Tour

Wandern in Brandenburg: Was diese Bloggerinnen erlebten

Kommunikationsdesignerin Sina Schwarz und Kunsthistorikerin Theresa Wißmann haben aus ihrem Wander-Blog über Brandenburg ein Buch gemacht.

Theresa Wißmann und Sina Schwarz ( mit ihrem druckfrischen Buch Milch & Moos.

Theresa Wißmann und Sina Schwarz ( mit ihrem druckfrischen Buch Milch & Moos.

Foto: Katrin Starke

Berlin.  Früher, wenn sie mit ihren Eltern aus der Lüneburger Heide zum Wandern in die Berge fuhr, hatte Theresa Wißmann beim Kraxeln immer ihren geliebten Tirolerhut auf dem Kopf. Das ist zwar schon 25 Jahre her. Doch der kleine Hut existiert immer noch. „Den habe ich gerade erst wiedergefunden“, erzählt die Kunsthistorikerin, die heute 35 Jahre alt ist.

Auch wenn sie den Hut heute nicht mehr trägt: Die Begeisterung fürs Wandern hat sie sich seit jenen Kindertagen bewahrt. Ebenso wie die Kommunikationsdesignerin Sina Schwarz (34), die ihre süddeutsche Heimat zwischen Bodensee und Schwarzwald auch schon als kleines Mädchen leidenschaftlich gern durchstreifte. Heute sind die beiden Wahl-Berlinerinnen vornehmlich im Märkischen unterwegs. „Wir sind beide auf dem Land aufgewachsen“, sagt Theresa Wißmann. „Deswegen zieht es uns immer wieder hinaus aus der Stadt in die Natur.“

Was es in Brandenburger Wäldern, in Dörfern oder jenseits sandiger Barfußwege alles zu entdecken gibt, darüber berichten die Freundinnen seit vier Jahren in ihrem Blog im Internet – und jetzt auch in ihrem Buch „Milch & Moos – Vom Wandern und guten Essen“. Kennengelernt haben sie sich beim Studium in Konstanz, zufällig trafen sie sich Jahre später in Berlin wieder – der Beginn einer intensiven Wanderfreundschaft. „Aus purer Lust am Wandern haben wir eines Tages die Schuhe geschnürt und sind losgelaufen“, schildern sie in ihrem Buch. „Und weil Gehen hungrig macht, gehört für uns zu jedem Ausflug ein gutes Picknick dazu.“

Unterwegs haben sie so manchen Hofladen ausfindig gemacht

Auf der Suche nach dem „perfekten Proviant“ haben sie unterwegs so manchen Hofladen ausfindig gemacht, sind in Landgasthöfen eingekehrt, haben Fischräuchereien besucht. Oder sich erklären lassen, wie Whisky hergestellt wird – bei einem Besuch der Old Sandhill Whisky Destillerie in Bad Belzig. „Von Tim Eggenstein, der seit 2012 nur wenige Schritte unterhalb der Burg Eisenhardt seinen Single Malt Whisky brennt, haben wir auch erfahren, dass sich Bier und Whisky viel ähnlicher sind, als wir bisher dachten“, sagt Sina Schwarz.

Und dann plaudern sie und Theresa Wißmann munter drauflos über das Einmaischen, die obergärige Hefe und darüber, dass einige von Eggensteins Fässern von einem Küfner aus Erkner stammen und sie sich fragen, ob man im Belziger Whisky die Aromen der märkischen Eiche wohl herausschmecken kann.

Ihren zweitägigen Ausflug in den Naturpark Hoher Fläming, bei dem sie zwischen Wiesenburg und Bad Belzig auf Nord- und Südroute die Skulpturen entlang des Kunstwanderwegs bestaunen, empfehlen sie im Buch als Januar-Tour. Für jeden Monat haben sie ein bestimmtes Thema gefunden: „Im Januar wärmt Whisky die frierenden Glieder und Kunst am Wegesrand tröstet über kahle Felder hinweg“, sagt Wißmann.

Für den Mai, in dem die Bienen besonders emsig sind, haben sie einen Besuch in einer Imkerei im Naturpark Westhavelland vorgesehen. Für Februar empfehlen sie die Gegend um den Liepnitzsee im Norden Berlins und einen Besuch in der Klosterfelder Senfmühle, für März eine vorfrühlingshafte Wandertour durch die Uckermark, ihrer Lieblingsregion. „Weil da das Wegenetz besonders dicht und so viel Unterschiedliches zu sehen ist“, begründet Sina Schwarz. „Und weil es da die meisten Hügel gibt“, ergänzt ihre Freundin.

Unterwegs übernachten sie in Gasthäusern und Pensionen

Am liebsten sind die beiden ein ganzes Wochenende unterwegs, übernachten in Gasthäusern und Pensionen. Das Konzept ihres Blogs ist es, einmal im Monat eine neue Tour zu beschreiben – „rund ums Jahr, weil jede Jahreszeit ihren Reiz hat“. Aber eigentlich ziehen sie fast jedes Wochenende los, „gern auch mit Freunden“. Mal unternehmen sie „Tagestouren für Anfänger“, dann wieder „Touren für Kilometerfresser“ mit einem Pensum von mehr als 30 Kilometern pro Tag. „Besonders spannend wird es für uns immer dann, wenn Landschaft und Lebensmittel miteinander in enger Beziehung stehen.“

Es sei etwas ganz Ursprüngliches, „wenn man über eine Streuobstwiese wandert und wenige Kilometer weiter Apfelwein trinkt, der aus den alten Sorten gekeltert wird“, erklärt Wißmann. „Oder wenn man im Ziegenkäse die blühende Heidelandschaft schmeckt, in der die Ziegen weiden“, ergänzt Schwarz – so wie bei dem Ausflug in die Himmelpforter Heide mit Besuch des Capriolenhofes an der Regower Schleuse, „einer Instanz in Sachen Ziegenkäse“.

Auch in Brandenburg sei Wandern stark im Kommen

Brandenburg kennen die beiden Frauen mittlerweile besser als ihre Heimat. „Denn wenn man irgendwo neu ist, ist man eher im Entdeckermodus“, hat Theresa Wißmann festgestellt. Und noch etwas haben sie bei ihren Wanderungen festgestellt: „Man kann in Brandenburg sehr, sehr lange laufen, ohne Menschen zu treffen.“ Das sei ganz anders als beispielsweise im Schwarzwald mit seinem „dichten Wanderverkehr“, sagt Sina Schwarz. Aber auch in Brandenburg sei Wandern stark im Kommen. „Viele Leute wollen nicht mehr mit dem Flugzeug verreisen, das ist eine neue Wanderklientel.“

Während sie in ihrem Blog „Milch & Moos“ zu Ausflügen inspirieren wollen, ist ihr Buch ein „echter Wanderführer, mit dem wir die Leute ein bisschen an die Hand nehmen“. Jedes Kapitel beginnt mit einem Hofporträt, dann folgen genaue Wegbeschreibungen, Übernachtungs- und Einkehrtipps sowie GPS-Daten als Download zum Navigieren für unterwegs.

Das Buch: Sina Schwarz , Theresa Wißmann: Milch & Moos. Vom Wandern und guten Essen. Brandenburg. Verlag Terra Press, 25 Euro

Der Blog: milchundmoos.de