Prozess

Gewalttat im Oberlinhaus: 15 Jahre Haft gefordert

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Im Gedenken an die Gewaltopfer legen viele Potsdamer Blumen und Kerzen vor dem Oberlinhaus ab.

Im Gedenken an die Gewaltopfer legen viele Potsdamer Blumen und Kerzen vor dem Oberlinhaus ab.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Die Angeklagte soll im April vier Behinderte in einem Wohnheim mit einem Messer auf ihren Zimmern getötet haben.

Potsdam. Wegen der Tötung von vier wehrlosen Bewohnern eines Potsdamer Wohnheims für Behinderte hat die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren für die Angeklagte gefordert. Die ehemalige Pflegekraft habe sich des vierfachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs schuldig gemacht, erklärte Staatsanwältin Maria Stiller am Freitag in ihrem Plädoyer. Zudem forderte sie die Unterbringung der 52-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik und ein lebenslanges Berufsverbot. Das Urteil der 1. Strafkammer des Potsdamer Landgerichts soll am nächsten Mittwoch gesprochen werden.

Die Taten der Pflegekraft seien „abgrundtief böse“ gewesen, sagte Staatsanwältin Maria Stiller in ihrem Plädoyer. Die 52-Jährige, die sich jahrelang engagiert und liebevoll um die Bewohner gekümmert hätte, habe die Arglosigkeit ihrer Kollegen und die Wehrlosigkeit der Opfer ausgenutzt, sagte Stiller. „Die Hand, die normalerweise helfend an ihr Bett trat, nahm ihnen das Leben.“

Das gezielte Handeln der Angeklagten spreche gegen eine Aufhebung der Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zum Tatzeitpunkt, sagte die Staatsanwältin. Die Gerichtspsychiaterin Cornelia Mikolaiczyk habe aber eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit wegen einer Persönlichkeitsstörung erkannt. Daher sei von einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes abzusehen, erklärte Stiller.

Verteidiger fordert Gericht auf, die Schuldunfähigkeit anzuerkennen

Dagegen forderte der Verteidiger Henry Timm das Gericht auf, die Schuldunfähigkeit seiner Mandantin anzuerkennen. Die 52-Jährige sei nach traumatischen Erlebnissen in der Kindheit mit einer gewalttätigen und ablehnenden Mutter von einem „inneren Monster“ beherrscht, was schließlich zu einem tödlichen Gewaltausbruch geführt habe, sagte Timm am Freitag in seinem Plädoyer. Zuvor habe die Frau bei innerer Anspannung und Wut immer wieder Gewaltfantasien gehabt. Daher sei die Unterbringung seiner Mandantin in einer psychiatrischen Klinik geboten. Einen konkreten Strafantrag stellte er nicht.

Auch die Vertreterin der Nebenklage von Angehörigen der Opfer forderte kein bestimmtes Strafmaß. Die Rechtsanwältin forderte aber das Gericht auf, bei der Abwägung in der Urteilsfindung das Leid der Angehörigen angemessen zu berücksichtigen.

Angeklagte: „Es tut mir ganz doll leid"

Die 52-jährige Angeklagte äußerte sich in ihrem Schlusswort im Prozess erstmals zu den Taten und bat die Angehörigen um Entschuldigung. „Als ich zur Arbeit ging, habe ich nicht gedacht, dass ich die Kontrolle verliere“, sagte sie. „Auch wenn ich hier nicht weine oder zusammenbreche, ist es so, dass ich immer noch nicht glauben kann, was ich gemacht habe.“ Ihr Mann, ihr Haus und ihre Kinder seien weg, klagte sie: „Es tut mir ganz doll leid.“

Die Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft Ende April vier wehrlose Bewohner im Wohnheim des diakonischen Trägers Oberlinhaus im Alter zwischen 31 und 56 Jahren mit einem Messer auf ihren Zimmern getötet haben. Nach den Angaben eines Pathologen waren drei der Todesopfer vollständig und eines halbseitig gelähmt. Zuvor soll die Pflegekraft vergeblich versucht haben, zwei der Opfer zu erwürgen. Eine 43 Jahre alte Bewohnerin überlebte die Attacke nach einer Notoperation.

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Gutachterin berichtete von erschreckenden Details

Die ehemalige Pflegekraft soll laut Gutachterin schon zuvor eine Bewohnerin habe töten wollen. Die Angeklagte habe mitgeteilt, eine Woche vor der Tat im April eine Bewohnerin mit Medikamenten habe vergiften wollen, wie die Gerichtspsychiaterin am Donnerstag im Prozess vor dem Landgericht Potsdam sagte.

Die Angeklagte habe schon mehrfach Gewaltfantasien gegenüber anderen Menschen gehabt; so habe sie bereits 2012 während eines Klinikaufenthalts angegeben, sie habe davon geträumt, Bewohner der Einrichtung umzubringen. Davon sollen sie Medikamente abgehalten haben.

Gutachterin: Angeklagte hat „Gewaltimpulse“

Die Gutachterin berichtete von weiteren erschreckenden Details aus der Unterbringung der Angeklagten in der psychiatrischen Klinik. Nach der Festnahme wurde die 52-Jährige dort untergebracht. So habe sich die Angeklagte zwischen zwei Verhandlungstagen dort selbst verletzt. Außerdem habe sie „gedankliche Gewaltimpulse“ gegenüber dem Pflegepersonal in der Klinik gehabt, sagte die Gerichtspsychiaterin. Zwei Mal soll sie einen Oberarzt in der Klinik angegriffen haben. Die 52-Jährige steht unter hohem Medikamenteneinfluss.

Gutachterin berichtet von einer zweiten Persönlichkeit innerhalb der Angeklagten

Die Gutachterin berichtete im Prozess am Donnerstag von einer zweiten Persönlichkeit innerhalb der Angeklagten, die angab, Stimmen zu hören und ein „unsicheres Selbstbild“ habe. Die Angeklagte soll ihr gegenüber in einem Gespräch in der Klinik gesagt haben: „So einen kranken Kopf könnte man doch nur auf den Müll schmeißen“, so die Gutachterin. Die angeklagte Deutsche sei stark selbstmordgefährdet.

( dpa )