Landwirtschaft

Ein Bio-Ei kostet schon allein bei der Produktion 30 Cent

Mobile Hühnerställe, Freilandhaltung: Brandenburgs Biobauern investieren viel Arbeit in Tiere und Boden. Das hat seinen Preis.

Am Beginn der Produktionskette: Ein Bauer mäht in Dallgow-Döberitz Getreide auf einem Gerstenfeld.

Am Beginn der Produktionskette: Ein Bauer mäht in Dallgow-Döberitz Getreide auf einem Gerstenfeld.

Foto: imago stock / imago images / photothek

Berlin. Landwirte stecken viel Zeit und Arbeit in die Freilandhaltung und in den sorgsamen Umgang mit Tieren und Boden. Wenn man den tatsächlichen Aufwand der Biobauern berechnet, muss man diese hohen Unkosten einbeziehen. Daraus ergibt sich dann die Frage nach einem fairen Preis.

Zum Beispiel bei der „Mobilen Hühnerhaltung“, einem Projekt der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg e.V. (FÖL). Bis zu 30 Cent koste ein solches Ei, wenn es den Biobetrieb verlässt, sagt Ronald Mikus. „Das ist der Entstehungspreis, nicht der Preis im Handel.“

Mikus betreut das Projekt in der Fördergemeinschaft. Weitere Kosten kämen für das Ei aus mobiler Haltung hinzu: für Sortieren, Stempeln, Verpacken, den Transport. Der Preis im Bioladen in Berlin beträgt zwischen 65 und 69 Cent. Zum Vergleich: Ein Ei aus der industrialisierten Legehennenhaltung werde im Lebensmittelmarkt schon für zwölf Cent angeboten, sagt Mikus.

Hühner scharren alle vier Wochen auf einer anderen Fläche

Bei der mobilen Hühnerhaltung übernachtet das Federvieh im Wohnwagen und darf tagsüber ins Freie, um zu picken und zu scharren. Vier Quadratmeter Auslauf stehen jedem Tier zu, laut EU-Bioverordnung für Legehennen. Das sind 1000 Quadratmeter bei 250 Hühnern. Das Areal wird eingezäunt.

Nach ein bis vier Wochen fährt das Wohnmobil mit den Tieren weiter, zu einer frischen Fläche von 1000 Quadratmetern Größe. Währenddessen kann sich das zuvor benutzte Areal von der Belastung erholen. „Der Stickstoffeintrag im Boden wird dadurch deutlich reduziert“, sagt Ronald Mikus.

Denn je länger sich die Hühner auf einer Fläche aufhalten, desto mehr Kot hinterlassen sie. Der Anteil, der nicht von den Pflanzen aufgenommen wird, versickert und erreicht das Grundwasser. „Das verhindert man mit der Haltung im mobilen Stall.“

20 Brandenburger Betriebe haben mobile Hühnerhaltung

Er achte darauf, dass durch Scharren und Picken die Grasnabe nicht kaputt geht, „und dass das Gras schnell nachwachsen kann in der Zeit, in der der Stall woanders steht.“ Im Winter ziehe der Hühner-Wohnwagen häufiger um. Die praktische Erfahrung zeige, so Mikus, dass man nach acht Wochen den mobilen Stall wieder auf der ursprünglichen Fläche abstellen kann.

Mehrere Biobetriebe beteiligen sich an dem Projekt der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau, darunter der Bauernhof Erz und die Biohof Werder GbR. Die Arbeitsbelastung bei der mobilen Haltung sei etwa zehnmal so groß wie bei einer vollautomatisierten Hühnerhaltung im Stall, so Ronald Mikus. „Deshalb liegen die Arbeitskosten deutlich höher.“

Auch vor Fuchs und Habicht müssten die Hühner im Freien geschützt werden. Insgesamt betreiben etwa 20 Biobetriebe in Brandenburg eine solche Hühnerhaltung im mobilen Stall. Sie vermarkten die Eier größtenteils selbst. „Mit unserem Projekt wollen wir weitere Unternehmen dafür gewinnen und erreichen, dass mehr Eier aus der mobilen Haltung in den Handel kommen.“

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Bio-Bauer kann mit 4,50 Euro pro Kilogramm Schweinefleisch leben

Auch der Entstehungspreis für Schweinefleisch aus Freilandhaltung ist hoch, verglichen mit preiswerten Angeboten im Supermarkt. Der 64-jährige Brandenburger Landwirt Bernd Schulz spricht von 4,50 Euro pro Kilogramm „Schwein am Haken“, das etwa 100 Kilo wiegt. „Damit kann der Bio-Betrieb leben.“

Im Preis stecke der Mehraufwand durch die körperliche Arbeit, die mit Freilandhaltung verbunden sei, so Bernd Schulz. Außerdem der Mehraufwand an Futter sowie höhere Kosten für den Schlächter, der ein Biozertifikat haben und von der EU zugelassen sein müsse. Von 1996 bis Sommer 2019 hielt Schulz Freilandschweine auf seinem Gelände in Gömnigk, Landkreis Potsdam-Mittelmark. Die Anlage hat jetzt neue Betreiber.

Rinderzüchter erhält 1500 Euro für einen Mastochsen

Vom hohen Aufwand der ökologischen Tierhaltung erzählt auch Reinhard Jung, Landwirt aus Lennewitz im Landkreis Prignitz. Er hält 40 Rinder der Rasse Rotbuntes Niederungsvieh. „Wir produzieren nur Fleisch“, sagt Jung.

Die Tiere leben auf Grünland, auf dem kein Kunstdünger gestreut werden darf. Als Bauer mit Familienbetrieb sei er daran interessiert, den Boden in gutem Zustand zu erhalten, sagt Reinhard Jung. Für einen guten Mastochsen bekomme er etwa 1500 Euro, „einen Ochsen, der bei mir geboren ist, den ich zwei Jahre gehalten und gefüttert habe.“

Die Verkaufssumme sei wenig. „Eigentlich müsste es das Doppelte sein.“ Doch auch wenn der Aufwand hoch sei, sagt Jung. „Bei jedem Landwirt ist ein Stück Leidenschaft dabei.“