Leben und Wohnen im Alter

Salatschleudern auf Knopfdruck

Morgens geht es schon los. Der Reißverschluss lässt sich nicht mehr vernünftig greifen, das Messer flutscht weg. Und auch die Schnürsenkel lassen sich nur schwer zu einer Schleife binden. Wenn im Alter Kraft und Geschicklichkeit nachlassen, kann der Alltag schnell zur Last werden.

Mit den richtigen Hilfsmitteln fällt aber vieles in der Wohnung leichter und macht unabhängig von anderen. Außerdem kann der Hausarzt viele Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus auch verordnen, sodass für die Senioren nicht immer zusätzliche Kosten anfallen.

Helfer im Bad: Duschhocker sind für alle geeignet, die am Waschbecken oder in der Dusche nicht lange stehen können. Praktisch sind höhenverstellbare Hocker, die eine rutschfeste Sitzfläche sowie Gummikappen über den Füßen haben. Waschbecken sollten nicht zu tief sein, "sodass man sie zum Beispiel auch mit einem Rollstuhl unterfahren kann", sagt Ingrid Krauß vom Internationalen Design Zentrum (IDZ) in Berlin. Sie beschäftigt sich unter dem Begriff "Universal Design" mit Produkten, die auch für Ältere leichter zu gebrauchen sind.

Mehr Sicherheit im Bad bieten auch Haltegriffe, zum Beispiel am Einstieg zur Dusche. "Es gibt mittlerweile integrierte Griffe, die man auch nutzen kann, um darüber Handtücher zu hängen", sagt Krauß. Am sichersten sind bodengleiche Duschen, erläutert die Stiftung Warentest in ihrem Buch "Leben und Wohnen im Alter". Eine gute Möglichkeit, das Bad zu vergrößern, ist das Auswechseln der Türbeschläge: So lässt sie sich die Tür auch öffnen, wenn man stürzt und vor der Tür liegt. Schwierig können im Alter auch tiefe Toilettensitze sein. Wer keine neue Toilette einbauen möchte, die von vornherein höher konstruiert ist, kann sich mit einer Sitzauflage aus dem Sanitätshandel behelfen. Günstige Modelle gibt es schon ab 30 Euro, luxuriöse Varianten mit Armlehnen können auch 270 Euro kosten.

Helfer in der Küche: Bei vielen Küchenutensilien sind Kraft und eine gute Beweglichkeit der Finger gefordert. Flaschen mit Plastikschraubverschlüssen werden zum Beispiel für Ältere schnell zur Herausforderung. Dagegen helfen rutschfeste Öffner mit Hebelfunktion. Salatschleudern gibt es auch mit Knöpfen am Deckel, die mit der Handfläche hoch- und runtergedrückt werden müssen. "Das funktioniert wie ein Brummkreisel und geht auch mit wenig Kraft", erklärt Krauß. Beim Geschirr sollten Senioren auf breite Ränder achten, die gut zu greifen sind. Teller mit erhöhten Rändern verhindern, dass das Brot beim Schmieren wegrutscht.

Auch bei der Küchenplanung sollten bestimmte Dinge beachtet werden: Elektrogeräte, die häufig genutzt werden, wie Spülmaschine, Backofen oder Mikrowelle, sollten in Griff- oder Blickhöhe eingerichtet werden, um ständiges Bücken zu vermeiden. Und Unterschränke lassen sich besser nutzen, wenn sie große, leichtgängige Schubladen besitzen.

Allgemeine Hilfsmittel: Unbequem sind Steckdosen, vor denen man auf allen Vieren am Stecker des Staubsaugers oder anderen Geräten zerrt. Praktischer sind Steckdoseneinsätze, die mit einem Drehhebel ausgestattet sind. Durch Betätigen des Hebels löst sich der Stecker leichter aus der Steckdose. Nicht mehr ganz neu ist das Seniorenhandy, das dank größerer Tasten einfacher zu bedienen sein soll. "Die Idee dahinter ist, von der überladenen Funktionalität wegzukommen", erklärt Maria Stahl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft und Produktergonomie an der Technischen Universität in Berlin. Das Problem sei aber, das Ganze ansprechend zu gestalten. Durch die großen Tasten haben sich viele Ältere stigmatisiert gefühlt. Das Ergebnis: Das Handy wurde von vielen nicht gekauft. Dieses Paradox kennt auch Ingrid Krauß: "Die Designkomponente ist vielen Älteren sehr wichtig." Sachen aus dem Sanitätshaus erfüllten nicht immer diese optischen Ansprüche.

"Die Idee ist, von der überladenen Funktionalität wegzukommen"

Maria Stahl, TU Berlin