Ausbildung

Betriebe in Brandenburg suchen noch 6800 Azubis

Plätze gibt es viele, doch es fehlen Bewerber in Brandenburg. Dabei gibt es Tipps für Betriebe und auch Orientierungshilfen.

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres suchen in Brandenburg und Berlin immer noch viele Betriebe Lehrlinge.

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres suchen in Brandenburg und Berlin immer noch viele Betriebe Lehrlinge.

Foto: Martin Schutt / dpa

Potsdam. Von den rund 12.360 betrieblichen Ausbildungsplätzen in Brandenburg sind bislang 6800 noch unbesetzt. „Wir hatten eigentlich befürchtet, dass Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie die Ausbildung fallen lassen. Das hat aber nicht stattgefunden“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Montag in Potsdam. Am 1. August beginnt das neue Ausbildungsjahr, in Berlin einen Monat später. Was viele aber nicht wissen: Der Ausbildungsstart kann ohne Weiteres bis in den Herbst hinein erfolgen.

Die Betriebe haben dem Minister zufolge erkannt, dass Fachkräfte am besten durch eigene Ausbildung gewonnen werden können. Jugendliche identifizierten sich mit ihren Unternehmen und wünschten sich in der Regel am Ende ein Übernahmeangebot, sagte der Minister. Er signalisierte, Spätentschlossene könnten auch später mit der Ausbildung beginnen.

CDU: Brauchen Imagewechsel der dualen Ausbildung

„Auf dem Ausbildungsmarkt ist die Lage besser als die Stimmung“, sagte Alexander Schirp, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Für die duale Ausbildung, also das Lernen im Betrieb und in der Berufsschule, spreche die immer besser werdende Vergütung. Er empfahl, den Blick auch auf Berlin zu richten, wo es extrem viele unversorgte Bewerber gebe. Minister Steinbach sagte, dass es immer noch schwer sei, Berliner Schulabgänger für eine Ausbildung in Brandenburg zu begeistern. Umgekehrt sei das leichter.

„Wir benötigen einen Imagewechsel der dualen Ausbildung“, betonte Frank Bommert, Sprecher für Mittelstand und Handwerk der CDU-Landtagsfraktion. Es sei immer noch zu wenig bekannt, dass es hier gute Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten für junge tatkräftige Menschen gebe.

Auch die Berufsberater bei den Arbeitsagenturen stünden wieder bereit, sagte Bernd Becking, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit für Berlin-Brandenburg. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz seien derzeit groß. Besonders viele freie Stellen gebe es im Bereich Potsdam mit 2000, in Cottbus seien es 1900 und in Neuruppin 1300.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam gibt beispielsweise in 100 unterschiedlichen Berufen mehr als 1000 freie Stellen an. Besonders gefragt sind demnach Kaufleute im Einzelhandel, Fachkräfte für Lagerlogistik, Sportfachleute sowie Industriemechaniker. Bei der Handwerkskammer Potsdam sind fast 1400 Stellen in 70 Berufen.

Das Potsdamer Wirtschaftsministerium und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit kündigten für die kommenden Wochen eine Ausbildungsoffensive direkt vor Ort an, bei der man Schulabgänger für eine Berufsausbildung begeistern wolle. Junge Menschen könnten auf dieser Tour durch das Land auf einer Couch Platz nehmen und sich von Experten beraten lassen und ein passendes Angebot finden.

Auch in Berlin gibt es noch viele freie Lehrstellen

Auch in Berlin suchen viele Unternehmen nach Auszubildenden. Derzeit gibt es nach IHK-Angaben noch mehr als 6800 freie Ausbildungsplätze in der Stadt. Die größte Herausforderung sei nach wie vor, die Jugendlichen zu erreichen, sagte Berlins IHK-Präsidentin Beatrice Kramm. „Das war schon in den vergangenen Jahren nicht leicht, aber in diesem Jahr hat Corona die Lage noch einmal empfindlich verschärft. Da die für die Vermittlung so wichtigen Ausbildungsmessen pandemiebedingt ausgefallen sind, wollen wir mit der virtuellen Ausbildungsmesse die Jugendlichen dort abholen, wo sie gewissermaßen zu Hause sind: im Netz“, sagte Kramm.

Noch bis zum 5. August können sich Jugendliche über die App „Talentefinder“ ein Profil mit Kontaktdaten und Lebenslauf anlegen. Einmal registriert soll es dann möglich sein, angebotene Ausbildungsplätze anzusehen und erste Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen. Bei der ersten virtuellen Ausbildungsmesse der Handwerkskammer Berlin und der IHK Berlin sind 63 Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Dienstleistungen, Gastronomie, Gesundheit und Handwerk vertreten.

Das Berliner Handwerk biete trotz Corona-Krise sehr gute Chancen für eine zukunftssichere Ausbildung, betonte Handwerkskammer-Präsidentin Carola Zarth. Rund 930 Ausbildungsplatzangebote in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer würden dies nachdrücklich belegen. „Unsere Betriebe arbeiten weiter und bilden aus. Der Weg ins Handwerk kann digital über diese virtuelle Messe oder ganz analog über das KarriereMobil der Handwerkskammer beschritten werden“, so Zarth. Im Handwerk zähle nicht, wo man herkomme, sondern wo man hinwolle, erklärte sie weiter.