Shopping im Wohnzimmer

Einkaufsparty mit Babys

Tupper war gestern: Jetzt gibt es Shopping-Nachmittage für Mütter, die ihren Nachwuchs neu ausstaffieren möchten

Foto: Amin Akhtar

Laut geht es zu in der Wohnung in Glienicke/Nordbahn. Sechs Kinder krakeelen durcheinander. Der jüngste ist acht Monate, der älteste drei. Hier ist Cornelia Blagojevic in ihrem Element, hier sitzt genau die richtige Kundschaft für sie beieinander: Vier Mütter als potenzielle Käuferinnen, die ihren kleinen Kindern heute ordentlich was bieten können und wollen, dazu die gemütliche Atmosphäre, fern jeder Einkaufshektik, bei Kaffee und Kuchen auf der Eckcouch. Auch dafür hat Cornelia Blagojevic gesorgt, schließlich hat die 30-Jährige die Mütter in ihr eigenes Wohnzimmer geladen.

"Baby-Shopping" heißt die Veranstaltung, die sich genauso wie eine Tupper-Party abspielt: Eine Mutter lädt Freundinnen zu sich, und eine Beraterin stellt den Frauen die Produkte vor. Manchmal ist die Einladende, wie in diesem Fall, gleichzeitig die Verkaufsberaterin, selten, ganz selten, ist auch ein Mann als Kunde dabei. Bei der Präsentation haben die Mütter alle Zeit, die Waren zu prüfen, zu vergleichen, zu diskutieren - und sich immer wieder mal eine Tasse Kaffee nachzuschenken. Einen Unterschied zur Tupper-Party gibt es allerdings: "Bei uns geht es lauter zu", sagt eine der Mütter und grinst. Denn der Nachwuchs soll natürlich mitgebracht werden, immerhin sind die Kleinen die Stars der Veranstaltung. Das hat seine Vorteile: Mütter müssen mit den Kleinen weder von Geschäft zu Geschäft hetzen noch einen Babysitter organisieren, um entspannter bummeln zu gehen.

Ein Korb als Markenzeichen

Eine halbe Stunde, bevor ihre Kundinnen erschienen sind, hat Cornelia Blagojevic ihren "Gabentisch" aufgebaut. Ein paar Produkte sind da schon zu sehen, aber - ein bisschen Dramaturgie darf es auch bei dieser Verkaufsshow sein - alles wird noch nicht verraten. Erst im Laufe der nächsten Stunde holt Cornelia eine Überraschung nach der anderen heraus - aus einem großen, weißen Weidenkorb. Der Korb ist das Markenzeichen der Veranstaltung, ihn kauft jede Beraterin vor ihrer ersten Party: Denn "Baby Basket" nennt sich die Firma, deren Produkte auf diese direkte Art an die Mutter gebracht werden sollen. Und zu kaufen gibt es viel: Bekleidung, Naturkosmetik für Mutter und Kind oder auch Trinkflaschen und Spielzeug für Kinder von bis zu drei Jahren.

Privat organisierte Tauschbörsen, bei denen Mütter mehr die Kleidung abgaben oder verkauften, aus denen ihre Kinder herausgewachsen waren - das gibt es in Deutschland schon lange. Aber eine Firma, die mit eigenen Baby-Produkten ins Haus kommt - das ist in Deutschland recht neu. Gegründet wurde das Unternehmen "Baby Basket" vor zwei Jahren in München von Annemarie Grund (34), Diplom-Kauffrau und Mutter von zwei Kindern. Doch die Idee stammt nicht von ihr, sondern aus den USA. Eine Freundin hatte Annemarie Grund von dem Direktvertriebssystem erzählt, die Münchnerin gründete den deutschen Ableger.

Cornelia Blagojevic ist inzwischen beim Auspacken der Produkte angekommen. Als Erstes wandert "Fred" aus dem Korb - ein Nilpferd-Kissen in Hellblau für 29,90 Euro, zu dem es auch das rosafarbene Pendant "Flipsi" gibt: Das Kissen lässt sich zusammenkletten - dann verwandelt es sich in ein Kuscheltier. "Ich möchte das zeigen!", meldet sich Cornelias Sohn zu Wort, der sich bisher schüchtern hinter Mamas Beinen versteckt hat. Der Dreijährige greift sich "Fred" und reicht ihn an die anderen Kinder weiter. Niklas (2) übergibt ihn an die einjährige Clara, die das Nilpferd an sich drückt, während sie auf Mutter Ulrikes Schoß sitzt. Wer kann da einem Kauf widerstehen? Die 31-jährige Ulrike ist die Schwester der Beraterin und extra aus Aachen angereist. Die anderen Frauen kennen sich aus dem Pekip-Kurs oder aus der Ausbildung wie im Fall von Anja (28).

Nach und nach folgen: Lätzchen und Waschlappen, Bodys und Fruchtsauger. Jede potenzielle Kundin hat vor sich einen Zettel liegen, auf dem sie ihre Wunsch-Einkaufsliste zusammenstellen kann. Geduldig beantwortet Cornelia Fragen zu Material, Pflege und Anwendung, während ihre Freundinnen testen, begutachten, ausprobieren. Nebenbei kümmert sie sich um ihren Nachwuchs: "Das war auch der Grund, weshalb ich Beraterin bei Baby Basket werden wollte", sagt die Groß- und Außenhandelskauffrau. "In welchen Job kann man seine Kinder schon mitnehmen und sich einteilen, wie oft man arbeiten will?" Einmal pro Woche möchte sie eine Baby-Party geben. Diese heute ist erst ihre zweite.

Job-Training am Telefon

Fit für den Job wurde sie über Telefontrainings gemacht. Abends fanden drei Schulungen statt. Weitere Trainingsmodule gibt es immer dann, wenn neue Produkte auf den Markt kommen. Deutschlandweit arbeiten derzeit 91 Beraterinnen, in und um Berlin sind es vier.

Cornelia Blagojevics zweite Baby-Shopping-Party entwickelt sich zum Erfolg. Ihre vier Kundinnen haben ihre Wunschlisten bereits ausgefüllt. Anja haben es der Glückspilz-Waschlappen (5,95 Euro) und Leder-Schühchen (24,95 Euro) angetan, Andrea ersteht für Emilia den Fruchtsauger (6,99 Euro) und einen Body-Doppelpack (19,95 Euro), Stefanie greift beim Frotteebeutel "Lucky Dog" (19,95 Euro) zu, und Ulrikes Clara soll schon bald in dem rosa Nicki-Kleidchen (29,95 Euro) durch die Wohnung flitzen. Etwa acht Tage müssen sie sich jetzt gedulden, dann ist die Ware da und wird von der Gastgeberin verteilt.