Wahlkampf

So wollen die Parteien Brandenburgs Wähler gewinnen

Die einen setzen auf Großkundgebungen und den Kanzlerkandidaten, die anderen auf Wähleransprache im kleinen Kreis. Die Kanzlerin darf auche in wenige Wahlkampf machen in Brandenburg, steht aber nicht im Zentrum. Jeder Partei versucht es mit einer anderen Strategie, doch die Plakate ähneln einander.

Matthias Platzeck (SPD) ist schlicht "der Brandenburger". Auf etwa 10.000 Plakaten hat der Ministerpräsident und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 27. September nicht mal einen Namen. Fast alle Märker kennen ihn, den Erhebungen zufolge sind es genau gesagt 98 Prozent. Mit der bodenständigen Marke "Platzeck" wollen sich die seit 1990 regierenden Brandenburger Sozialdemokraten auch dieses Mal erfolgreich vom Bundestrend abkoppeln. 2004 gelang das mit dem Platzeck-Slogan "Einer von uns": Die SPD holte trotz deutlicher Verluste 32 Prozent, die damalige PDS 28 Prozent. Die CDU kam auf 19 Prozent.

Wie damals verzichtet die märkische SPD auch dieses Mal auf einen Wahlkampf gegen die Bundes-SPD. So wie er einst seinen "Freund" Gerhard Schröder bei der umstrittenen Arbeitsmarktreform unterstützte, will Platzeck seinen "Freund" Frank-Walter Steinmeier mit seinem "mutigen" Deutschland-Plan bei den Märkern verteidigen. Steinmeier, der in Brandenburg/H. erstmals für den Bundestag kandidiert, soll keinesfalls versteckt werden. Mehrere gemeinsame Kundgebungen sind ab 5. September vorgesehen.

150 Auftritte plant Platzeck bis zur Landtags- und Bundestagswahl. Am Fuße des Brauhausbergs enthüllte Platzeck nun in Potsdam zum Start in die erste heiße Phase zwei Großplakate. In den nächsten drei Wochen will er mit Brandenburgern diskutieren, die in Vereinen oder Verbänden organisiert sind. Dann beginnt die Marktplatz-Zeit. "Platzeck wird das stärkste Argument der SPD sein", sagt sein Generalsekretär Klaus Ness.

Union läuft sich noch warm

Die CDU-Spitzenkandidatin Johanna Wanka ist keine Brandenburgerin, aber eine gebürtige Ostdeutsche. Auf ihren Wahlplakaten hat die Unions-Chefin die "Heimat im Herzen". Wohltuende Wärme soll das Großplakat rüberbringen, nicht an die Sorgen in der Krise erinnern. Noch ist Ferienzeit. Der Slogan ist nicht neu: Das Hamburger Abendblatt will "Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen", auch die Südtiroler Spitzbuam besangen auf ihrer CD die "Heimat im Herzen". 400 Großflächen will die Union bis zur Landtagswahl kleben, dazu kommen 250 für die Bundestagswahl.

Für die Union beginnt die heiße Phase erst mit ihrem Spätsommerfest am 5. September. Anders als die SPD setzt die CDU fast nur auf kleinere Veranstaltungen mit dem Wähler. Wissenschaftsministerin Wanka, die ehemalige Mathematikprofessorin aus Sachsen-Anhalt, kennen zu wenige. Zugpferd bei den Kundgebungen soll daher Kanzlerin Angela Merkel sein. Sie kommt am 8. September nach Rathenow, am 19. September nach Finsterwalde und am 26. September nach Potsdam.

FPD und Bündnisgrüne optimistisch

Im Gegensatz zur Union verbreiten SPD und Linke schon jetzt ihre Wahlkampfthemen. In auffallend ähnlicher Aufmachung auf roten Plakaten. "Ich kämpfe um jeden Arbeitsplatz", heißt es bei Platzeck und "Ich stehe für gute Bildung - unabhängig vom Einkommen der Eltern!" Für die Positionen der Linkspartei wirbt derzeit nur das Spitzenpersonal Gregor Gysi ("Reichtum für alle") und Oskar Lafontaine ("Damit es im Land gerecht zugeht"). Auf Großflächen werden später die Spitzenkandidatinnen für die Bundestags- und Landtagswahl, Dagmar Enkelmann und Kerstin Kaiser, werben. Großkundgebungen mit Gysi sind am 4. September in Brandenburg/H. und am 25. September in Potsdam geplant. Bei dem Termin in der Landeshauptstadt wird Lafontaine vermutlich seinen einzigen Auftritt in Brandenburg haben.

Hoch motiviert gehen die Liberalen und die Bündnisgrünen in den Wahlkampf. Laut Umfragen haben die beiden kleinen Parteien nach 15 Jahren erstmals die Chance, in den Landtag zurückzukehren. Ihr Wahlkampf-Etat ist aber bescheiden. Das Budget der SPD liegt bei zwei Millionen Euro, inklusive der vergangenen Europawahl. Die Union muss mit 600 000 Euro auskommen, die Linke setzt 400 000 Euro allein für den Landtags- und Bundestagswahlkampf ein.

Die Bündnisgrünen, die mindestens acht Prozent erreichen wollen, investieren 130 000 Euro. Sie wollen sich vom Wahlplakat-Einerlei abheben. Eine Kuh mit Brille verspricht: "Land in Sicht für Brandenburg - aus der Krise hilft nur Grün". Die finanziell klamme FDP will nur 15 000 Euro ausgeben. Ihr Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Hans-Peter Goetz, wirbt großflächig für die Partei als "Anwalt der Mitte". Veranstaltungen sind mit Guido Westerwelle geplant; ein Höhepunkt soll der Bundesparteitag in Potsdam am 20. September sein. Die FDP hält angesichts des Bundestrends ein zweistelliges Wahlergebnis für möglich. Optimistisch bietet sie sich der seit zehn Jahren mit der Union regierenden SPD und der regierungshungrigen Linken als Alternative an.