Interview

Wer zu Hause arbeitet, braucht ein gutes Selbstmanagement

Ein Arbeitsplatz zu Hause muss gut vorbereitet werden. Die Diplom-Psychologin und Trainerin Helen Hannerfeldt erklärt im Gespräch mit Annette Kuhn, worauf es dabei ankommt.

Berliner Morgenpost: Arbeiten zu Hause: Was sind die Vor- und Nachteile?

Helen Hannerfeldt: Man hat zu Hause mehr Flexibilität. Die Arbeitszeiten lassen sich individueller gestalten, man kann bequeme Kleidung tragen, sich den Arbeitsplatz so einrichten, wie man es haben will. Ein großer Nachteil ist allerdings, dass der Ablenkungsfaktor sehr groß ist.

Berliner Morgenpost: Wie lassen sich Ablenkungen vermeiden?

Helen Hannerfeldt: Wichtig ist die zeitliche und räumliche Trennung. Gut ist es, wenn man ein eigenes Arbeitszimmer hat. Aber dafür fehlt oft der Platz. Der Arbeitsbereich lässt sich aber auch durch ein Bücherregal, einen Vorhang oder Grünpflanzen abtrennen. Auf jeden Fall darf ich ihn nicht mehr sehen, wenn ich ihn verlasse. Außerdem sollte es eine rituelle Trennung geben: Wenn ich anfange zu arbeiten, mache ich mir zum Beispiel einen Tee oder Kaffee. Auch zum Arbeitsende kann es ein solches Ritual geben.

Berliner Morgenpost: Jetzt sitze ich am abgetrennten Schreibtisch mit meinem Tee und kann mich trotzdem nicht konzentrieren, weil mir einfällt, was ich noch alles im Haushalt tun müsste.

Helen Hannerfeldt: Das ist der schwierigste Bereich: die gedankliche Trennung. Um sich wirklich ganz auf die Arbeit konzentrieren zu können, sollte ich erst einmal To-do-Listen erstellen: Für jede Aufgabe sollte ich abschätzen, wie viel Zeit sie in Anspruch nimmt. Dann erstelle ich eine Prioritätenliste: Muss ich heute wirklich einkaufen oder reicht die Milch nicht noch bis morgen? Genauso sollte man auch die Arbeitsaufgaben sortieren. Oft stellt man dabei fest, dass man sich für die zur Verfügung stehende Zeit viel zu viel vorgenommen hat. Dadurch entsteht Stress, den man vermeiden könnte.

Berliner Morgenpost: Wie teile ich meine Zeit denn am besten ein?

Helen Hannerfeldt: Ich empfehle eine klare Rhythmisierung. Wenn mir am Vormittag zum Beispiel vier Stunden zur Verfügung stehen, kann ich anderthalb Stunden arbeiten, dann mache ich 15 Minuten Pause und arbeite wieder anderthalb Stunden. In der Pausenzeit stehe ich vom Arbeitsplatz auf und mache etwas ganz Anderes: Zeitung lesen, eine Dehnungsübung. Während der Arbeitszeit sollte man den Stecker des Privattelefons ziehen und das Handy ausschalten. Am besten teile ich meinem Umfeld mit, wann ich nicht gestört werden will.

Berliner Morgenpost: Klappt das auch bei Kindern?

Helen Hannerfeldt: Das hängt natürlich vom Reifegrad ab. Es gibt Kinder, die können eine Zeit lang hervorragend allein spielen, wenn im Nebenzimmer jemand ist, aber viele können das nicht. Für Eltern ist daher ein gutes Netzwerk wichtig. Leichter ist es auf jeden Fall, ohne Kinder im Hintergrund zu arbeiten.

Berliner Morgenpost: Und wenn die Arbeit noch nicht fertig ist, die Kinder aber schon wieder da sind?

Helen Hannerfeldt: Dann sollte ich trotzdem vermeiden, am Nachmittag nebenbei weiter zu arbeiten. Letztlich kann ich mich dann auf beides nicht richtig konzentrieren - weder auf die Arbeit noch auf die Kinder. Da hat dann keiner etwas davon.