Wiedereröffnung

Comeback des Schlosstheaters im Park Sanssouci

Im Juni eröffnet das 2013 geschlossene Schlosstheater im Neuen Palais nach umfangreicher Sanierung.

Blick in das sanierte Schlosstheater in Potsdam. Mit einer Telemann-Premiere am 20. Juni soll es nach sieben Jahren wieder öffnen.

Blick in das sanierte Schlosstheater in Potsdam. Mit einer Telemann-Premiere am 20. Juni soll es nach sieben Jahren wieder öffnen.

Foto: Julian Stähle / ZB

Potsdam.  „Was habt ihr eigentlich gemacht? Man sieht ja gar nichts.“ Das sei das schönste Kompliment, das man ihm machen könne, sagt Olaf Saphörster. Seit einem Jahr leitet der Architekt die Sanierungsarbeiten am Schlosstheater im Neuen Palais von Sanssouci. Denn anders als bei der Mehrzahl der Sanierungsprojekte der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg habe der Schwerpunkt der Arbeit nicht im Restaurativen gelegen. „Es ging vielmehr darum, die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter und Besucher, auch den Schutz des Gebäudes zu gewährleisten“, erklärt Saphörster.

Heißt: Rund 2,8 Millionen Euro flossen aus dem Sonderinvestitionsprogramm 2 vorzugsweise in Brandschutz und Dekontamination. Am 20. Juni soll nun das im Stil des Friderizianischen Rokoko gestaltete Theater mit Georg Philipp Telemanns „Pastorelle en musique“ wiedereröffnet werden – nach einer Schließzeit von sieben Jahren. Seit Juli 2013 ist das zuvor ganzjährig bespielte Schlosstheater geschlossen.

Archive durchstöbern und bauliche Gegebenheiten untersuchen

Zwischen 2014 und 2016 wurden aus Mitteln des ersten Sonderinvestitionsprogramms bereits das Dach des Theaterflügels instandgesetzt, der Schnürboden über der Bühne neu gebaut und ein Brandschutzvorhang zwischen Bühne und Zuschauerraum angebracht. Mittlerweile ist zudem der Bühnenboden erneuert, eine moderne Lichtstellanlage montiert, eine neue Heizanlage angeschlossen, sind die Garderoben renoviert.

„Möglichkeiten zu finden, Leitungen, Rohre oder Lüftungskanäle im Gebäude zu verlegen oder auszuwechseln, ohne dabei die Denkmalsubstanz zu tangieren, war bei dem Projekt die eigentliche Kunst“, erläutert Saphörster. Die Kollegen hätten dazu alte Pläne wälzen, Archive durchstöbern und die baulichen Gegebenheiten untersuchen müssen – „immer auf der Suche nach schonenden ,Schleichwegen‘ durch das Haus, um beispielsweise auf das Bohren zu verzichten.“

Diese Vorarbeiten seien extrem zeitraubend gewesen. Wegen der Lage der Bühne in der ersten Etage seien große Aus- und Umbauarbeiten angefallen. „Im Fall eines Feuerausbruchs wird zum Beispiel eine Sprinkler- und Nebellöschanlage auf der Bühne aktiviert. Damit das ablaufende Löschwasser jedoch nicht die 200 bis 300 Jahre alte Stuckdecke im Erdgeschoss zerstört, befindet sich im Bühnenunterbau eine Auffangwanne“, sagt Saphörster. Diese musste abgedichtet werden. „Also wurde die Bühne samt Unterkonstruktion komplett ausgebaut.“ Jetzt gehe es nur noch ums große Aufräumen sowie Maler- und Bodenbelagsarbeiten.

Potsdamer Winteroper zu Gast

Allein die für Anfang März geplante Abnahme der Bauaufsicht steht noch aus. „Die ist aber kein Problem“, so der Experte. Zufrieden ist er auch darüber, dass der Zeitplan zumindest fast eingehalten werden konnte. Ursprünglich sollte das Schlosstheater seine Türen Ende des vergangenen Jahres öffnen. Doch die gute Konjunkturlage in der Baubranche machte den Stiftungsplanern einen Strich durch die Rechnung: Zu wenige Firmen bewarben sich um die Aufträge.

Dass das lange Warten im Sommer endlich ein Ende finden soll, lässt auch Kerstin Schilling, Direktorin der Abteilung Schlossmanagement, aufatmen. Nicht nur die Künstler der Musikfestspiele Potsdam sollen alsbald wieder Leben auf die Bühne bringen. Neben dem Theater Poetenpack ist im Winter auch die Potsdamer Winteroper zu Gast, eine seit 2005 bestehende Kooperation der Kammerakademie Potsdam und des Hans-Otto-Theaters.

Nicht nur mit positiven Folgen

„Wie früher kann das Theater außerdem von Kulturinstitutionen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen für Tanz, Lesungen, Aufführungen oder Konzerte angemietet werden“, so Schilling. Schließlich sei das Schlosstheater europaweit eines der wenigen historischen Theater, die noch aktiv bespielt werde. Neben Festsälen und Wohnräumen ist das barocke Theater Teil des Neuen Palais, das als Sommerresidenz im Auftrag Friedrich des Großen zwischen 1763 und 1769 errichtet wurde.

Mehrfach wurde das Theater seither saniert und restauriert. Nicht nur mit positiven Folgen. „Die Holzschutzmittel, die die Sanierer in den 1960er- und 1970er-Jahren auf alle Holzkonstruktionen aufbrachten, werden heute als gesundheitsschädlich eingeschätzt“, sagt Saphörster.

Sämtliche der unter Denkmalschutz stehenden Konstruktionen mussten daher dekontaminiert werden. „Im Bereich des mit dem Bühnenraum im Luftverbund stehenden Schnürbodens wurden die Hölzer einem speziellen Vakuum-Waschverfahren unterzogen“, sagt Saphörster. Anschließend seien sie mit Schellack überzogen worden, um weitere Ausdünstungen zu verhindern.

Schüler und Kitakinder haben schon vor der offiziellen Wiedereröffnung Gelegenheit, das Schlosstheater kennenzulernen. Die Musikfestspiele laden am 17. Juni zu einem Probenbesuch ein.