sie sich wie die dortigen Darstellerinnen verhalten müssten.

Max (15) und Vinzenz (14) glauben, dass sie das trennen können. Sie wüssten ja auch, dass es in echt keine Mädchen gebe, die etwa wie Megan Fox, die Hauptdarstellerin im Film "Transformers", aussehen oder Superkräfte wie Angelina Jolie im Actionfilm "Tomb Raider" haben. Trotzdem fragen viele junge Männer in Sebastian Kempfs Unterricht, ob der Sex nur gut sei, wenn Frauen stöhnen. Oder ob sie ausgefallene Praktiken wie etwa Analsex wirklich mögen. Er stelle immer wieder einen enormen Gesprächsbedarf fest - und die Zahlen geben ihm recht. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen suchen nach verstörenden Erfahrungen im Internet eine erwachsene Vertrauensperson auf.

Auch Theresa würde das machen. "Heute ist Pornografie ja kein Tabuthema mehr, da kann man schon auch mit Lehrern drüber reden", sagt die Schülerin. Bei ihr und ihren Mitschülern seien Pornos jedoch selten ein Thema - an der Berlin Cosmopolitan School habe sie es noch nie erlebt, dass jemand heikle Bilder oder Videos übers Handy vertreibe. Das geht auch nicht so leicht. An der Privatschule sind Handys während der Schulzeit verboten.

Tipps von Klicksafe gibt es auch online: www.klicksafe.de