Film

Verkauf von Studio Babelsberg perfekt

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Gudrun Janicke und Julia Lehmann

Foto: picture alliance

Ein US-amerikanischer Investor übernimmt das Studio Babelsberg in Potsdam und macht es zum Teil eines globalen Verbundes.

Potsdam. Am 12. Februar 1912 fiel zum ersten Mal die Klappe. Asta Nielsen stand in Babelsberg für den Streifen „Der Totentanz“ vor der Kamera. Die offizielle Geburtsstunde der Filmstudios Babelsberg. Seither entstanden Hunderte deutsche wie internationale Filme und Serien in den Hallen am Rande Potsdams. Auch der kürzlich erschienene vierte Teil der „Matrix“-Reihe wurde dort gedreht. Heute besteht das Areal aus 21 Studios mit insgesamt 173.000 Quadratmetern.

Seit ihrem Bestehen wechselte die Produktionsstätte immer mal wieder den Besitzer. Wie am Montag bekannt wurde, ist der Verkauf an die TPG Real Estate Partners (TREP) nun abgeschlossen. Damit wird Babelsberg nach Unternehmensangaben Teil der Plattform Cinespace Studios, zweitgrößter Studiobetreiber in Nordamerika. Studio Babelsberg bleibt jedoch eine eigenständige Marke. TREP erwirbt ein Anteilspaket vom Haupteigner Filmbetriebe Berlin Brandenburg GmbH (FBB). Es gab ein öffentliches Übernahmeangebot für die Mehrheit der Aktien gegen eine Barzahlung von 4,10 Euro je Anteil.

Studio Babelsberg ist nach eigenen Angaben das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt. Nach der Wende verkaufte die Treuhandanstalt die ehemaligen Defa-Studios an den französischen Konzern Compagnie Générale des Eaux (heute: Vivendi Universal). 2004 wurde an die Beteiligungsgesellschaft FBB mit den Gesellschaftern Carl L. Woebcken und Christoph Fisser veräußert. Seit 2005 ist Studio Babelsberg eine Aktiengesellschaft.

Man wolle in einen führenden Studiobetrieb investieren, um von den langfristigen Wachstumstrends im Medien- und Content-Konsum zu profitieren, sagte Michael Abel, Partner bei TREP. Die große Expertise und Erfahrung des Unternehmens im Aufbau von Unternehmen werde Babelsberg helfen, das nächste Kapitel erfolgreich zu schreiben, erklärten die Gesellschafter Woebcken und Fisser.

Deutsche Filmklassiker entstanden im Studio Babelsberg

In Babelsberg entstanden viele bekannte deutsche Filmklassiker. Darunter der Stummfilm „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang oder „Der blaue Engel“ (1930) von Josef von Sternberg. Letzterer gehört zu den ersten Tonfilmaufnahmen. Legendär ist auch die Komödie „Die Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann.

Im Zuge der Übernahme durch die Nationalsozialisten wurden auch viele Propaganda-Streifen in Babelsberg gedreht. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Filmproduktion kontinuierlich fortgesetzt. Ab 1946 entstand „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef. In der DDR wurden die Filmstudios mit 2500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einem der größten Arbeitgeber. Bis 1990 entstanden dort mehr als 1200 Film- und Fernsehproduktionen.

Studio Babelsberg: „Babylon Berlin“ und „Dark“ wurden erfolgreiche Serien

Das Jahr 2007 war das erfolgreichste seit der Privatisierung 1992. Gedreht wurden unter anderem „Der Vorleser“ mit Kate Winslet und David Kross oder „Das Bourne Ultimatum“ mit Matt Damon. Es folgten weitere international erfolgreiche Filme wie „Bridge of Spies“ (2014) oder „The Grand Budapest Hotel“ (2014). In dem 2009 produzierten Quentin-Tarantino-Meisterwerk „Inglourious Basterds“ spielten neben den US-Schauspielern Brad Pitt und Diane Kruger auch deutsche Darsteller wie Christoph Waltz und Daniel Brühl. Bis zu „Django unchained“ (2012) war dies Tarantinos verkaufsstärkster Film.

Mit „Dark“ und „Babylon Berlin“ entstanden hier zudem erfolgreiche deutsche Serien. 2021 kam ein Ausstattungshighlight hinzu: eines der größten, permanent installierten LED-Studios für virtuelle Filmproduktionen in Europa. Digitale Hintergründe können vorab hergestellt und bei den Dreharbeiten live eingespielt werden. 2022 feiert das Studio Babelsberg sein 110-jähriges Bestehen.

( dpa )