Energiewende

Viele Windkraftanlagen vor dem Aus

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ARCHIV - 09.03.2021, Brandenburg, Albertshof: Ein Windpark in Brandenburg. (Luftaufnahme mit einer Drohne). (zu dpa: "Stilllegungen von mehr als 400 Windkraftanlagen angekündigt") Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 09.03.2021, Brandenburg, Albertshof: Ein Windpark in Brandenburg. (Luftaufnahme mit einer Drohne). (zu dpa: "Stilllegungen von mehr als 400 Windkraftanlagen angekündigt") Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wegen der auslaufenden Förderung werden bald mehr als 400 ältere Windräder in Brandenburg vom Netz genommen.

Potsdam. Viele Windenergieanlagen, bei denen die auf 20 Jahre befristete Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz ausläuft, werden demnächst stillgelegt. Der weitere Betrieb lohnt sich wirtschaftlich nicht mehr. Bis Ende 2020 sei die Stilllegung von 429 Anlagen in Brandenburg angezeigt worden, teilte das Umweltministerium in Potsdam auf eine Anfrage der Landtagsfraktion von BVB/Freie Wähler mit. Derzeit gibt es in Brandenburg rund 3900 Anlagen – mit einer Leistung von insgesamt etwa 7730 Megawatt.

Für Anlagen, die bis Ende 2000 in Betrieb genommen wurden, lief die Förderung Ende des vergangenen Jahres aus. In den kommenden Jahren werden bundesweit mehrere Tausend Windturbinen vom Netz genommen. Unklar ist, an wie vielen Standorten neue Windräder errichtet werden können. Dies wird als Repowering bezeichnet.

Der Rückbau ist nach Angaben der Fachagentur Windenergie im Land, die die öffentliche Hand, Unternehmen und Naturschutzverbände berät, mit großen Materialmengen verbunden, die möglichst rückstandsfrei wiederverwertet werden sollen. Bisher gebe es keine einheitlichen rechtlichen Vorgaben für die Behörden, schreibt die Agentur im Internet. Gemeinden könnten jedoch den Ersatz älterer Anlagen durch moderne gezielt fördern.

Die BVB/Freie Wähler-Landtagsabgeordnete Christine Wernicke hält eine zeitliche Vorgabe für den Rückbau stillgelegter Windenergieanlagen für unerlässlich. Es könne nicht sein, dass es eine Rückbauverpflichtung gebe, aber keine Sanktionen, falls es nicht dazu komme. „Ideal wäre ein zeitliches Fenster von drei Jahren bis zum Abschluss eines Rückbaus“, sagte sie. Auch die gesetzliche Pflicht zum vollständigen Rückbau hält Wernicke für praxisfremd. „Die Fundamente eines Teils der Anlagen sind tief in die Erde hineingebaut. Dort wurden Grundwasseradern zerstört.“

Erhöhung des Flächenbedarfs für Windenergieanlagen umstritten

Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte angekündigt, er wolle in der geplanten Energiestrategie 2040 die Ausbauziele für Wind- und Solarenergie erhöhen. Das wird nach seiner Ansicht zu einer Erhöhung des prozentualen Flächenbedarfs für Windenergieanlagen führen, was umstritten ist. Die rot-schwarz-grüne Koalition hatte einen Ausbau auf 10.500 Megawatt bis 2030 beschlossen und den Anteil der Landesfläche für Windkraft eigentlich auf zwei Prozent begrenzt.

Die Ankündigung hatte in Brandenburg auch zur Kritik geführt: Der Brandenburger CDU-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Jens Koeppen, warf Steinbach in der vergangenen Woche hilflosen Aktionismus vor. „Wer immer noch nicht begriffen hat, dass wir unseren Energiebedarf nicht annähernd allein aus heimischer Wind- und Solarenergie decken können, wird an der Energiewende scheitern“, teilte der Bundestagsabgeordnete mit. Wind und Sonne könnten nur ein Teil der Lösung sein. „So werden wir die Akzeptanz vieler Brandenburger für die Energiewende nicht zurückgewinnen.“

Verband: Brandenburg muss mehr aus Standort machen

Der Bundesverband Windenergie (BWE) allerdings sah die Brandenburger CDU in der Pflicht. Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des BWE-Landesverbandes, betonte, die CDU bekenne sich auf Bundesebene zum 1,5-Grad-Ziel von Paris und kündige in ihrem Wahlprogramm einen deutlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien an. Der Brandenburger CDU-Spitzenkandidat Koeppen müsse sich erklären. „Steht er zum Wahlprogramm seiner Partei oder nicht.“ Brandenburg müsse mehr aus seinem Standortvorteil machen. „Energie hier gewinnen, hier umwandeln und hier nutzen.“

Brandenburg will bis 2045 klimaneutral sein – das heißt, dann sollen nur noch so viele Treibhausgase ausgestoßen werden wie gebunden werden können. Eine Strategie dafür soll bis zum Jahresende vorliegen, hatte Wirtschaftsminister Steinbach angekündigt.

Zuletzt hatte der Bau von neuen Windkraftanlagen in Brandenburg wieder etwas an Fahrt aufgenommen: Im ersten Halbjahr 2021 wurden dort 40 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 166 Megawatt gebaut. Damit war die Zahl der neu gebauten Windräder in Berlins Nachbarbundesland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen. Damals waren es noch 24 neue Anlagen mit 85 Megawatt. Im deutschlandweiten Vergleich lag Brandenburg damit für das erste Halbjahr an zweiter Stelle hinter Niedersachsen, wo 48 neue Anlagen mit 211 Megawatt Gesamtleistung entstanden waren.

Der Bau von neuen Windkraftanlagen hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten geführt. Anwohner beklagten etwa eine „Verspargelung“ der Landschaft, auch die Nähe zu Wohngebäuden führte zu Konflikten oder Fragen die den Arten- und Lärmschutz betrafen. Branchenvertreter fordern seit Jahren mehr Engagement für die Windkraft. Lange Plan- und Genehmigungsverfahren würden den Ausbau blockieren. Zudem gebe es zu wenige ausgewiesene Flächen.

( dpa/ba )