Ernährung

Vorfahrt für die richtige Ernährung

Auf dem Stundenplan: gesunde Ernährung. Vielen Schulkindern fehlt es an grundlegenden Fähigkeiten in der Küche, und auch von gesunder Ernährung haben sie noch nie etwas gehört. Die Folgen dieser Unwissenheit sind dramatisch.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind zu dick, sechs Prozent von ihnen leiden unter krankhafter Fettleibigkeit. Und mit dem Alter nimmt der Anteil der Dicken noch zu: Beim Eintritt in das Rentenalter sind 70 Prozent der Bevölkerung übergewichtig.

Ein Ernährungsführerschein soll helfen, diesen gefährlichen Trend zu stoppen.

In sechs Doppelstunden lernen Mädchen und Jungen, mit Küchengeräten umzugehen und einfache Gerichte zuzubereiten: Knabbergemüse, Kräutercreme und Schnittlauchquark, leckere Tomatensoße, feine Pellkartoffeln und Milchmix mit Obst. Sie hantieren mit Sparschäler, Abtropfsieb und Schneebesen, Dosenöffner, Zitronenpresse und Pürierstab. Der Bonner Infodienst für Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft (aid) hat das Führerscheinkonzept für die dritten Grundschulklassen entwickelt. Seit Ende 2007 haben Schulen aus ganz Deutschland fast 20 000 Pakete mit Unterrichtsmaterialien angefordert. "Damit konnten schon 450 000 Kinder erreicht werden", sagt aid-Ernährungsexpertin Margret Büning-Fesel. Oft würden Kinder während der Kochstunden zum ersten Mal Kartoffelpüree aus frischen Kartoffeln essen und merken, dass es besser schmeckt als Pommes Frites. "Viele Kinder lernen zu Hause nicht mehr, wie gutes Essen zubereitet wird und warum es wichtig ist, sich gesund zu ernähren", sagt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU).

Das Projekt ist Bestandteil der Kampagne "In Form", mit der die Bundesregierung für gesunde Ernährung und Bewegung wirbt. Die Kochstunden für den Ernährungsführerschein ließen sich "problemlos in den Unterricht einbauen", sagt Aigner. In der Deutschstunde etwa können Kinder lernen, Rezepte zu lesen. Der Mathematiklehrer zeigt dann, wie sich Rezepte für drei Personen auf fünf Personen umrechnen lassen. So lässt sich lebensnah das Dreisatzprinzip vermitteln.

Vor allem Kindern aus sozial schwachen Familien fehlt es an Ernährungswissen. Diese Kinder profitierten deshalb von den Kochstunden in der Schule - wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. Mädchen und Jungen mit Ernährungsführerschein haben demnach insgesamt mehr Spaß am Essen. Sie achten auf gute Tischsitten, wollen zu Hause in der Küche häufiger mithelfen und auch bei der Auswahl der Speisen und Gerichte ein Wörtchen mitreden.