Ramadan

Fasten und Futtern beim Familienfest der Moslems

Am Donnerstag begannen in Berlin die "Die Nächte des Ramadan". Sowohl im Lustgarten vor dem Alten Museum als auch im Museum für Islamische Kunst sind orientalische Klänge zu hören. Jeden Abend zum Sonnenuntergang, gegen halb neun, finden Konzerte und Lesungen statt. Das Zuckerfest, Weihnachten der Moslems, steht vor der Tür.

Es ist erstaunlich ruhig in der Wohnung der Familie El-Hussein, wenn man bedenkt, dass neben Vater Yasser (38) und Mutter Iman (36) noch ihre vier Kinder Diala (12), Jawad (10), Tamer (7) und Hadi (4) anwesend sind.

Dass die Kinder zurzeit so artig sind, liegt daran, dass der Fastenmonat Ramadan angebrochen ist. "Ramadan ist eben eine besondere Zeit. Eine Zeit der Besinnung, Reinigung und Selbstdisziplin", sagt Diala. Da sei man eben brav. "So ähnlich wie christlich erzogene Kinder in der Vorweihnachtszeit." Dass ihre Mutter und ihr Vater seit Sonnenaufgang weder gegessen noch getrunken haben, ist für die Kinder völlig normal. "Fasten heißt, dass der Muslim oder die Muslimin von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts zu sich nimmt", sagt Diala.

Die Kinder der El-Husseins bemühen sich ebenfalls schon, dieser Tradition zu folgen. "Aber sie können jederzeit das Fasten unterbrechen, wenn es für sie zu anstrengend wird", betont Iman El-Hussein. Sie möchte ihre Kinder langsam an die alljährliche Enthaltsamkeit heranführen. "Wegen der tollen Familientreffen und des besonders aufwendigen Essens am Abend bemühen sie sich generell schon sehr!" Aufwendig Speisen zum Ramadan? "Alles Gute zum Ramadan, mögen eure Tische im Überfluss gedeckt sein", heißt tatsächlich eins der bekanntesten islamischen Grußworte für den Fastenmonat.

Am Tag fasten, am Abend futtern

Dass Ramadan hauptsächlich mit Entbehrungen, Magenknurren und ständigem Durst zu tun hat, stimmt keineswegs. Im Gegenteil: Weil sich die religiöse Pflicht, auf leibliche Genüsse zu verzichten, nur auf die Tagesstunden bezieht, gibt man sich den Genüssen am Abend oft umso intensiver hin. "Abends gibt es bei uns dann immer mehrere Gänge", sagt Yasser El-Hussein. So geht der Fastenmonat Ramadan paradoxerweise mit mehr kulinarischen Köstlichkeiten einher als jeder andere Monat. "Und es ist ein Monat, in dem sich die Familie besonders gern und häufig trifft", ergänzt Iman El-Hussein. Traditionell kommen die Familien an den Wochenenden beim Familienältesten zusammen. "Bei uns ist das meine Mutter." Und die "Oma" freue sich immer sehr, dass ihre sechs Kinder samt Ehepartnern und 17 Enkeln zum Kochen kommen.

Die genussreiche Seite einer Religion, der ansonsten ein eher puritanischer Ruf anhaftet, soll auch das Berliner Festival "Die Nächte des Ramadan" vermitteln. Sowohl im Lustgarten vor dem Alten Museum als auch im Museum für Islamische Kunst erklingen seit Donnerstag orientalische Klänge. Jeden Abend zum Sonnenuntergang, gegen halb neun, finden Konzerte und Lesungen statt. Zum Abschluss der "Nächte des Ramadan" am 20. September gibt es dann ein Familienfest. "Das ist das sogenannte Zuckerfest, das man mit der christlichen Weihnacht vergleichen kann", sagt Iman El-Hussein.

Doch heute ist die vierfache Mutter noch mit einem anderen Thema beschäftigt: Am Abend hält sie einen Vortrag über die Bedeutung des Fastens in Kreuzberg. Zum gemeinsamen abendlichen Fastenbrechen lädt der Arbeitskreis Neue Erziehung - und zwar Muslime und Christen. "Mit der Veranstaltung will die Vorsitzende des Arbeitskreises, Heidemarie Arnhold, zum Abbau von Vorurteilen beitragen. "Interreligiöses Fastenbrechen" nennt sie das.

Das Festival "Nächte des Ramadan" findet im Lustgarten und im Museum für Islamische Kunst statt.

Informationen zum Programm unter www.naechtedesramadan.de