Theater

Früherer Theaterintendant der Neuen Bühne Senftenberg tot

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Manuel Soubeyrand, Regisseur, steht auf der Bühne im Thalia Theater.

Manuel Soubeyrand, Regisseur, steht auf der Bühne im Thalia Theater.

Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild

Er leitete viele Jahre als Intendant die Neue Bühne Senftenberg in Südbrandenburg. Und auch nach seiner Zeit in der Lausitz hatte Manuel Soubeyrand viel vor. Nun ist der Regisseur und Schauspieler gestorben.

Senftenberg (dpa/bb). Die Neue Bühne Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) trauert um ihren früheren Intendanten Manuel Soubeyrand. Der Regisseur und Schauspieler starb am zweiten Weihnachtsfeiertag im Alter von 65 Jahren. Das teilte das Theater am Mittwoch mit.

Soubeyrand war von 2014 bis 2022 Intendant des Senftenberger Theaters. In diesem Jahr wurde er dort verabschiedet und zog mit seiner Familie nach Essen. Erst im Wintersemester hatte Soubeyrand an der berühmten Folkwang Universität der Künste seine Gastprofessur für das Fach Praktische Theaterarbeit angetreten.

Prägend sei sein unerschütterlicher Glaube an das Gute im Menschen gewesen, hieß es vom Senftenberger Theater. „Eine gute Zukunft für die Gesellschaft, das war immer der Wunsch dieses hoffnungsvollen Idealisten, der mit den Mitteln des Theaters seinen Teil dazu beitragen wollte und dem dies auch gelang.“

Brandenburg habe Manuel Soubeyrand viel zu verdanken, erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Vor allem die Lausitz habe von seiner Begeisterungsfähigkeit, seinem Durchsetzungswillen und seinen aufsehenerregenden Projekten sehr profitiert.

Kulturministerin Manja Schüle zeigte sich bestürzt über seinen Tod und bezeichnete ihn als „immensen Verlust“. „Manuel Soubeyrand war ein sensibler Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen, außerordentlich kluger und kreativer Kopf, bestens vernetzter Stratege und leidenschaftlicher Herzensmensch“, so die Ministerin.

Schüle hob sein großes Engagement in vielen Bereichen hervor. „Als wir uns während der Corona-Pandemie auf den Brandenburger Weg verständigten, um solidarisch weiterhin Kultur zu ermöglichen, war Manuel Soubeyrand als einer der ersten mit dabei.“ Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine habe er mit seinem Team sehr schnell großartige Hilfsaktionen auf die Beine gestellt - etwa mit dem deutsch-ukrainischen Theaterprojekt „Borderlands“ und Benefizveranstaltungen für ukrainische Künstlerinnen und Künstler.

Soubeyrand wurde 1957 in Köln geboren und war der Ziehsohn des Lyrikers und Liedermachers Wolf Biermann. Seine Mutter war mit ihm als Kleinkind in die damalige DDR übergesiedelt und hatte mit Biermann in Ost-Berlin zusammengelebt. Später studierte Soubeyrand an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Von 1980 bis 1996 spielte der Mime am Berliner Ensemble. Seit 1993 arbeitete er als freiberuflicher Regisseur. Rund 70 Inszenierungen stammen aus seiner Feder.

Der Theatermann war als Gastdozent unter anderem an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig tätig. Er arbeitete als Schauspieldirektor am Theater Chemnitz und war langjähriger Intendant an der Württembergischen Landesbühne Esslingen.

Unter seiner Intendanz wurde die neue Bühne Senftenberg 2017 zur Landesbühne. Möglich wurde auch die Bewilligung der Förderung eines Werkstattneubaus. Rund 6,5 Millionen Euro erhält die neue Bühne Senftenberg dafür als erstes Projekt aus der Förderrichtlinie „Strukturentwicklung Lausitz“.

In Senftenberg inszenierte er unter anderem „Die Dreigroschenoper“ im Amphitheater, das Brecht gewidmete Spektakel „Brecht Auf. Das Fest“ und seine vielbeachtete Inszenierung von Heiner Müllers „Germania III“. Das Credo seiner Wirkungsstätte beschrieb Soubeyrand einmal so: „Wir wollen nicht ins Guinnessbuch der Rekorde, sondern in die Herzen der Zuschauer.“

( © dpa-infocom, dpa:221228-99-34628/5 (dpa) )