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So will Brandenburg Pendler aus Berlin zum Umzug bewegen

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So will Brandenburg Pendler aus Berlin zum Umzug bewegen

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Staatssekretär Benjamin Grimm verteilte Beutel mit Brandenburger Produkten auf dem Hauptbahnhof.

Berlin/Potsdam. Sie sind in Eile, hasten die Rolltreppe hinauf, zu den ­Zügen nach Nauen, Golm und Königs Wusterhausen. Tausende Pendler sind am Dienstagmorgen auf dem Hauptbahnhof unterwegs auf dem Weg zur Arbeit ins Land Brandenburg. Am Fuß der Rolltreppe steht Staatssekretär Benjamin Grimm mit kleinen roten Beutelchen in der Hand. Darauf steht: „Brandenburg. Es kann so einfach sein.“ Darin sind Brandenburger Produkte, wie Äpfel aus Werder und Schokolade aus Luckau. Grimm, der für das Landesmarketing zuständig ist, drückt den vorbeieilenden Fahrgästen schnell einen Beutel in die Hand. Er will mit der Aktion zeigen: Brandenburg hat viel zu bieten. Warum also nicht gleich dort hinziehen, statt täglich zu pendeln.

Etwa 300.000 Menschen pendeln täglich zwischen Berlin und Brandenburg, davon rund ein Viertel von Berlin ins Umland und drei Viertel in die an­dere Richtung. „Die Berliner kommen überall dorthin, wo große Verwaltungsstandorte oder Industriegebiete sind“, sagte Thomas Braune, Leiter des Landesmarketings in der Potsdamer Senatskanzlei. Dazu gehörten zum Beispiel Städte wie Ludwigsfelde, Teltow und Eberswalde. Diese Pendler sollen mit der Aktion erreicht werden. „Bei uns gibt es noch bezahlbaren Wohnraum“, sagt Braune. Dafür wolle man werben, aber natürlich auch für das Land Brandenburg.

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3000 rote Brandenburg-Beutel in der Rushhour verteilt

Insgesamt 3000 rote Brandenburg-Beutel wurden am Dienstagmorgen ab sechs Uhr in der Rushhour verteilt. Viele nahmen den Beutel gern entgegen, darunter auch Reisende, die andere, fernere Ziele hatten. „Ich bin ab und zu in Brandenburg unterwegs“, sagt eine Frau, die nach Saarbrücken will und gerade den Beutel entgegengenommen hat. Sie finde es schön dort, aber hinziehen? „Nein, da ist mir die Stadt lieber.“

Zwischen Berlin und Potsdam sind an diesem Morgen aber auch viele Studenten unterwegs. Dorottya Czaran studiert Psychologie an der Universität Potsdam und pendelt dreimal in der Woche zwischen Berlin und Golm. Das sei kein Problem, sagt die junge Frau. Sie habe eine schöne Wohnung in Prenzlauer Berg, die auch nicht so teuer sei. In Golm wohnen wolle sie nicht. „Ich mag die Großstadt, und ich finde Berlin toll“, sagt die Studentin.

Anders sieht das Maya Landherr, die auch zur Universität unterwegs ist. „Ich hätte nichts dagegen, nach Potsdam oder direkt nach Golm an den Campus zu ziehen“, sagt die angehende Grundschullehrerin. Aber in Potsdam seien die Wohnungen einfach zu teuer. Eine Stunde ist die 27-Jährige jeden Tag außer freitags von Berlin zur Universität Potsdam unterwegs. Seit Langem hat sie eine Wohnung in Mitte. „Dort bleibe ich auch erst einmal wohnen“, sagt die Studentin. Denn selbst innerhalb Berlins könne sie nicht umziehen, „die Miete würde dann noch teurer werden“.

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Allein in Oberhavel entstanden 100 neue Wohnungen

Staatssekretär Benjamin Grimm ist selbst ein Pendler. „Allerdings innerhalb des Landes Brandenburg“, betont er. Grimm wohnt in Hohen Neuendorf im Landkreis Oberhavel und fährt jeden Tag nach Potsdam. Mit vielen Pendlern kam Grimm auf dem Hauptbahnhof ins Gespräch. „Wir wollen heute zeigen, wie vielfältig und lebenswert unser Bundesland ist, und den Menschen mit den kleinen Geschenken eine Freude machen“, sagte der Staatssekretär. Aber vor allen sollten die Menschen über einen Umzug nachdenken. „Denn warum viel Zeit in Zügen verbringen, wenn man da, wo man arbeitet, auch gut leben kann?“ Die Aktion sehe er als einen Gedankenanstoß. Viele Pendler würden gar nicht über einen Wohnortwechsel nachdenken, weil sie so im Trott seien, so Grimm.

Allerdings, so gesteht Staatssekretär Grimm ein, werde der Wohnraum im Speckgürtel bereits knapp. Aber gerade in seinem Heimatlandkreis steuere man dagegen. Etwa 100 neue Wohnungen seien in Oberhavel entstanden, davon allein zwei Häuser mit rund 30 Wohnungen in Lehnitz. „Wir haben dort Wohnraum geschaffen, der auch bezahlbar ist“, sagt Grimm. Es gelte natürlich die Regel: Je weiter entfernt von Berlin, desto günstiger die Miete. Es sei zum Beispiel ein entspannterer Arbeitsweg, wenn man bei Rolls-Royce in Ludwigsfelde arbeitet und sich dem Ziel statt von Berlin vom Süden her nähert, zum Beispiel aus Trebbin, Luckau oder Baruth.

Die Kampagne „Brandenburg. Es kann so einfach sein.“ wurde im Jahr 2018 vom Landesmarketing in der Potsdamer Senatskanzlei gestartet. Ziel ist es, „die Sehnsucht vieler Menschen nach naturnäherem Leben“ zu bedienen. Lebensentwürfe könnten einfacher realisiert werden – mit mehr Platz, niedrigeren Kosten und mehr Freiheit. Entstanden ist bereits ein Imagefilm unter dem Titel „Das Paradies vor der Haustür“. Zudem gab es die Aktion Elternzeit, in der Eltern mit Kindern einen kostenlosen Aufenthalt im Land Brandenburg gewinnen konnten, so zum Beispiel im Filmpark Babelsberg oder in Tropical Island.