Tourismus

Wie Brandenburg vom Fontanejahr profitierte

Das Fontanejahr brachte Brandenburg Zehntausende Touristen – und dem Leser einen neuen Blick auf den Literaten.

Das Fontane-Denkmal in Neuruppin. An diesem Montag jährt sich der 200. Geburtstag von Theodor Fontane zum 200. Mal.

Das Fontane-Denkmal in Neuruppin. An diesem Montag jährt sich der 200. Geburtstag von Theodor Fontane zum 200. Mal.

Foto: Soeren Stache / dpa

Potsdam/Neuruppin. Was hat das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag des Literaten Theodor Fontane (1819-1898) mit hunderten Veranstaltungen mit Zehntausenden Besuchern gebracht? „Vor allem einen verblüffenden Effekt: dass Leben und Werk Fontanes eine Anziehungskraft besitzen, mit der kaum jemand rechnete“, sagt Roland Berbig, Vorsitzender der Theodor-Fontane-Gesellschaft mit Sitz in Neuruppin. „Der Autor wurde von dem Schulstaub, der ihm anhaftet, befreit und - siehe da: eine lebende, alles anders als preußisch-verkalkte Person trat zum Vorschein“, sagt er. Das Fontanejahr endet offiziell nach neun Monaten an diesem 30. Dezember, dem Geburtstag des Autors.

Land unterstützte Jubiläum mit zwei Millionen Euro

„Der Aufwand hat sich definitiv gelohnt. Brandenburg war (und ist) im Fontane-Fieber“, sagt Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD). Es sei gelungen, Fontane zu entstauben und im Spiegel des 21. Jahrhunderts zu betrachten. Knapp eine Million Besucher seien auf seinen Spuren gewandelt. Neben dem „märkischen Wanderer“ konnte auch der für seine Zeit durchaus moderne und „zukunftsneugierige“ Autor lebendig gemacht werden. Das Land unterstützte das Jubiläumsjahr mit rund zwei Millionen Euro. Dazu kam eine Million Euro von der Kulturstiftung des Bundes.

In Neuruppin wurde Fontane als Sohn eines Apothekers geboren. In der Stadt verlebte er seine Kindheit und ging aufs Gymnasium. Als 13-Jähriger zog die Familie dann nach Berlin. Fontane wurde wie sein Vater Apotheker. Seine erste Novelle erschien 1839. Später entschied er sich gegen den Apothekerberuf und arbeitete nur noch als Journalist, Kritiker und Kriegsberichterstatter. Erst im Alter von fast 70 Jahren erschien sein berühmter Roman „Effi Briest“, der einige Male verfilmt wurde. Weitere Romane folgten. Zuvor veröffentlichte er die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, die für die Identität der Bewohner des Landes zwischen Elbe und Oder wichtig wurden. Berühmt ist zudem sein Gedicht vom „Herr von Ribbeck im Havelland“ und dem Birnbaum in seinem Garten.

„Wer vor dem Autor andächtig niederkniet, verfehlt ihn“, betont Berbig. Wer jedoch seinem vielgefächerten Autorenleben folge, begegne einem Gesprächspartner, der ihm sonst fehlen würde. Ob es auch gelang, den deutschen Romancier des 19. Jahrhunderts international bekannter zu machen, bleibe abzuwarten. Das gewachsene Interesse sei jedoch spürbar, sagt Berbig.

In Buch erinnert ein Birnbaum an den Dichter

Seine beschauliche Geburtsstadt Neuruppin, die sich seit einigen Jahren Fontanestadt nennen darf, freute sich über mehr Bekanntheit. Bürgermeister Jens-Peter Golde will die Besucher auch 2020 weiter „fontanisieren“. Vor allem die große Leitausstellung „fontane.200/Autor“ konnte mit 30.000 Besuchern die anfangs erhoffte Zahl von 15.000 weit übertreffen. Dem Publikum gefiel, wie der Schriftsteller von seinem Sockel geholt wurde, so ist im Besucherbuch zu lesen. Seine Worterfindungen führten als Faden durch die Schau: Schuhbürstenbart, Weltverbesserungsleidenschaft und Gemütlichkeitsrangliste.

Fontane nutzte zu seiner Zeit die modernsten Fortbewegungsmittel auf seinen Reisen durch Europa. „Heute würde er wahrscheinlich twittern“, meint Ministerin Schüle. „Ich denke, gerade die modernen Formate hätten ihm viel Spaß gemacht“, betont sie.

Und welches Werk sollte man heute unbedingt noch einmal vom alten Fontane lesen? Der Literaturwissenschaftler Berbig empfiehlt den Roman „Frau Jenny Treibel“. „Das ist eine umwerfende Erzählkomödie, die Geschichte einer sozialen Aufsteigerin, die virtuos Kunst, Geld und Leben vermischt“, sagt er. Die Ministerin sagt, dass sie als Märkerin eigentlich die „Wanderungen“ empfehlen müsste. Als Politikerin finde sie „Effi Briest“ aber spannender, weil sich Fontane mit Umbruchsituationen auskannte. Schüle: „Das macht ihn auch heute noch lesenswert.“

Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof der Französischen Gemeinde in der Liesenstraße in Berlin-Mitte. Hier wollen sich Fontane-Freunde an diesem Montag zum 200. Geburtstag versammeln.

An ein bislang wenig beachtetes Detail im Leben des Literaten erinnert seit diesem Jahr ein Birnbaum im heutigen Pankower Ortsteil Buch. Auf Initiative des Ehepaars Rosemarie und Adolf Henke ließ das Bezirksamt eine bislang anonyme Stelle hinter dem früheren Gasthaus „Dorfkrug“ an der Ecke Karower Weg und Alt-Buch zu einem kleinen Gedenkort umgestalten – denn der Dichter hatte seinen Besuch in Buch nach einer Reise im Jahre 1860 mit wohlwollenden Worten gerühmt. Beim neu gepflanzten Birnbaum handelt es sich um ein Symbol, das auch in mehreren Erzählungen Fontanes auftaucht.