Abnehm-Kur

"Jetzt schaffe ich es auch alleine"

Drei Monate nach ihrer Abhnehm-Kur in einer Klinik in Beelitz-Heilstätten berichten Kinder über ihr neues Leben: Zugenommen hat nur das Selbstvertrauen

Vor drei Monaten berichtete die Berliner Morgenpost über Kevin, Frederik, Konstantin, Joyce und Lisa - fünf Kinder und Jugendliche, die in der AHG Klinik in Beelitz-Heilstätten in Brandenburg das Abnehmen lernten. Ernährungskunde, Therapiegespräche und viel Sport und Bewegung standen in den sechs bis acht Wochen auf dem Programm. Aktiv sein, regelmäßig und ausgewogen essen, Spaß am Leben - all das wurde den Kindern und Jugendlichen während ihrer Kur vermittelt. Die Ergebnisse ließen nicht auf sich warten: Alle fünf speckten ordentlich ab. Doch wie ist es ihnen nach der Rückkehr nach Hause ergangen? Konnten sie die Ernährungstipps auch im Alltag umsetzen, konnten sie ihre gesunden Lebensgewohnheiten beibehalten? Wir haben vier von ihnen erneut befragt. Vorab sei verraten: Diese Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte. Drei Kinder haben weiter stark abgenommen. Und alle finden: Die Kur hat ihnen viel gebracht - vor allem Vertrauen in sich selbst.

Kevin, 13, aus Pankow:

"Vor der Kur habe ich zwischendurch ständig genascht, vor allem vor dem Fernseher. Fernsehen tu' ich immer noch viel, weil ich oft allein bin, aber Süßes esse ich nur noch wenig und nur drei Mal in der Woche, so wie während der Kur. Ich habe es mir einfach abgewöhnt und brauche es auch nicht mehr so. Ich wiege jetzt 67 Kilo, habe also seit der Kur noch mal zwei Kilo abgenommen. In Beelitz war ich mit 79 Kilo angereist! Am meisten helfen mir die Ernährungstipps, die ich bekommen habe: dass man nicht so schnell essen soll und dass man zwischendurch zehn Minuten Pause einlegen soll. Dann tritt der Sättigungseffekt ein. Meine Mutter muss mich ab und zu noch daran erinnern, aber eigentlich weiß ich es auch selbst. Sie ist sehr stolz auf mich. Sie sagt, dass ich mich in den zwei Monaten in Beelitz total verändert habe: dass ich erwachsener geworden bin, toll aussehe und viel mehr Lebensfreude habe. Auch in der Schule bin ich sehr gut aufgenommen worden. Selbst die Mädchen interessieren sich plötzlich für mich. Im Unterricht kann ich mich besser konzentrieren und habe mehr Spaß, weil ich in manchen Fächern besser geworden bin. Beim Sport kann ich jetzt auch alles mitmachen, weil ich durch das Training in der Klinik fitter bin, nicht mehr so schlapp und träge. Am Freitag fährt meine Mutter mit mir zum Judotraining, vielleicht fange ich das an, das klingt spannend. Ich möchte nicht noch mal auf eine Kur fahren, da war ich doch ganz schön lange weg von zu Hause. Aber ich glaube auch, dass ich das nicht brauche. Jetzt schaffe ich es alleine."

Konstantin, 15, aus Teltow:

"Auf der Kur habe ich mir vorgenommen, kleinere Portionen zu essen, und das habe ich auch geschafft. Pro Mahlzeit gibt es nur noch einen Teller, früher war es locker das Doppelte. Außerdem kocht meine Mutter gesünder - nicht nur für mich, sondern für die ganze Familie. Es gibt zum Beispiel nur noch einmal die Woche Fleisch. Aber sie achtet darauf, dass es trotzdem lecker schmeckt, nicht nur mager. Sie findet es toll, wie ich durchhalte. Ich war ja vor vier Jahren schon mal zum Abnehmen auf einer Kur. Da habe ich zwar auch viel abgenommen, mich aber danach in meiner Lebensweise nicht umgestellt. Daher kamen auch die Kilos schnell zurück. Jetzt bin ich auf 83 Kilogramm runter. Vor dem Aufenthalt in Beelitz waren es 95 Kilo, danach 87 Kilo. Ich gehe seit der Kur öfters mal zu Fuß. Außerdem gehe ich natürlich weiter zum Fußballtraining. Und einmal im Monat habe ich ein Training für adipöse Kinder an der Charité. Da geht es um Bewegung, Ernährung und so weiter. Auch die Eltern bekommen Unterricht. Wir müssen jede Woche unser Gewicht notieren, das wird genau kontrolliert, das ist für eine Studie. Ich würde noch mal auf so eine Kur gehen, allerdings nicht mehr während der Schulzeit. Ich habe im Unterricht eine Menge verpasst und muss mich sehr anstrengen. Dafür bin ich jetzt sportlicher, besser gelaunt und fühle mich wohler. Ich freue mich schon darauf, mir bald neue Klamotten zu kaufen!"

Joyce, 15, aus der Nähe von Dortmund:

"Leider muss ich sagen, dass ich etwas enttäuscht bin - von mir selbst. Mit knapp 100 Kilo bin ich in Beelitz angekommen, habe dort in sechs Wochen siebeneinhalb Kilo abgenommen. Doch jetzt habe ich wieder auf 95 Kilo zugelegt. Vielleicht hätte ich doch zwei Wochen länger bleiben sollen, aber ich hatte solches Heimweh! Das Essen ist gar nicht so das Problem. Ich esse jetzt weniger und bewusster. In die Schule nehme ich mir Brote mit und esse die über den Vormittag verteilt. Vor der Kur habe ich meistens nichts gegessen, sodass ich mit Heißhunger nach Hause gekommen bin, oder ich habe mir am Kiosk ungesunde Sachen gekauft. Mein Problem ist eher, dass ich mich nicht bewege. Ich habe zwar auf der Kur gelernt, welche Sportübungen effektiv sind. Aber alleine mache ich sie nicht. Es ist so schwer, sich zu überwinden! Neulich habe ich zusammen mit meiner Mutter Heimtraining gemacht. Das war echt lustig, aber am nächsten Tag hatten wir solchen Muskelkater, dass es bei dem einen Mal geblieben ist. Es würde mir helfen, wenn es in der Nähe einen Fitnesskurs für adipöse Kinder geben würde, so wie in Beelitz. Trotz allem finde ich aber, dass ich mich auf der Kur entwickelt habe. Ich bin selbstbewusster geworden und traue mich jetzt, den Schulsport mitzumachen. Doch als von Mitschülern gleich wieder negative Sprüche kamen, hat mich das doch getroffen. Manche waren so gemein, haben gesagt: Du bist ja noch fetter geworden. Ich will mir jetzt andere Freunde suchen. Und ich würde gern noch mal zur Kur, vielleicht in den Sommerferien."

Frederik, 14, aus Hannover:

"Es war ganz schön komisch, nach den zwei Monaten in Beelitz wieder zu Hause zu sein. In der Klinik war's immer trubelig, hier dagegen so still und langweilig. Und ich musste wieder mit im Haushalt anpacken. Das hatte ich in Beelitz fast verlernt! Gelernt habe ich dort vor allem viel über gesunde Ernährung: welches Lebensmittel welche Nährstoffe hat, dass vieles fetthaltiger ist, als man denkt. Wir haben dort das Essen eingeteilt in grün, gelb und rot: Grün ist erlaubt, rot sollte man meiden. Wenn die Produkte im Supermarkt mit so einer Ampel gekennzeichnet wären, würde das bestimmt helfen. Ich selbst richte mich jedenfalls danach. Wurst gibt es gar nicht mehr und beim Fleisch nur mageres, etwa Hühnchen. Es wird aber immer schwieriger abzunehmen und geht immer langsamer. Vor der Kur habe ich 80 Kilo gewogen, danach 71,5 Kilo, jetzt 67 Kilo. Mein Ziel sind 60 Kilo. Ich würde jedem, der zu viel auf den Rippen hat, zu so einer Kur raten. Anders schafft man es nicht. Ich habe über das Internet auch immer noch Kontakt zu den Leuten, die ich dort kennengelernt habe. Man tauscht sich aus, ob man zu- oder abgenommen hat, gibt sich Tipps und macht sich Mut. Die verstehen einen einfach gut in dieser Hinsicht. Meine Kumpels zu Hause haben mich aber auch super begrüßt. Sie haben mir Komplimente gemacht und haben Verständnis, wenn ich beim Treffen in einem Imbiss "nein" zum Cheeseburger sage. Das klappt aber nicht immer. Dann ärgere ich mich. Und meine Mutter schimpft auch sehr, wenn ich in alte Gewohnheiten zurückfalle."