Interview

"Ein wirklich wirksames Mittel, um Geld zu sparen"

Im neuen Jahr wird alles anders. Das nehmen sich viele Familien auch beim Thema Sparen vor. Eines ist dabei aber äußerst unbeliebt: das Führen von Haushaltsbüchern. Zu Unrecht, sagen Experten. Mit Michael-Burkhard Piorkowsky, Haushaltsökonom an der Universität Bonn, sprach Karoline Beyer.

Berliner Morgenpost: Herr Piorkowsky, was bringt das Führen eines Haushaltsbuches?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Ein Haushaltsbuch gilt oft als spießig oder kleinkariert. Dabei ist es ein wirksames Mittel, um Geld zu sparen. So ist am besten zu kontrollieren, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen. Es bringt Rationalität in die Haushaltsführung, und es ist ein Instrument der Planung und der Lebensgestaltung.

Berliner Morgenpost: Wer führt ein Haushaltsbuch?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Knapp 30 Prozent der Deutschen zeichnen ihre Ausgaben auf. 20 Prozent können sich unter Umständen vorstellen, damit anzufangen, und für 50 Prozent kommt es nicht infrage. Sie wollen sich nicht den Spaß verderben lassen und leben nach dem Motto: "Es wird schon gut gehen." Dabei machen sich viele nicht klar, wie hoch ihre Ausgaben tatsächlich sind, besonders durch viele kleine Beträge. Wenn man über ein halbes Jahr alles auflistet, weiß man, was die eigene Lebensführung kostet und wie viel Spielraum bleibt. Jeder, der nicht im Geld schwimmt, sollte Interesse daran haben.

Berliner Morgenpost: Wie kann ein solches Buch aussehen?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Seit einiger Zeit gibt es außer den klassischen Vordrucken im Schreibwarenhandel auch flexibel gestaltete Haushaltsbücher in Ringbuchform. Hier kann jeder eintragen, was für ihn von Interesse ist und für welche Dinge er Geld ausgibt. Dabei muss natürlich nicht die letzte Nachkommastelle aufgeschrieben werden.

Berliner Morgenpost: In welchen Situationen ist ein Haushaltsbuch besonders sinnvoll?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Viele Menschen kontrollieren ihre Finanzen auf diese Weise vor allem in ungewöhnlichen Lebenssituationen. Wenn zum Beispiel ein Kind geboren wird, eine neue Wohnung gemietet wird oder zwei Partner zusammenziehen. Man kann auf diese Weise gewissermaßen über sein Leben nachdenken. Wie sicher sind meine Einnahmen, wann sind Raten fällig? Ist es sinnvoll, die Wohnung zu mieten oder ein Haus zu kaufen? Sollte ich das Auto leasen oder kaufen?

Berliner Morgenpost: Wer berät beim Anlegen des Heftes?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Auch wenn eine Familie nicht verschuldet ist, kann sie sich hierfür bei einer Schuldnerberatung Hilfe holen. Die Berater sind in Berlin in jedem Bezirk vertreten. Die Verbraucherschutzzentralen helfen ebenfalls weiter, der Sparkassen- und Giroverband bietet den Beratungsdienst "Geld und Haushalt".

Berliner Morgenpost: Können Kinder schon trainieren?

Michael-Burkhard Piorkowsky: Für Kinder ist es sinnvoll, mit einem Taschengeldheft zu üben. In der Kindheit wird der Umgang mit Geld auf diese Weise früh eingeübt. Was habe ich mit meinem Taschengeld gemacht, was mit dem Geldgeschenk von Oma? Mit zunehmendem Alter steigt auch der Taschengeldbetrag, und es können davon auch Schulmaterial und Kleidung bezahlt werden. Auf keinen Fall sollte so ein Heft aber ein Kontrollinstrument der Eltern sein.