FDP

Linda Teuteberg zur „Aufsteigerin des Jahres“ gekürt

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg aus Brandenburg ist zur „Aufsteigerin des Jahres“ gekürt worden. Eine Laudatio von Jörg Thadeusz.

Als „Aufsteigerin des Jahres“ ausgezeichnet: FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg mit Laudator Jörg Thadeusz.

Als „Aufsteigerin des Jahres“ ausgezeichnet: FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg mit Laudator Jörg Thadeusz.

Foto: Eventpress Golejewski / ddp images/Steffens

Einmal Bernhardiner, immer Bernhardiner. Das ist eine Art Cliffhanger. Aha, Tiere. Viele von uns hier in diesem Raum sind, wie ich, in dem Lebensalter, in dem man mehr und mehr Tiersendungen guckt. Dazu gleich mehr.

Die Jury zeichnet mit Linda Teuteberg eine Liberale aus. Ich könnte jetzt etwas zu der verunglückten Ministerpräsidentenwahl in Erfurt sagen. Aber es könnte passieren, dass ich vielleicht etwas Hysterisches oder zu Schrilles sage. Und das würde nach diesen Tagen der maßvollen, vernünftigen und balancierten Beiträge aus dem Rahmen fallen.

Es ist sehr gut, dass die Jury dieses Preises eine Liberale auszeichnet. Denn was könnten wir besser gebrauchen als Liberale. Damit ist nicht zwangsläufig die FDP gemeint. Die Parteifreundinnen und -freunde von Frau Teutenberg müssen tatsächlich nachweisen, ob sie das Liberale genauso gut in die allgemeine Debatte bringen können wie glatzköpfige Debakel in Thüringen.

Liberal sein, so habe ich Frau Teuteberg auch schon in einem Interview verstanden, das ich mit ihr führen durfte, heißt, dazu in der Lage sein, sich zu mäßigen. Die Vernunft als Verbündete zu suchen. Maß und Mitte. In dem ganzen fürchterlichen Geschrei trotzdem nicht laut sein. Gefühle kommen natürlich besser. Großes Drama, Weltbrand, German Angst, alles Stimmungsgaranten. Die Grünen haben generell das Weltschicksal, die Apokalypse auf ihrer Seite. Der SPD-Kanzlerkandidat Kevin Kühnert schrubbt die Leichenflecken von sozialistischen Überresten aus dem 19. Jahrhundert. Und in der CDU findet sich in der ein oder anderen münsterländischen Strickjacke gewiss noch ein langjähriges Mitglied, das glaubt, dieses heiße Wetter ginge schon von allein wieder weg.

Wer dann schlicht fragt: Was könnten wir denn in Wirklichkeit und gemessen an der Wirklichkeit machen, der ist schnell langweilig. Der ist zu unaktivistisch. Trotzdem könnte die Frage weiterhelfen: Wem fällt zum Thema Klimawandel etwas Konstruktives ein? Und wie können die, die nichts konstruieren, nichts entschlüsseln und nichts erfinden, diejenigen unterstützen, die Konstrukteure, Entschlüssler und Erfinder sind? Das peitscht einen nicht auf. Dazu kann man nichts Hochemotionales posten. Einfach ist es sowieso nicht. Aber es ist Teuteberg. Und es ist vorbildlich liberal.

Streit ist wichtig in der Demokratie

Zu unserer modernen Art der Auseinandersetzung kann man das sagen, womit sich der Satiriker Schlecky Silberstein gerne zitieren lässt: „Die Morddrohung ist der Leserbrief des 21. Jahrhunderts.“ Oder man kann es aufreizend unaufgeregt sagen, wie die Liberale Linda Teuteberg: „Streit ist ein wichtiges Wettbewerbsverfahren in der Demokratie.“

Linda Teuteberg hätte was ganz anderes machen können. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Damit ist klar, dass sie sowieso etwas heller leuchtet als wir anderen Kinder. Sie hätte Bahnchefin werden können. Einen schlechten Job machen, quasi-sowjetische Interviews geben und alljährlich eine halbe Million Euro Gehalt einfahren. Oder Journalistin. Immer schön recht haben, aber ohne den ganzen Stress mit den Parteigremien. Die Volljuristin Linda Teuteberg hat sich für die Politik entschieden. Noch dazu für die FDP, in einem merkwürdigen Bundesland.

Ich möchte nicht die zarten Gefühle der anwesenden Ostdeutschen verletzen. Aber ich bin mit Brandenburg sehr vertraut. Es ist ein Bundesland, in dem am 1. September vergangenen Jahres gewählt wurde. Die Partei, die für Marktwirtschaft und größtmögliche persönliche Freiheit steht, also Frau Teutebergs FDP kam auf 4,1 Prozent. Der Spitzenkandidat, der sich angeblich nicht mehr genau erinnern konnte, warum er als sehr reifer Erwachsener in so vielen Nazi-Camps rumgesprungen ist, bekam 23,5 Prozent. Da bleiben Fragen an brandenburgische Wähler.

Frau Teuteberg kennt feindselige Milieus. Als Freidemokratin wird man in Deutschland ganz sicher nicht automatisch Medienliebling. Im vergangenen Jahr kam eine Fernsehjournalistin auf die angeblich mäßige 100-Tages-Bilanz der FDP-Generalsekretärin zu sprechen. Konnte nur leider den Namen Teuteberg nicht richtig. Ein „Anna-Vera Baerbock“ wäre dieser Journalistin nicht passiert. Dazu mag sie die Grünen zu gern.

Durchgesetzt in einer Männerpartei

Linda Teuteberg musste sich durchsetzen. In einer Männerpartei wie der FDP mitunter gegen Typen, die zwar mit Budapester Schuhen an den Füßen auf die Welt kommen, aber trotzdem keine feinen Leute sind. 92,8 Prozent als Generalsekretärin auf dem FDP-Parteitag waren ein Ergebnis, das auch die Jury dieses Preises überzeugt hat. Vor allem aber auch die Art, wie dieser Erfolg zustande kam. Kein typischer Generalsekretärinnen-Trashtalk. Keine demonstrative Herabwürdigung des politischen Gegners, nur weil man das so macht. Und es ist woanders mit Stolz aufgenommen worden. Frau Teuteberg hat als Schülerzeitungsredakteurin an ihrem Gymnasium in Fürstenwalde Klaus Kinkel interviewt. Als sie danach die Parteiprogramme las, gab das für sie den Ausschlag für die FDP.

Wie gesagt: Es wäre aufregender, wenn der FDP-Gründer Theodor Heuss aus einem Sanddorn-Strauch zu ihr gesprochen hätte. Aber als Liberale ist ihr die Trennung von Religion und Politik sicherlich ohnehin ein Anliegen. Ich habe gestern mit dem Gymnasium gesprochen. Ihre Lehrerin Kerstin Ahrens hat sich wohl sehr gefreut über ihre enorme politische Karriere. Und der Lehrer Markus Mollitor, der am Katholischen Gymnasium Bernhardinum die Tage der politischen Bildung organisiert, hat sie herzlich eingeladen vorbeizukommen. Weil, und ich sagte es am Anfang: Einmal Bernhardiner, immer Bernhardiner.

Jörg Thadeusz ist Radio- und Fernsehmoderator und Kolumnist der Berliner Morgenpost. Die Laudatio hielt er am 13. Februar bei der Verleihung des Politikawards in Berlin.