Denkmalschutz

Neues Geld für alte Gebäude

Insgesamt 37 Millionen Euro flossen 2019 in die Sicherung, Sanierung und Restaurierung märkischer Denkmäler. Die schönsten Beispiele.

Für die Kirche im uckermärkischen Dorf Stegelitz gab es 120.000 Euro aus der Denkmalhilfe.

Für die Kirche im uckermärkischen Dorf Stegelitz gab es 120.000 Euro aus der Denkmalhilfe.

Foto: @andreas_winter / Andreas Winter

Potsdam.  Dass der Kirche in Stegelitz der Einsturz drohte, die Pfarrerin nur noch traurig die Schultern zuckte, konnte Andreas Winter nicht von seinem Umzug mit der Familie aus Berlin ins uckermärkische Dorf abhalten. Auch nicht, dass der ruinöse Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert direkt neben der von ihm geplanten Pension stand. Stattdessen erkannte der heute 56-Jährige die Chance für ein neues Miteinander der 200 Einwohner.

„Es gab hier keinen Ort mehr, an dem sich die Dorfgemeinschaft treffen konnte, Kneipen und Geschäfte hatten alle dichtgemacht. Die Entwidmung dieser Kirche wäre der traurige Höhepunkt gewesen“, resümiert Winter. Spontan entwickelte er mit Ehefrau Mona ein Flugblatt, lud 2017 die Einwohner zur Infoveranstaltung ein, um das Gotteshauses zu retten. 30 kamen. „Das war erst der Anfang“, erinnert sich Winter.

Mitglieder des Freundes-Vereins sogar aus Amerika

Gute zwei Jahre später ist der sakrale Bau nun notgesichert. Der von Winter gegründete Freundes-Verein zählt mittlerweile 130 Mitglieder, die Hälfte davon kommt aus der gesamten Republik und selbst aus Amerika. Der umtriebige Ex-Großstädter machte einfach seine Pensionsgäste auf die „kulturhistorische Perle der Region“ aufmerksam – auf den Renaissance-Altar, das vom Berliner Barockbildhauer Georg Glume gestaltete Grabdenkmal des Generalfeldmarschalls Georg Abraham von Arnim und auf das für die Uckermark einzigartige Kreuzgewölbe, das für eine herausragende Akustik sorgt.

120.000 Euro aus der Denkmalhilfe verhinderten den Zusammenbruch des Dorfwahrzeichens – nur ein Bruchteil der Mittel, die das Kultur- und das Infrastrukturministerium 2019 für die Sicherung, Sanierung und Restaurierungen von märkischen Denkmalen investiert haben. Insgesamt flossen rund 37 Millionen Euro an Fördermitteln, zwölf Millionen Euro davon aus Programmen des Kulturministeriums.

43 bedrohte Denkmäler gefördert

2,15 Millionen gingen beispielsweise an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg für den Erhalt ihrer historischen Bauten und Gartenanlagen, mit 1,2 Millionen Euro wurde die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz gefördert.

Für die weitere Instandsetzung der Klostergebäude und des Barockgartens erhielt die Stiftung Stift Neuzelle 1,4 Millionen Euro. Allein 43 Projekte wie die Sanierung von Schloss Genshagen und Schloss Demerthin oder der Cottbuser Spreewehrmühle konnten mit Mitteln gefördert werden, die speziell für die Sicherung von bedrohten Denkmalen zur Verfügung standen.

„Gerade der Erhalt der vielen Kleinode in den Städten und Dörfern – wie die Dorfkirche Stegelitz – sind ohne privates und ehrenamtliches Engagement nicht möglich“, unterstreicht Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Und spricht dabei von der „größten Bürgerbewegung Brandenburgs“. Beim Denkmalschutz gehe es neben dem Erhalt von historischen Gebäuden, Straßen, Plätzen und Parkanlagen auch darum, „dass Orte im Hier und Heute bestehen, dass sie ihre Identität behalten“, ergänzt Infrastrukturstaatssekretär Rainer Genilke (CDU).

Neues Leben im „Alten Kaufhaus“ von Seelow

Das „Alte Kaufhaus“ in Seelow (Märkisch-Oderland) sei dafür ein gutes Beispiel. Als „Kaufhaus des Friedens“ 1959 im Zentrum der stark kriegszerstörten Stadt Seelow mit 800 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet, wurde der Eckbau mit Rundbögen und großer Fensterfront bis 2008 als Kaufhaus genutzt.

Endlich wieder Leben in das schließlich leerstehende Gebäude zu bringen, wurde Jörg Schröder 2009 mit auf den Weg gegeben, als er Bürgermeister der 6000-Einwohner-Kreisstadt wurde. „Aus dem Klotz am Bein sollte wieder etwas werden“, erzählt Schröder. Für 140.000 Euro erwarb die Stadt 2014 das Gebäude, im gleichen Jahr wurde es in die Denkmalliste aufgenommen. „Mit der Entwicklung des Hauses wollten wir ein Zeichen setzen.“

Als Partner holte sich Schröder die Wohnungsbaugesellschaft Sewoba ins Boot, begann 2016 mit dem Umbau zum Wohn- und Geschäftshaus. 5,3 Millionen Euro wurden ins 2019 eröffnete Haus investiert, von denen 2,6 Millionen Euro aus der Städtebauförderung und der Wohnraumförderung kamen. Um eine Etage aufgestockt, beherbergt der Bau heute Mietwohnungen, Läden und Arztpraxen.

Warnung des Landeskonservators

Und Schröder bezog die Seelower ein: Der Name „Altes Kaufhaus“ basiert auf dem in einer Bürgerumfrage mehrheitlich geäußerten Wunsch. „Dieses erste Objekt steht für eine gesamte Quartiersentwicklung in der Innenstadt. Es geht darum, Mut und Hoffnung zu machen für eine weitere positive Entwicklung des Mittelzentrums Seelow.“

Hoffnung treibt auch Landeskonservator Thomas Drachenberg um. Noch immer fährt seine Behörde personell auf Sparflamme. Von den 120 Mitarbeitern im Jahr 2000 sind ihm aufgrund von Einsparungen 80 geblieben. „Noch, aber nicht mehr lange, können wir unsere Denkmalhilfe-Aufgaben erfüllen, aber wir laufen auf dem Zahnfleisch“, sorgt sich Drachenberg. „Es muss gegengesteuert werden. 25 neue Fachleute sind nötig.“