Pils, Pale Ale und Schwarzbier

In einer Genossenschaft haben sich Bürger aus Bernau zusammengetan, um im Gutshaus Börnicke zu brauen.

Jörg Barthelmann, Frank Dietrich und Ruslan Hofmann (v.l.) von der Ersten Bernauer Braugenossenschaft prosten sich vor dem Gutshaus in Börnicke zu

Jörg Barthelmann, Frank Dietrich und Ruslan Hofmann (v.l.) von der Ersten Bernauer Braugenossenschaft prosten sich vor dem Gutshaus in Börnicke zu

Foto: Patrick Pleul / ZB

Bernau . Am Anfang war es nur eine Schnapsidee: Zwölf Gleichgesinnte aus Bernau im Landkreis Barnim trafen sich vor fünf Jahren in einer Kneipe ihrer Heimatstadt und philosophierten darüber, warum es das einst berühmte Bernauer Bier denn nicht mehr gibt. „,Selber machen’, sagten wir damals und dachten dabei an so einen 50-Liter-Brau-Topf in der Hinterhof-Garage“, erinnert sich Frank Dietrich schmunzelnd. Inzwischen ist der Elektromeister ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Ersten Bernauer Braugenossenschaft – mit eigener Brauerei in einer früheren Schnaps-Brennerei auf dem Gutshof im Ortsteil Börnicke.

Die Stadt Bernau als Eigentümerin des Gutshofgeländes suchte vergeblich seit Jahren einen Gaststättenbetreiber. Die Neu-Brauer um Dietrich kamen der Kommune gerade recht. „Ideen zur Wiederbelebung der Brennerei gab es schon seit der Jahrtausendwende“, sagt Stadtsprecher André Ullmann. „Doch erst die Brauereigenossenschaft war letztlich passend, so dass wir gemeinsam ein Nutzungs- und Sanierungskonzept entwickelten.“

1,5 Millionen Euro investierte die Kommune in die Sanierung des historischen Gemäuers aus dem 19. Jahrhundert. Anfang 2016 gründeten Elektromeister Dietrich und seine Mitstreiter die Braugenossenschaft. „Wir wollten so viele Bernauer wie möglich beteiligen, um ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl zu etablieren. Jeder, der wollte, konnte Anteile ab 50 Euro aufwärts kaufen“, sagt Dietrich. Er ist immer noch erstaunt angesichts der Resonanz. „Inzwischen sind wir 538 Genossenschafter.“

Ausstattung aus eigenem Etat und mit Fördermitteln gekauft

Rund eine halbe Million Euro investierte die Genossenschaft aus eigenem Etat in die computergestützte Brauausrüstung inklusive Schrotmühle, Sud- sowie Gärtanks, Lagerkeller und Abfüllanlage. Dazu kamen Fördermittel für kleine und mittelständische Unternehmen. „Alles musste unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes realisiert werden. Dann kam auch noch Corona dazwischen, aber wir wurden zum Sommer dieses Jahres fertig“, erzählt der Vorstandsvorsitzende, der auch Interessierte durch die Brauerei führt.

Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden gab es Ende 2019 in Deutschland 1548 Braustätten. Im Land Brandenburg sind 40 Brauereien angesiedelt. Die genaue Zahl von Brauereien, die als Genossenschaften betrieben werden, lässt sich den Statistikern zufolge nicht ermitteln.

Seit Anfang August wird in Börnicke Bier gebraut, bisher läuft alles noch ehrenamtlich. Zur Brauerei mit einer Jahreskapazität von 2000 Hektolitern gehören ein Gastraum sowie eine große Freiluftterrasse, freitags bis sonntags geöffnet und laut Dietrich stets rappelvoll. „Wir hätten nie geglaubt, dass wir Reserviert-Schilder kaufen müssen.“ Auch der Laden der Braugenossenschaft in der Bernauer Innenstadt ist gut besucht. Drei Sorten hat Brauingenieur Ruslan Hofmann – der erste Festangestellte der Braugenossenschaft – für den Anfang konzipiert: „Ein helles Pils ist immer eine sichere Bank, dazu gibt es ein hippes, doppelt gehopftes Pale Ale sowie ein kräftiges Schwarzbier, für das Bernau einst berühmt war“, erläutert er.

Ein „männerbezwingender Starktrunk“ war Bernauer Bier

Alte Rezepturen seien jedoch nicht überliefert worden, sagt Hofmann. Stadthistoriker Bernd Eccarius hat in alten Dokumenten gelesen, dass das Bernauer Bier früher „ein männerbezwingender Starktrunk“ gewesen sei. „Es war dunkel, hatte eine Stammwürze von 24 Prozent und galt als Lebenselixier in Bernau“, erzählt er. Dass damit 1432 die Hussiten betrunken gemacht und so an der Einnahme der Stadt gehindert worden seien, sei eine Legende. Die Stadt erinnert jedes Jahr mit den Hussitenfestspielen an das historische Ereignis aus dem Mittelalter, als Bernau die gefürchteten böhmischen Religionskrieger in die Flucht schlug.

Eccarius freut sich über die Wiederbelebung der alten Bernauer Brautradition. „Das Bier war in der Geschichte der Stadt bis zur Schließung des letzten Bürger-Brauhauses 1912 eine wichtige Sache. Für unsere Hussitenfestspiele suchten wir jahrelang vergeblich nach einer Brauerei“, sagt der Historiker. „Künftig haben wir sie.“