Sommerserie Landpartie

Gransee, Meseberg und Lindow: Ein Ausflug ins Ruppiner Land

| Lesedauer: 10 Minuten
Uta Keseling
Blick vom Ruppiner Turm über die Innenstadt von Gransee mit Marienkirche.

Blick vom Ruppiner Turm über die Innenstadt von Gransee mit Marienkirche.

Foto: Uta Keseling / BM

Stille, Natur und ein Blick in die Seele Brandenburgs und in seine Geschichte – das ist im Landkreis Oberhavel möglich.

Die berühmteste Story von Gransee ist natürlich die der toten Königin Luise. Die überaus beliebte und schöne Königin von Preußen war im Juli 1810 bei Neustrelitz plötzlich verstorben. Auf dem Weg zurück nach Berlin wurde die Tote eine Nacht auf dem damaligen Marktplatz von Gransee aufgebahrt, woran bis heute ein Denkmal erinnert. Das gusseiserne Schinkel-Monument gleicht einem riesigen, königlichen Himmelbett. Nur eben in Schwarz, bis auf die goldene Krone am Kopfende.

Doch der Charme der kleinen Stadt im Ruppiner Land besteht eigentlich darin, nicht berühmt zu sein. Vielbesuchte touristische Ziele zwischen Havel und Stechlin sind Neuruppin, Rheinsberg oder auch Zehdenick mit Marina und dem Ziegeleipark. Wer nach Gransee kommt, erlebt kein Gedrängel. Und wirft nebenbei einen Blick tief in die brandenburgische Seele.

Denn die Geschichte reicht ja auch hier zurück bis ins 12. Jahrhundert. Schon 1262 bekam der Ort Stadtrecht. Und natürlich kam im 19. Jahrhundert auch Fontane vorbei. Aber in Gransee lassen sich auch die Spuren der jüngeren Geschichte und der DDR entdecken – spazierend und nebenbei.

Fontane nannte nach seinem Besuch Gransee einst die „vielleicht festeste Grafschaft“, wegen der mit mächtigen, „achtzehn Fuß hohen Mauer“, die „mit fünfunddreißig Wachttürmen besetzt“ war. Diese Mauer empfängt auch den heutigen Besucher. Sie ist fast vollständig erhalten und saniert. Im 14. Jahrhundert wurde in Gransee zu Markttagen nur eingelassen, wer Feldsteine mitbrachte. Wer heute durchs Ruppiner Tor schreitet (Ruppiner Str. 61), kann gleich hinaufsteigen und von oben einen weiten Blick über die Stadt genießen. Den Schlüssel gibt es im Heimatmuseum. Dort erfährt man auch, warum es neben dem Tor eine weitere Durchfahrt gibt: Das sogenannte Wald­­­e­martor. Im 14. Jh. fiel Gransee, wie viele Städte der Umgebung, auf den „falschen Waldemar“ herein, der sich als Markgraf ausgab und tatsächlich zwei Jahre regierte, bis die Lügengeschichte aufflog.

Das Tor, durch das der falsche Waldemar kam, wurde zugemauert

Zur Strafe musste Gransee das Tor, durch das der falsche Waldemar gezogen war, zumauern und daneben ein neues Tor bauen. Erst 1818 gestattete der König von Preußen die Öffnung des alten Stadttores.

Vom Ausguck des Tors schaut man heute wie weiland Fontane zunächst auf die Marienkirche mit ihren zwei unterschiedlichen Türmen im Stadtzentrum. Die Kirche datiert in den Ursprüngen von 1220. Ihr heutiges, gotisch gegliedertes Inneres beeindruckt mit farbiger Gestaltung, einem Schnitzaltar, der 1470 vermutlich in einer Lübecker Werkstatt entstand und einer barocken Wagner-Orgel.

Das weithin sichtbare Bauwerk bildet einen guten Orientierungspunkt in dem kleinen Ort. Der Granseer Stadtkern wurde nach einem großen Stadtbrand 1711 schachbrettartig wieder aufgebaut. 45 Minuten reichen an sich für einen Rundgang zwischen den Stadtmauern. Doch man sollte mehr Zeit einplanen, denn es gibt viel zu sehen.

Der Weg startet am Heimatmuseum in der ehemaligen Hospitalkapelle, einem der ältesten Gebäude der Stadt. 1839 wurde das Hospital Sankt Spiritus gegründet, um armen und alten Granseer Bürgern Unterstützung zu gewähren. Armen geholfen wurde hier wohl schon seit Jahrhunderten. Im angrenzenden Gebäude wohnten zu DDR-Zeiten Sportler, heute beherbergt das Haus das Museum.

Auf dem Stadt-Rundweg liegen ein ehemaliges Franziskanerkloster (um 1280), historischer Kornspeicher und andere Zeitzeugen. Mehr dazu erfährt man im Heimatmuseum, wo es auch eine Gransee-Broschüre samt Stadtplan für drei Euro gibt.

Von der preußischen Königin Luise erzählt ein eigener Raum, eingerichtet im Stil der Zeit, mit Möbeln, Porzellan, Fotos, Dokumenten und einem Diorama – einem Schaukasten, der mit winzigen Figuren den Trauerzug und die Aufbahrung der Königin darstellt. Das Ereignis hatte die Granseer damals so sehr ergriffen, dass sie schon kurz danach bei König Friedrich Wilhelm III. ein Denkmal beantragten. Spenden wurden gesammelt und Schinkels gusseisernes Denkmal schon im Oktober 1811 eingeweiht.

Im Obergeschoss des Museums sind viele solcher Dioramen zu historischen Momenten. Alle sind gestaltet mit viel Geschick und Geschichtssinn. Zudem sind sie heute selbst eine Art Zeitzeugen. Die Kästen entstanden als Teil eines Arbeitsförderungsprogramms der 1990er-Jahre. Der Schließung der staatlichen Betriebe folgten wie überall auch in Gransee eine Massenarbeitslosigkeit – und eben staatlich geförderte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wie diese.

Im Obergeschoss des Heimatmuseums erzählen Gegenstände vom Granseer Alltag im 19. und 20. Jahrhundert. Kücheneinrichtungen, Schultische, Werkstattbedarf bis hin zu Robotron-Elektrogeräten und Uniformen von Volkspolizei und NVA.

Auch im Granseer Stadtbild erinnert heute noch manches an die DDR. An einer Fassade lässt sich der Schriftzug „HO Stadt Gransee“ erkennen. Eine Ecke weiter wirbt die Bäckerei Türcke für „Mischbrot“, „Fruchtkuchen“ und „Torten“. Drinnen gehen in derselben Ladeneinrichtung wie seit Jahrzehnten Brotlaibe, Sahnetorten und „Knüppel“ über den Tresen. Letztere sind Brötchen, gebacken wie zu DDR-Zeiten.

Warum die 6000-Einwohner-Stadt Gransee nicht so berühmt ist, obwohl sie schon seit 1877/78 einen Bahnanschluss nach Berlin und Stralsund hat? Vielleicht, weil es trotz des Namens keinen Hafen, kein großes Segel- und Badevergnügen gibt. Wobei, ins Wasser kommt man trotzdem. Sogar sehr schön. Denn Gransee ist ein guter Startpunkt für weitere Touren.

Für noch mehr Fontane und Wasser: Weiter nach Meseberg und Lindow

Zum einen führt hier die 220 Kilometer lange „Königin-Luise-Route“ als Fahrradweg vorbei, vom Sterbeort Luises in Hohenzieritz bei Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) über Berlin bis zum havelländischen Paretz bei Ketzin. Wer es kürzer mag, kann zum Beispiel knapp sechs Kilometer nach Meseberg radeln oder wandern. An der waldigen Strecke lockt zunächst der Dölchsee samt Badestelle. In Meseberg sind zwar Schloss und der Barockgarten für die Allgemeinheit gesperrt – die Anlage wird seit 2007 als Gästehaus der Bundesregierung genutzt. Immerhin ist ein Blick durch den Stahlzaun möglich. Das Dorf und seine schön sanierte Kirche lohnen dennoch einen Besuch. Richtung Lindow findet man an der Straße am Huwenowsee eine weitere Badestelle, diese sogar mit schönstem Schlossblick. Und im Weiler Baumgarten lädt ein kurioser Imbiss in einer ehemaligen Trafostation zur Pause mit Kaffee und Bockwurst.

Wendepunkt der Tour könnte das von Gransee 15 Kilometer entfernte Lindow (Ostprignitz-Ruppin) sein. Auch dieses Städtchen wirkt wie aufs Schönste stehen geblieben in der Zeit. Das Zentrum mit kleinen Fischerhäuschen liegt zwischen Gudelacksee und den Ufern des Wutzsees, der Vorbild war für Fontanes „Stechlin“. Sehenswert ist die Klosteranlage samt malerischer Ruine am See. Zum Abschluss warten Eis und Kuchen in der „Süßen Ecke“ am Marktplatz.

Gransee, Meseberg und Lindow: Anfahrt, Essen und Trinken, besondere Angebote

Anfahrt

Mit dem Auto Ab Berlin über Autobahn A10 (Berliner Ring), Abfahrt Dreieck Oranienburg, weiter über B96 bis Gransee, ca. 70 Kilometer. Parken: In der Innenstadt maximal zwei Stunden, großer Parkplatz am Bahnhof.

Mit der Bahn Ab Berlin Hbf. stündlich mit dem Regionalexpress RE5 Richtung Stralsund oder Rostock, Fahrtzeit ca. 45 Minuten. Vom Bahnhof braucht man zu Fuß etwa 15 Minuten bis in die Innenstadt.

Tourist-Information und Heimatmuseum (beides am selben Ort), Rudolf-Breitscheid-Str. 44, 16775 Gransee, 03306 21606, www.gransee-info.de. Geöffnet ist Di. bis Fr. 10-16 Uhr sowie jedes 2., 3. und 4. Wochenende: Sbd./So. 12-16 Uhr.

Essen und Trinken

Gaststätte Huckeduster, Gransee

Schön sitzen im historischen Biergarten mit schönem Innenhof, klassische Gasthaus-Küche von Soljanka über Schnitzel bis Havelzander. Kirchplatz 5, 16775 Gransee, 03306 21539, Mo./Di. Ruhetag, Küche bis 21.30 Uhr.

Bäckerei Türcke, Templiner Str. 6, 16775 Gransee, Mo. bis Fr. 6 bis 17 Uhr, Sbd. bis 11 Uhr.

Schlosswirt Meseberg Direkt am Schloss Meseberg. Hotel und Restaurant, regionale Produkte, Schlossblick, wegen der Großveranstaltungen besser reservieren. Meseberger Dorfstraße 27, 16775 Meseberg, 03306 204670, schlosswirt-meseberg.de, Di. bis Sbd., 12.30-21 Uhr, Küchenschluss ist 30 Minuten vor Schließzeit.

Imbiss in der Trafo-StationBaumgarten Mini-Imbiss in einem ehemaligen Trafo-Turm, kleine Speisen zu kleinen Speisen, tgl. geöffnet. Die Inhaber vermieten auch ein Ferienhaus am See. Heidestr. 13a, 16775 Gransee, OT Baumgarten, 033083 80397, seehof-baumgarten.de.

Eiscafé Süße Ecke, Lindow Straße des Friedens 32, 16835 Lindow, Fr. bis Mo. 10-17 Uhr, suesseecke.com.

Besonderes

Fallschirmspringen, Tandemspringen, Sprungschule auf dem GoJump Sprungplatz in Gransee, Templiner Straße 12C, 16775 Gransee, Info: 030 24534030, www.gojump.de.

Milch tanken auf dem Hof „Regiomaten“ sind Automaten mit frischen, gekühlten Lebensmitteln, die es mittlerweile vielerorts gibt. Dieser steht direkt auf dem Bauernhof im Granseer Ortsteil Kraatz. Im Angebot sind frische Rohmilch (Pfandflasche vor Ort kaufen oder Gefäß mitbringen), Rindfleisch, Wurst, Käse, Eier aus eigener Produktion je nach Saison, tgl. 7-21 Uhr, Agrar GmbH Kraatz, Buberower Weg 10, 16775 Gransee.

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