Verkehr

Alter Rangierbahnhof wird zu Bahntechnologie-Campus

In Elstal entsteht ein Wirtschafts- und Gewerbe-Campus für die Bahnbranche. Ein erster Neubau soll bis Mitte 2021 fertig werden.

In Elstal entsteht der BahnTechnologie Campus Havelland. So könnte er, entsprechend einer Konzeptidee, einmal aussehen. 

In Elstal entsteht der BahnTechnologie Campus Havelland. So könnte er, entsprechend einer Konzeptidee, einmal aussehen. 

Foto: BTC Havelland

Elstal. Aus einem historischen Standort soll ein Ort der Zukunft werden: Mehr als 110 Jahre ist es her, dass im Wustermarker Ortsteil Elstal ein großer Rangierbahnhof mit angeschlossenem Bahnbetriebswerk eröffnet wurde, nun entsteht auf dem Gelände der BahnTechnologie Campus Havelland. Ziel ist es, Gewerbe, Forschung und Bildung an dem Standort zusammenzubringen, sodass gemeinsam an Innovationen für die Bahnbranche gearbeitet werden kann.

Insgesamt 45 Hektar stehen für das Vorhaben zur Verfügung, das nach Angaben des Campus eines der größten Infrastrukturprojekte im Havelland ist. Gefördert wird es mit 13,3 Millionen Euro vom Land, weitere 6,4 Millionen Euro kommen vom Landkreis. Dieser ist zugleich Hauptgesellschafter bei der BahnTechnologie Campus Havelland (BTC) GmbH, die bereits 2015 gegründet wurde.

Damals seien auch die Flächen von der Deutschen Bahn, die den Betrieb des Rangierbahnhofs Jahre zuvor eingestellt hatte, gekauft worden, sagt Andreas Guttschau, Geschäftsführer der BTC GmbH. „Dahinter stand das Ziel, die Flächen öffentlich nutzbar zu machen.“ Eine durchaus herausfordernde Aufgabe.

BahnTechnologie Campus Havelland: Denkmalgeschützte Gebäude werden revitalisiert

Zwar werden der Bahnhof und Teile des Geländes bereits seit 2008 vom Rail & Logistik Center Wustermark betrieben, dessen Mutterunternehmen, die Havelländische Eisenbahn, auch Gesellschafter der BTC GmbH ist. Die Anlagen des ehemaligen Bahnbetriebswerks blieben aber weitgehend ungenutzt. Mit der Folge, dass einige denkmalgeschützte Gebäude zunehmend verfallen sind, darunter etwa ein 56 Meter hoher Wasserturm, ein Ringlokschuppen und ein eigenes Kraftwerk, durch das früher die Energieversorgung gesichert war.

Diese alten Gebäude sollen im Laufe des Vorhabens revitalisiert werden. „Das ist der besondere Charme des Standorts und soll sich optisch auch wiederfinden“, sagt Guttschau. Geplant ist ein Mix aus neuen und historischen Gebäuden.

Der erste Neubau ist schon erkennbar vorangeschritten: Die Railway Service GmbH errichtet auf dem Gelände eine Wartungs- und Servicehalle, etwa für Triebwagen oder Lokomotiven. „Aber der Blick richtet sich auch nach vorn“, sagt Guttschau. Man wolle sich etwa auch Hybrid- und Batterietechniken für Bahnen widmen. Bis Mitte 2021 soll die Halle in Betrieb genommen werden.

Neue Straße und Gleise für den Campus in Elstal gebaut

Die BTC GmbH hat sich in den vergangenen Monaten um die infrastrukturelle Erschließung des Geländes gekümmert. So müssen eine neue Straße und neue Gleise gebaut werden. Auf fast der gesamten Fläche sei Erde ausgetauscht worden, sagt Guttschau, teilweise müssen Kabel umverlegt werden, daneben geht es beispielsweise um die Trinkwasserversorgung oder Stromanschlüsse. Bis Ende des Jahres sollen die Erschließungsarbeiten abgeschlossen sein. Wobei Guttschau einräumt, dass es auch bei diesem Projekt durch die Corona-Pandemie zu Verzögerungen gekommen sei.

Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, um weitere Unternehmen auf dem Gelände anzusiedeln. Einige Flächen sind mittlerweile reserviert. „Wir sind gerade in den Kaufvertragsverhandlungen“, sagt Guttschau. Damit aus dem Gelände aber kein reines Gewerbegebiet wird, sollen auch Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen hinzugeholt werden.

Praxisnahe Forschung soll in Elstal möglich werden

Guttschau stellt sich ein „Innovationscluster“ vor, sodass sich Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen ergänzen. Vor allem soll es um Digitalisierung und Automatisierung mit Bezug zu Güterverkehr, Infrastruktur oder Lärm gehen. Schon jetzt würden Hochschulen, darunter die TU Berlin, das Gelände für Projekte oder Versuche nutzen.

„Wir wollen hier praxisnahe Forschung ermöglichen“, sagt Guttschau, der dabei auf die vorhandene Infrastruktur verweist: Es gibt kilometerlange Gleise, verschiedene Weichenformen und -bauarten, Arbeitsgruben und außerdem einen tatsächlichen Bahnbetrieb auf dem Rangierbahnhof. Eine Besonderheit des Campus. „Es ist schwierig, Testfelder für den Echtbetrieb zu finden“, erklärt er.

Die Kooperationen sollen in Zukunft ausgebaut werden. „Unser Ziel ist es, ein Gebäude zu errichten und Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen Räumlichkeiten zu bieten, in die sie sich einmieten können“, sagt Guttschau. Auch Arbeitsplätze für Start-ups werden mitgedacht, die bei der Entwicklung von Unternehmen vor Ort unterstützt werden könnten. Vorstellbar ist auch, den Ringlokschuppen dafür umzubauen.

Modellprojekt für Aus- und Weiterbildung gestartet

In puncto Aus- und Weiterbildung ist man bereits einen Schritt weiter, dort läuft seit wenigen Monaten ein auf zwei Jahre angelegtes Modellprojekt, gefördert vom Land und der EU. Erprobt werden sollen neuartige Bildungskonzepte, um Fachkräfte für Verkehr, Mobilität und Logistik zu gewinnen. Denn Ziel, auch des Bundesverkehrsministeriums, ist es, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. „Es braucht aber auch Menschen, die Züge fahren“, sagt Guttschau, und die Fachkräftesituation sei schon heute angespannt.

Im Zuge des Projekts sollen unter anderem 20 praktische Lernstationen verteilt auf dem Gelände entstehen, daneben sind Tagungen oder Beratungen von Quereinsteigern geplant. Auch neue Lehrgänge sollen in Kooperation mit den Campus-Partnern entwickelt werden. Um die angestrebte „Bildungsakademie Bahn“ zu bauen, sind aber noch weitere Fördermittel nötig. „Da werden wir sicher nochmal nachlegen müssen“, sagt Guttschau, der sich aber zuversichtlich zeigt. Ziel ist, im kommenden Jahr möglichst mit den Arbeiten zu beginnen.