Interview mit Singleberater Christian Thiel

"Es gibt schwierige Fälle, aber keine hoffnungslosen"

Das Single-Dasein - für den einen Lebenseinstellung, ein anderer leidet darunter. Warum Phasen ohne Partner auch wichtig sein können und wie man dann eine neue Liebe findet, darüber sprach Nicole Dolif mit Singleberater Christian Thiel.

Berliner Morgenpost: Wenn der 30. Geburtstag näher rückt, werden viele Singles nervös. Im Freundeskreis wird geheiratet, die ersten Kinder kommen zur Welt...

Christian Thiel: Trotzdem ist es besser, ruhig zu bleiben. Single-Phasen sind gut und wichtig. Wenn man gerade allein ist, sollte man das genießen und für sich nutzen.

Berliner Morgenpost: Wie denn zum Beispiel?

Christian Thiel: Als Single kann man über seine Zeit frei verfügen, im Beruf vorankommen und über vorangegangene Partnerschaften nachdenken. Die meisten Menschen sind erst wieder offen für eine neue Partnerschaft, wenn sie sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt haben und wissen, was sie diesmal anders machen möchten.

Berliner Morgenpost: Wie viel Zeit sollte man sich dafür nehmen?

Christian Thiel: Das ist ganz unterschiedlich. Der eine braucht dafür nur ein paar Wochen, ein anderer acht Jahre. In den meisten Fällen sind Singles nach einem Trauerjahr wieder bereit für eine neue Beziehung.

Berliner Morgenpost: Und wo finden 30-Jährige am besten einen Partner?

Christian Thiel: Das wird tatsächlich mit zunehmendem Alter schwieriger. Mit Mitte 20 lernt man seine Partner im Allgemeinen noch recht ungezwungen kennen. Da hat man auch noch nicht den Anspruch, dass die Beziehung fürs Leben halten soll. Doch ab 30 schrumpft das Angebot an potenziellen Partnern gewaltig. Bei den 30- bis 50-Jährigen sind nur etwa 5 bis 10 Prozent eines Jahrgangs noch Single. Und von denen will gar nicht unbedingt jeder einen Partner.

Berliner Morgenpost: Was raten Sie suchenden Singles?

Christian Thiel: Werden Sie wirklich aktiv. Ein neuer Partner, mit dem man sich gut versteht, fällt einem normalerweise nicht vor die Füße. Den muss man suchen. Das Internet oder auch eine Anzeige kann dabei eine große Hilfe sein.

Berliner Morgenpost: Worauf muss man da achten?

Christian Thiel: Man sollte sich möglichst konkret beschreiben. Also nicht "ich bin eine humorvolle Frau", sondern "ich bin eine Frau, die gern über Witze von Harald Schmidt lacht". Und statt "ich verreise gern" lieber "ich mag Hüttenferien in Norwegen".

Berliner Morgenpost: Das hört sich ja einfach an. Trotzdem kenne ich einige verzweifelte Singles, die niemanden finden...

Christian Thiel: Es gibt schwierige, aber keine hoffnungslosen Fälle. Irgendwo und irgendwann wartet auf jeden ein Partner.

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