Pflege

Studie: Ältere wollen zu Hause wohnen, nicht im Heim

3,4 Millionen Angehörige von Pflegebedürftigen leisten in Deutschland mehr Pflege als professionelle Dienste. Jetzt hat eine durch die Pflegeberatung Compass in Auftrag gegebene Studie sich mit dem Thema befasst. Kernpunkt waren vor allem die Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen an die Pflege.

Dazu wurden in Zusammenarbeit mit der Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie an der Charité, Adelheid Kuhlmey, 6 218 Privatversicherte befragt. Alle Teilnehmer waren über 40, überproportional aber über 60 Jahre alt. Zwölf Prozent, ungefähr 500 Personen, waren selbst pflegebedürftig.

In einem Teil der Studie ging es um die Frage, wie viel die Teilnehmer über das Thema wissen. Viele fühlten sich schlecht informiert über Pflegeangebote und Hilfe bei der Angehörigenpflege. Betroffene seien natürlich meist besser informiert, sagt Altersforscherin Adelheid Kuhlmey: "Vor allem Menschen, die selbst pflegen."

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Unterstützung brauche, was leistet die Pflegeversicherung? Diese Fragen beschäftigen Pflegebedürftige und pflegende Angehörige gleichermaßen. Institutionen wie zum Beispiel Pflegeheime seien häufig Anlaufpunkte für die Informationssuche, sagt Adelheid Kuhlmey. "Unabhängige Pflegestützpunkte oder Pflegedienste werden eher selten aufgesucht." Vor allem eine Pflegeberatung könne hier Betroffene gut unterstützen.

Die meisten Menschen wollten am liebsten zu Hause bleiben, trotz gesundheitlicher Einschränkungen. "Sie wollen ihre Unabhängigkeit behalten, aber häufig keine Hilfe annehmen", so Kuhlmey. "Diese Tatsache und ihre individuellen Wünsche müssen berücksichtigt werden."

Die Erwartung der Befragten, dass Angehörige einen Beitrag zur Pflege leisten, ist mit 79 Prozent recht hoch, ebenso die Zustimmung zur Aussage "Partner/innen sollten sich verpflichtet fühlen, Unterstützung und Pflegeaufgaben zu übernehmen". 40 Prozent aller Befragten bevorzugen "Pflege zu Hause durch Angehörige und ambulante Dienste", der größte Teil davon waren männliche Teilnehmer, die in Partnerschaft lebten. Nur acht Prozent bevorzugten eine Pflege ausschließlich durch Angehörige. Neun Prozent können sich im Falle von Pflegebedürftigkeit ein Heim als Wohnort vorstellen. Pflegepersonal, Sauberkeit, Versorgung und Klima und Umgang sind die wichtigsten Kriterien für eine Heimauswahl unter den Befragten. Viele glauben nicht daran, dass die Pflegeversicherung alles leisten kann und sind trotzdem zusätzlich nicht gut abgesichert. Viele sind bereit, dafür 20 bis 50 Euro im Monat zu investieren.

"Die Deutschen sind Dienstleistungsmuffel. Sie nehmen die professionellen Dienstleister, wie Fahrdienste, Essen auf Rädern oder hauswirtschaftliche Hilfe nur bedingt in Anspruch", so Adelheid Kuhlmey. "Bei vielen herrscht die Meinung, sie seien schlecht oder zu teuer."

Überraschend ist, dass die Gründe zur Entscheidung für eine Heimpflege immer weniger akzeptiert werden, je älter die Befragten sind. Nur wenige der über 90-Jährigen können sich Vereinsamung als Beweggrund vorstellen. Auch Verwirrtheit wird mit höherem Alter immer weniger als Grund für das Heim angesehen.

Wer allein lebt, fürchtet ein Heim oft noch mehr: Die Mehrheit möchte laut Umfrage unter keinen Umständen ins Heim, während die in Partnerschaft Lebenden weniger Ablehnung zeigen.

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