Ratgeber

Taschengeld spätestens ab dem 1. Schuljahr

Für alles gibt es eine Verordnung - sogar für das Taschengeld. Das "erhält der junge Mensch zur freien Verfügung", heißt es in der Allgemeinen Verordnung zum Jugendunterhalt. "Es ist für die Erfüllung individueller Wünsche bestimmt." Und: "Eine Kürzung ist in der Regel unzulässig."

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Aber bevor Berliner Eltern nun aufschrecken - diese Senatsverordnung bezieht sich auf Minderjährige im betreuten Wohnen. Wie Eltern mit dem Thema Taschengeld umgehen und - vor allem - wie viel sie ihrem Nachwuchs zahlen, ist immer noch ihnen selbst überlassen. Allerdings gibt es hilfreiche Orientierungspunkte. Der Berliner Schulpsychologe Manfred Günther hat auf Basis der Senatsverordnung eine Taschengeldtabelle erarbeitet (siehe Grafik). Er rät zu einer jährlichen Staffelung, beginnend mit dem ersten Schuljahr. "Vor der Einschulung scheint mir Taschengeld nur sinnvoll, wenn das Kind es wünscht, und es auch schon die Cent zusammenrechnen kann", sagt er und schlägt 50 Cent für den Anfang vor. Ab der ersten Klasse und spätestens mit sieben Jahren sollten Kinder aber regelmäßig und verlässlich einen festen Betrag zur freien Verfügung haben. Beginnend mit einem Euro pro Woche, kann das Taschengeld dann bis auf 5 Euro im 6. Schuljahr steigen.

Danach rät Günther zur Umstellung auf 14-tägige Auszahlung. Monatliches Taschengeld hält er für problematisch, denn das führe immer wieder zu "kleinen Pleiten".

Kinder sollen lernen, selbstständig und eigenverantwortlich mit Geld umzugehen. Sie sollten nicht vom guten Willen und den Launen ihrer Eltern oder Großeltern abhängig sein. Zeugnisgeld und ähnliches soll es immer zusätzlich geben - wer das vom Taschengeld abzieht oder es verrechnet, der entzieht seinen Kindern die Motivation. Außerdem rät der Jugendexperte dazu, Teenagern ab der 10. Klasse zusätzlich zum Taschengeld monatlich einen Festbetrag für Kleidung und Drogerieartikel zu geben, anfangs 40 Euro, bis zur 13. Klasse könne der dann bis auf 60 Euro wachsen. Das Geld sollten Eltern auf ein verzinstes Girokonto der Kinder überweisen, spätestens ab dem 14. Lebensjahr. Mit einer auf 120 Euro begrenzten EC-Karte lernen die Jugendlichen dann schnell, mit größeren Beträgen umzugehen.

Die Taschengeldtabelle ist natürlich nur eine Orientierungshilfe. "Um Sozialneid zu vermeiden, sollte man sich auf Elternabenden abstimmen", rät Günther. "Kinder werden trotzdem gern behaupten, dass ihr Klassenkamerad mehr bekommt - so wie sie auch gerne behaupten, dass alle anderen später nach Hause kommen dürfen."

Übrigens: Einen Rechtsanspruch auf Taschengeld hat der Nachwuchs trotz allem nicht.

Weitere Infos: Manfred Günther, "Fast alles was Jugendlichen Recht ist" (HDV-Verlag, 5 Euro)