Agrar

Afrikanische Schweinepest: Bauern fordern Krisenstab

Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest wird mit weiteren Funden gerechnet. Bauern sollen Entschädigung erhalten.

Über vierzig Wildschweine sind in der Nähe von Glaisin nach einer Treibjagd als Strecke ausgelegt.

Über vierzig Wildschweine sind in der Nähe von Glaisin nach einer Treibjagd als Strecke ausgelegt.

Foto: dpa

Berlin/Potsdam. Brandenburger Landwirte und Jäger werfen den Behörden Versagen beim Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest nach dem deutschlandweit ersten Fall vor. „Wir fordern einen gemeinsamen und zentralen Krisenstab, der auch mit Kompetenzen ausgestattet sein muss“, sagte Landesbauernpräisdent Henrik Wendorff am Freitag in Teltow (Teltow-Fläming). Derzeit seien die drei Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Dahme-Spreewald zuständig und deren Kompetenzen endeten jeweils an der Kreisgrenze. Das Wissen und die Pläne von Landesbauern- und Jagdverband zur Eindämmung seien bislang nicht gefragt worden. „Ich erwarte am Montag einen Anruf von einer von der Landesregierung berufenen Person, die künftig die Arbeit aller Behörden und beteiligten Ministerien koordiniert“, forderte er.

Wichtig seien Handlungsempfehlungen und Unterstützung bei der Durchführung der Maßnahmen, sagte Dirk Henner-Wellersdorf, Präsident des Landesjagdverbandes. „Wir wollen helfen, müssen aber wissen, wo und wie.“ Er kritisierte die aus Sicht der Jäger dilettantisch in die Landschaft gestellten Zäune, die für Wildschweine leicht zu überwinden seien. „Wir hätten erwartet, dass wirksame feste Wildschutzzäune bereits stehen“, sagte er. Es sollten mindestens 1,50 Meter hohe Doppelgitterstäbe sein, die etwa 50 Zentimer in der Erde verankert seien, hieß es.

Afrikanische Schweinepest (ASP) bei sieben toten Wildschweinen nachgewiesen

Die hochansteckende Afrikanische Schweinepest ist in Brandenburg bei sieben toten Wildschweinen nachgewiesen worden. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald bestätigte am Donnerstag einen weiteren Fund eines Tieres, das aus dem Raum Neuzelle im Landkreis Oder-Spree stammte. Am Mittwoch hatte das FLI die Tierseuche bei fünf Wildschweinen nachgewiesen, die ebenfalls bei Neuzelle entdeckt worden waren. Der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland war bereits in der vergangenen Woche in Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße aufgetreten. Brandenburg rechnet mit weiteren Funden.

Drohnen, Jäger und Forstleute suchten am Donnerstag weiter nach totem Wild. Im Blick stand die Kernzone in einem Radius von rund drei Kilometern um den ersten Fundort. Nach den bestätigten Fällen bei Neuzelle will der Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg diesen Bereich ausweiten, wie Kreissprecher Mario Behnke in Beeskow ankündigte. Zwei Drohnen mit Wärmebildkameras waren am Donnerstagvormittag über dem Gebiet im Einsatz. Der Landkreis Spree-Neiße erwartet am Montag Hundestaffeln aus Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, die für die Suche nach totem und verletzten Wild ausgebildet sind.

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Weiterhin ist rund um den ersten Fundort des toten Wildschweins mit Schweinepest im Radius von bis zu 25 Kilometern ein gefährdetes Gebiet abgegrenzt, in dem Restriktionen gelten - die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen ist verboten. Die Kernzone darf zudem nicht betreten werden. Für Menschen ist die Seuche ungefährlich, für Schweine aber tödlich.

Afrikanische Schweinepest (ASP): Bundesagrarministerin Klöckner verspricht Unterstützung

Bundesagrarministerin Julia Klöckner setzt darauf, wirtschaftliche Schäden für die Bauern wegen der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland möglichst gering zu halten. "Wir lassen sie in dieser besonderen Situation nicht allein", sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag im Bundestag. Nach einem Einbruch bei den Schweinepreisen werde die Entwicklung der Märkte beobachtet. Es werde überlegt, welche Hilfsmaßnahmen möglicherweise zu welchem Zeitpunkt ergriffen werden könnten. Denkbar seien Unterstützung für eine private Lagerhaltung bei Bauern oder Liquiditätshilfen.

Klöckner rief zugleich zur Besonnenheit auf und wandte sich dagegen, nun Debatten über das gesamte System der Nutztierhaltung zu führen. Aus der Opposition kam Kritik am Krisenmanagement von Bund und Ländern. Der FDP-Agrarpolitiker Karlheinz Busen nannte die Vorkehrungen im Gebiet der ersten Schweinepest-Fälle bei toten Wildschweinen in Brandenburg "absolut fahrlässig" - etwa durch Aufenthalte von Wanderern und Radfahrern.

Bauern, die wegen der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ihre Felder nicht bestellen können, sollen auf den Schäden nicht sitzen bleiben. Das hat Brandenburgs Agrarminister Axel Vogel (Grüne) bekräftigt. "Für alle Einschränkungen, die durch die Landkreise verhängt wurden, sind Entschädigungsansprüche gegeben", sagte Vogel am Freitag im RBB-Inforadio. "Wenn die Landwirte Schäden beziffern, dann werden sie auch erstattet werden." Vogel äußerte sich zudem zuversichtlich, dass sich ein Verarbeiter für die 12.700 Hausschweine im betroffenen Gebiet finden wird. Es gebe Verhandlungen mit einem potenziellen Abnehmer. "Da sind wir auf einem guten Weg zu einer Lösung."