Urlaub zu Hause

Buckow: Sommerliche Gefühle in eiszeitlicher Landschaft

Unweit von Berlin lockt Buckow, die Perle der Märkischen Schweiz, mit traumhaften Seen und romantischen Wanderungen.

Einfach ins Wasser springen oder ein Ruder- oder Tretboot nehmen: Es gibt viele Arten, wie man den Schermützelsee mitten in Buckow erkunden kann.

Einfach ins Wasser springen oder ein Ruder- oder Tretboot nehmen: Es gibt viele Arten, wie man den Schermützelsee mitten in Buckow erkunden kann.

Foto: Peter Zander

Der Weg ist das Ziel. Auf eine große Urlaubsreise haben wir in diesem Sommer wegen Corona verzichtet. Stattdessen erkunden wir das Berliner Umland. Und haben uns für ein paar Tage in Buckow entschieden. Nicht dem Stadtteil im Süden Berlins, sondern dem anderen Buckow, in der Märkischen Schweiz. Und schon die Anfahrt soll das erste Erlebnis werden. Weshalb wir beschließen, unsere Sachen in die Satteltaschen zu stopfen und mit dem Fahrrad zu fahren.

Wir haben uns dazu eine sehr schöne, aber auch sehr lange Strecke ausgesucht. Ab Köpenick sind das ambitionierte 55 Kilometer, und das bei sommerlichen Temperaturen. Deshalb nehmen wir das Rad erst mal mit in die S-Bahn bis nach Friedrichshagen. Dann radeln wir an der südlichen Uferseite des Müggelsees entlang und über Rahnsdorf nach Erkner. Wer nicht so sattelfest ist, könnte mit der S-Bahn auch bis hier fahren, hat dann aber eine der schönsten Etappen verpasst, 20 Kilometer gut ausgebauter Radweg bis zum Dämmeritzsee.

Der erste Urlaubstag ist gleich ein Höhepunkt

Von Erkner geht es über Grünheide, an mehreren Seen vorbei bis Kagel. Von dort nördlich über Zinndorf nach Rehfelde, wohl das anstrengendste Stück, das zwar an schönen Feldern entlang führt, aber auch an einem Windpark. Entsprechend ist es hier sehr zugig, der Gegenwind kann einen schon mal zum Rasten zwingen. Über Garzau-Garzin geht es dann wieder windgeschützt bis Waldsieversdorf und dann, am Schwarzen See vorbei, die letzten Kilometer bis Buckow. Bei gemütlicher Fahrt und mehreren Pausen haben wir gut viereinhalb Stunden gebraucht. Der erste Urlaubstag ist damit einmal nicht nur verschwendete Anreise, sondern gleich ein erster Höhepunkt, der einen das Glückshormon Endorphin ausschütten lässt.

Weitere Artikel der Serie "Urlaub zu Hause" lesen Sie hier.

Buckow, der „Buchenort“, liegt im Buckower Kessel, eine durch die letzte Eiszeit geformte wald- und seenreiche Landschaft, durch die der Stöbber, das zentrale Fließgewässer der Märkischen Schweiz, plätschert. Der 1500-Seelen-Ort gilt wegen seines milden Klimas als „Perle der märkischen Schweiz“. Man muss dabei nicht immer den vielzitierten Ausspruch des Leibarztes von Friedrich Wilhelm IV. bemühen, aber er hat’s schon hübsch formuliert: „Majestät, in Buckow geht die Lunge auf Samt.“

Da die Anreise nichts gekostet hat, gönnen wir uns zum Übernachten das Strandhotel Vier Jahreszeiten, weil es direkt am am Schermützelsee liegt. Auf einer kleinen Anhöhe gelegen, hat man schon von der Restaurantterrasse aus einen herrlichen Blick. Zu empfehlen sind die Zimmer mit Terrasse, hier hat man das Hotel im Rücken und den See direkt vor sich.

Schermützelsee mit dem Boot erkunden

Nach so einer Radtour ist ein erfrischendes Bad genau das Richtige. Am nächsten Morgen bedienen wir uns auch der Tret- und Ruderboote, die hier gratis zur Verfügung stehen, die man aber auch am Strandbad mieten kann, um den größten See der Märkischen Schweiz in seiner ganzen Länge buchstäblich zu er-fahren. Dabei haben wir das Gewässer, von ein paar Kanuten und Stand-up-Paddlern abgesehen, ganz für uns, was den Erholungsfaktor erhöht.

Erst mittags erkunden wir die Stadt selbst. Der erste Weg führt vom Marktplatz in den Schlosspark. Ein Schloss sucht man hier freilich vergebens: Das wurde im Krieg beschädigt und zu DDR-Zeiten abgerissen. Aber ein Besuch lohnt trotzdem wegen des Englischen Gartens, dem Griepensee und dem Schlossberg, der eine schöne Aussicht bietet. Zurück geht es über eine Stöbberbrücke, wo ein paar Damen gerade jauchzend ein Kneippbad im Kühlen nehmen. Denn auch das ist Buckow: der einzige offiziell anerkannte Kneipp-Kurort Brandenburgs. An vielen Wasserzugängen wird man hier zum Kneippen aufgefordert.

Findlinge gelangten durch Eiszeit in die Märkische Schweiz

Über die Wallstraße kommen wir an der barocken Stadtkirche wieder in den Ort und folgen der Hauptstraße bis zur Feuerwehrwache. Von hier aus führt die Buckowseepromenade einmal um den Buckowsee. Dabei kommen wir auch durch den Lunapark mit seinem Eiszeitgarten. Hier finden sich, frei zugänglich, in Bögen gruppierte kleine und große Findlinge, die mit der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren in die Märkische Schweiz gelangt sind und nun, quasi in Stein gemeißelt, Geschichte erzählen.

Kurz darauf wird es wieder städtischer. Eines der ersten Anwesen ist das Brecht-Weigel-Haus. Hier hatte Bertolt Brecht seinen hochherrschaftlichen Sommersitz, mit Rosengarten, Pavillon und Zugang zum Schermützelsee. So ließ es sich recht angenehm leben im Arbeiter- und Bauernstaat, und in seinem berühmten Gedichtzyklus, der hier nicht fehlen darf, den „Buckower Elegien“ von 1953, ging er nicht nur mit der SED nach dem Aufstand des 17. Juni ins Gericht, sondern auch mit eigenen Privilegien.

Brecht-Weigel-Haus ist heute ein Literaturmuseum

Heute ist das Haus ein Literaturmuseum. Hier kriegt man eine Ahnung davon, wie Brecht residiert und repräsentiert hat – immer nur im Sommer, daher die vergitterten Fenster, weshalb Einheimische von der „Eisernen Villa“ sprechen. Im Gartenhaus, wo Helene Weigel lebte, sind außerdem Requisiten von Brecht-Uraufführungen ausgestellt, wie der berühmte Planwagen, den die Weigel als „Mutter Courage“ hinter sich her zog.

Doch Vorsicht: Auf seiner Webseite rät das Museum, den Rundgang eine halbe Stunde vor Schließzeit zu beginnen. Vor Ort ist der Ton deutlich rauer. Die Schließzeiten sind kurz genug, werktags nur zwischen 13 und 17 Uhr. Wer da erst 16.35 Uhr kommt, muss harte Diskussionen mit einer ziemlich stalinistischen Kassiererin ausfechten, wenn er noch einen Blick ins Anwesen erhaschen will.

Nur wenige Schritte vom Weigelhaus entfernt findet sich übrigens, deutlich kleiner, schmuckloser und schwerer zu entdecken, das Haus, das Brecht Käthe Reichel gekauft hat. So konnte der Dichter zwanglos zwischen seinen Frauen hin- und herpromenieren. Hinter dem Brecht-Haus geht es steil die Werderstraße hinauf und danach wieder steil bergab in die Ortsmitte, wo wir uns in die Stobbermühle direkt neben dem Bach und seinem alten Mühlenrad setzen. Die Speisekarte verspricht hier sympathisch „Die Rettung der deutschen Esskultur“, bietet aber nicht nur Deftiges, sondern auch leichte Kost.

Urlaub in Buckow lohnt sich

Es lohnt sich, in Buckow gleich mehrere Tage zu verbringen. Dann kann man auch um den Schermützelsee spazieren oder schöne Wanderungen durch moorige Wälder unternehmen, etwa zum Großen Tornowsee oder zum Dachsberg. Mit dem Rad lohnt auch ein Ausflug ins nur 20 Kilometer entfernte Neuhardenberg. Hier gibt es nicht nur einen weitläufigen Schlosspark, hier existiert auch noch das dazugehörige Schloss. Man kann sich darin sogar niederlegen, ein Teil davon wird als Hotel betrieben.

Nach all den Ausflügen wählen wir für die Rückfahrt nach Berlin eine weniger strapaziöse Tour. Der Weg über Klosterdorf nach Strausberg beträgt keine 20 Kilometer. Mit dem Rad bleibt man dabei indes öfter im märkischen Sand stecken. Und die Oberbarnimer Feldsteinroute, wiewohl als Fahrradroute ausgewiesen, geht eben – über Stein. Dafür wird man mit satten Feldern voller Mohn und Kornblumen entschädigt. Und zumindest die letzten Kilometer sind vorbildlich ausgebaut. Kaum in der Stadt, sehnt man sich schon wieder nach Ruhe und der vielen Natur. Und stimmt seine ganz eigene Buckower Elegie an.

Anfahrt, Gastronomie und Sehenswürdigkeiten

Anfahrt

Mit dem Auto Buckow in der Märkischen Schweiz liegt gut 55 Kilometer östlich von Berlin. Die Fahrt mit dem Auto dauert ca. 90 Minuten und führt über die B1 bis Müncheberg, hier auf die B 168 und ab Waldsieversdorf auf die Kreisstraße 6413.

Mit Bahn und Bus Ab S-Bahnhof Ostkreuz verkehrt stündlich ein Zug nach Müncheberg, von dort ebenfalls stündlich ein Bus nach Buckow. Die Fahrtzeiten betragen je 40 und 16 Minuten, der Zwischenaufenthalt beträgt indes weitere 45 Minuten.

Mit dem Rad Am schönsten ist die Anreise mit dem Fahrrad. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Die kürzeste Verbindung führt vom S-Bahnhof Strausberg über Klosterdorf und Grunow und ist ca. 23 Kilometer lang, die längere, aber schönere Strecke führt am Müggelsee entlang über Grünheide bis Kagel, dann nach Rehfelde und dort über Garzau-Garzin. Die Strecke ist ca. 55 Kilometer lang, ab Erkner braucht man nur noch 36 Kilometer.

Sehenswürdigkeiten

Eiszeitgarten Mehre Eiszeiten haben die typische Landschaft von Buckow geprägt. Im Lunapark am Buckowsee macht ein stets zugänglicher Eiszeitgarten mit großen und kleinen Findlingen modellhaft die gestaltende Kraft des Eises sichtbar.

Schlosspark Das Flemming’ sche Schloss wurde im Krieg beschädigt und 1948 abgerissen. Ein Spaziergang lohnt dennoch durch den englischen Garten zum Schlossberg und zum Griepensee. Im Bach des Stobber kann man auch kneippen.

Brecht-Weigel-Haus Am Schermützelsee hatten Bert Brecht und Helene Weigel ihr Sommerhaus, hier schrieb Brecht seine „Buckower Elegien“. Heute ist das Haus ein Museum, das nicht nur zeigt, wie Brecht in der „Eisernen Villa“ gelebt hat – im Gartenhaus sind auch Requisiten aus legendären Brecht-Uraufführungen ausgestellt.

Baden und Kneippen

Das Strandbad Buckow (Wriezener Str. 38) bietet nicht nur Strandkörbe und Springturm, hier können auch Tret- und Ruderboote ausgeliehen werden. Von hier aus fahren auch Ausflugsdampfer über den Schermützelsee. Überdies ist Buckow der einzig offiziell anerkannte Kneipp-Kurort Brandenburgs und lädt an vielen Stellen zu einem Kneippbad ein.

Essen und Trinken

Stobbermühle An dem romantischen Gasthaus (Wrietzener Str. 2) fließt die Stöbber am alten Mühlenrad vorbei, was an heißen Tagen angenehme Kühle im Sommergarten spendet. Die Speisekarte bietet Gerichte mit frischen Produkten der Region und versteht sich als „Rettung der deutschen Esskultur“.

Castello Angelo Auf der anderen Seite der Stadtmühlenbrücke, kurz vor dem Buckowsee, bietet das Castello Angelo (Wriezener Str. 59) mit seinem markanten Türmchen traditionelle italienische Küche. Reservierung ist in beiden Restaurants dringend zu empfehlen.

Lokal Den besten Kaffee der Stadt gibt es in dem lila Haus mit dem schlichten Namen Lokal (König­str. 4) wenige Schritte hinter dem Markt, gegenüber der barocken Stadtkirche. Das gemütliche und freundliche Familiencafé bietet sowohl kleine Speisen zum Lunch als auch selbstgebackene Kuchen.

In der Nähe

Tornowsee Ein schöner, etwa einstündiger Spaziergang führt durch den Naturpark Märkische Schweiz durchs sumpfige Stobbertal zum Großen Tornowsee. Nach einer Rast am efeuumrankten Haus Tornow am See führt der Rückweg über den kleinen Tornowsee.

Neuhardenberg Mit Auto oder Rad sollte man unbedingt eine Stippvisite ins 20 Kilometer entfernte Neuhardenberg mit seinem klassizistischen Schloss machen. Dabei lohnt auch ein Abstecher nach Altfriedland mit seiner Teichlandschaft und seinem Vogelschutzgebiet.