Mitmach-Aktion

Nach Hitzesommer 2019: Nabu ruft zur Vogelzählung auf

Es wird wieder gezählt: Die „Stunde der Wintervögel“ soll auch Aufschluss über die Folgen der Hitzesommer geben.

Häufigster Gartenvogel des Jahres 2019 war der Spatz, auch Haussperling, genannt. Von Freitag bis Sonntag wird wieder gezählt.

Häufigster Gartenvogel des Jahres 2019 war der Spatz, auch Haussperling, genannt. Von Freitag bis Sonntag wird wieder gezählt.

Foto: Jose Antonio Moreno castellano / picture alliance / imageBROKER

Berlin. Amsel, Meise oder Rotkehlchen – wer pickt denn da im Gartenbeet oder hüpft durch den Park? Von Freitag bis Sonntag ruft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) wieder zu seiner traditionellen Wintervogel-Zählung auf, an der jedes Jahr mehr Berliner teilnehmen.

Allein im vergangenen Jahr haben 3895 Berliner Vogelfreunde in 2666 Gärten 88.966 Vögel gezählt, berichtet Ansgar Poloczek, der Natur- und Artenschutzreferent des Nabu Berlin.

An diesen Tagen sollen Naturfreunde eine Stunde lang beobachten, wie viele unterschiedliche Vögel an einem Standort zu sehen sind. Sei es am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park. Die „Stunde der Wintervögel“ ist nach Nabu-Angaben inzwischen Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion.

„Nach dem zweiten Rekordsommer in Folge könnte die Zählung Aufschluss darüber geben, wie sich anhaltende Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt auswirken“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse.“

Hoffen auf neue Erkenntnisse zum Eichelhäher

In diesem Winter rechnen die Naturschützer zum Beispiel mit neuen Erkenntnissen zum Eichelhäher. „Im Herbst haben wir einen massiven Einflug dieser Art nach Deutschland und Mitteleuropa beobachtet“, sagte Miller. Als Grund vermuten die Ornithologen, dass 2018 in Nordosteuropa besonders viele Eicheln heranreiften. So konnten mehr Vögel über den Winter kommen und später brüten.

„Viele sind nun zu uns gezogen, weil in ihren Herkunftsgebieten nicht mehr genug Nahrung vorhanden ist.“ Auch in Berlin sind Eichelhäher weit verbreitet, „man findet ihn auch in der Innenstadt“, sagt Ansgar Poloczek vom Nabu Berlin.

Städte sind heute wichtige Lebensräume für viele Arten

Überhaupt könne kann man in einer Vielzahl von Untersuchungen der vergangenen 30 bis 40 Jahre den Trend ablesen, dass mehr Arten auch in innerstädtischen Bereichen anzutreffen seien, sagt Poloczek. Aktionen wie die Stunde der Wintervögel könnten wissenschaftliche Detailstudien zwar nicht ersetzen, aber sie lieferten wertvolle Hinweise zu generellen Trends, deren genauere Untersuchung sich lohne.

Der Artenschutzreferent widerspricht auch dem Vorurteil, Großstädte seien grundsätzlich eine „naturfeindliche“ Umgebung. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Poloczek: „Städte sind inzwischen wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von Arten.“ Diese liege auch an der zunehmenden intensiven und industrialisierten Landwirtschaft, „die Lebensräume in ländlichen Regionen dramatisch zerstört und verkleinert hat“. Selbst der Klimawandel spiele, verglichen mit diesen Veränderungen, eine geringere Rolle.

Was sieht man nun eigentlich im Januar im Garten? Wie unterscheiden sich Goldammer und Grünfink? Und gibt es Amseln mit braunen Federn? Wer sich auf die Zählung vorbereiten möchte, findet auf der Webseite des Nabu Steckbriefe der häufigsten Gartenvögel. Wer will, kann auch ein unterhaltsames Lernvideo samt kleinem Quiz zur Bestimmung von Vögeln abrufen. Es eignet sich auch für Kinder. Darüber hinaus ist am 11. und 12. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Telefonnummer 0800 1157115 geschaltet.

Für Schulkinder wird ein Wintervogel-Quiz angeboten

Auch Kindergruppen und Schulklassen können mitmachen. Für die „Schulstunde der Wintervögel“ bietet die Naturschutzjugend Naju auf www.naju.de ein Poster und ein Wintervogel-Quiz für Kindergruppen und Schulklassen an. Auch die Zählergebnisse der Kinder fließen in die Nabu-Auswertung ein. Alle Ergebnisse der Zählung können Vogelfreunde unter der Internetadresse www.stundederwintervoegel.de bis zum 20. Januar melden. Auf der Seite gibt es auch ein Zählformular zum Herunterladen und weitere Erklärungen.

An der letzten großen Wintervogelzählung 2019 nahmen deutschlandweit 138.000 Naturfreunde teil. Den Spitzenplatz belegte der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling. Auch in Berlin war der Haussperling der häufigste Vogel, wie auch schon in den vergangenen Jahren. Der Spatz, so der Nabu, ist ein echter Berliner: „Der hohe und stabile Bestand dieser Art in Berlin ist auffällig, in Hamburg und München ist das ganz anders“, sagt Poloczek.

Wasservögel nicht füttern

Auf zwei Dinge weist der Naturschützer noch hin: Grundsätzlich sei es zwar schön, Vögel zu füttern, um sie aus der Nähe zu beobachten. „Ein effektiver Beitrag zum Naturschutz ist es nicht.“ Wasservögel solle man zudem grundsätzlich überhaupt nicht füttern. „Brot und Gebäck enthalten Backtriebmittel und Salz und sind deswegen nicht gut verträglich für Vögel.“ Die teilweise massive Nährstoffzufuhr durchs Füttern wirke sich zudem ungünstig auf die Wasserqualität aus.