Minderheiten

Debatte um Änderung der sorbischen Hymne: Gleichberechtigung

dpa

Bautzen. Um die sorbische Hymne "Rjana Łužica" ("Schöne Lausitz") ist eine Debatte entbrannt. Konkret geht es um die Frage, ob das Lied der Sorben "weiblicher" werden soll. Denn die Textzeile "... mögen aus deinem Schoß Männer hervorgehen, würdig ewigen Gedenkens" lässt nach Auffassung von Dawid Statnik, Vorsitzender des Bundes Lausitzer Sorben (Domowina), die Hälfte des sorbischen Volkes außen vor. Wie die Verband am Montag mitteilte, habe Statnik jetzt seine Position auf einer Tagung des Domowina-Bundesvorstandes bekräftigt, diese Passage der Hymne "nicht mehr zu unterschreiben, weil hier die bessere Hälfte unseres Volkes fehlt, die Frauen".

Die sorbische wissenschaftliche Gesellschaft "Maćica Serbska" hatte unlängst mit Verweis auf die entsprechende Textzeile zur öffentlichen Diskussion aufgerufen. Sie schlägt vor, den Text behutsam zu ändern und das parallele Singen der originalen und bearbeiten Version zuzulassen. In gewisser Weise werde das jetzt schon praktiziert, wenn Ober- und Niedersorben die Hymne zusammen singen, hieß es.

Der neue Text würden lauten "... mögen aus deinem Schoß Frauen, Männer hervorgehen, würdig ewigen Gedenkens". Statnik hält den Vorschlag für "zeitgemäß und berechtigt". Man wolle aber darüber nicht "von oben herab" entscheiden, da es nicht um einen amtlichen Akt, sondern um gesellschaftliche Verständigung gehe.

Für die sorbische Hymne hatte Awgust Kocor (1822-1904) ein Gedicht von Handrij Zejler (1804-1872) vertont. Dessen erste und letzte Strophe wird seit Generationen als sorbische Hymne gesungen. 2022 begehen die Sorben als "Zejler-Kocor-Jahr". Es erinnert an den 150. Todestag von Zejler und den 200. Geburtstag von Kocor.

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( dpa )