Schriftsteller

Jubiläumsjahr: Theodor Fontane lockt 350.000 Besucher

Veranstaltungen rund um den 200. Geburtstag des Dichters sind das Brandenburger Kulturereignis des Jahres 2019

Neuruppin: Vor dem Fontane-Denkmal am Fontaneplatz steht eine Fußgängerampel mit einem Abbild des Schriftstellers Theodor Fontane als Ampelmännchen. Die Ampel wurde im Rahmen des Fontane-Jahres in Betrieb genommen.

Neuruppin: Vor dem Fontane-Denkmal am Fontaneplatz steht eine Fußgängerampel mit einem Abbild des Schriftstellers Theodor Fontane als Ampelmännchen. Die Ampel wurde im Rahmen des Fontane-Jahres in Betrieb genommen.

Foto: Nestor Bachmann / dpa

Potsdam. Bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz in Potsdam zum Fontane-Jahr 2019 habe seine Chefin keineswegs fehlen wollen, entschuldigt der erst vor wenigen Tagen ins Amt berufene Kulturstaatssekretär Tobias Dünow seine Ministerin Manja Schüle. Immerhin sei das Fontanejubiläum das Brandenburger Kulturereignis schlechthin gewesen. Seit Jahresbeginn haben rund 350.000 Besucher die Veranstaltungen von Kulturland Brandenburg im gesamten Bundesland erlebt.

Doch Sozialdemokratin Schüle ist verhindert, muss sich im Landtag zu den Ansprüchen des Hauses Hohenzollern gegenüber der öffentlichen Hand positionieren. Diese Auseinandersetzung würde einen passenden Stoff für den Romancier liefern, ist Dünow überzeugt.

Denn an heute noch aktuellen Fragestellungen mangele es im Werk des Neuruppiner Schriftstellers und Journalisten, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr vielfältig begangen wurde, nicht. Wovon sich Dünow in der Leitausstellung „fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin selbst ein Bild machte.

Den Museumsmachern sei es imponierend gelungen, den Autor und sein Schaffen komplett zu entstauben. Was sich in Zahlen widerspiegelt: Mehr als 33.000 Besucher und 680 Gruppen haben laut Veranstalter seit der Eröffnung Ende März die von Heike Gfrereis kuratierte Schau besucht, über 600 Führungen durch das für sieben Millionen Euro umgebaute Museum wurden gebucht.

„Mehr als 90 Prozent der Gästebucheinträge waren positiv“, freut sich Hajo Cornel, Projektleiter des Themenjahres. Gerade Jugendliche, denen mit eigens auf sie zugeschnitten Workshops spielerisch Wissen vermittelt wurde, hätten begeistert reagiert. „Fontane – viel interessanter als im Unterricht“, zitiert Cornel einen Kommentar aus dem Gästebuch. „Auf solche Effekte haben wir gehofft.“

Escape-Room und Stadtrallye werden 2020 weitergeführt

Allein 4758 Schüler aus 16 Brandenburger Landkreisen und kreisfreien Städten hätten am Bildungsprojekt „Dem Wort auf der Spur“ zwischen April und Dezember teilgenommen, pflichtet Organisator Mario Zetzsche bei. „Bereits im Juni waren wir vollkommen ausgebucht.“ Die Folge: Der Fontane-Escape-Room und die Stadtrallye sollen 2020 weitergeführt werden. Auch die Ergebnisse des Projekts „Word Play“, bei dem 100 Jugendliche aus zwölf Bundesländern 25 Spiele kreiert haben, zahlen sich aus. „Diese sollen künftig die digitale Literaturvermittlung mit Fontane im Museum Neuruppin etablieren“, erklärt Zetzsche.

Für Bürgermeister Jens-Peter Golde ist die Rechnung ebenfalls aufgegangen – vor allem durch die gemeinsame Anstrengung der Neuruppiner. Der Tempelgarten-Verein habe beispielsweise 13.000 Besuchern Pflanzen gezeigt, die in Leben und Werk Fontanes von Bedeutung waren. Die ursprünglich seit 2010 nur alle zwei Jahre stattfindenden Fontane-Festspiele seien so erfolgreich gelaufen, dass das Festival ab 2020 jährlich steigt. 7000 Gäste besuchten 83 Veranstaltungen und weitere 4000 neue Formate wie das Kinder- und Jugendliteraturfestival „querfeldein“ oder das Poesiefestival „Pop Petersilie“.

„Die Neuruppiner haben sich als ausgezeichnete Gastgeber erwiesen“ verweist Golde auf das Projekt „Hereinspaziert“, bei dem sich an drei Terminen private Höfe und Gärten in Neuruppin öffneten. „Über 2000 Gäste sind dieser Einladung gefolgt“, sagt Golde. Die Stadt habe Lust auf mehr geweckt. 10.562 Führungen vermerkte die Tourist-Information 2019, gut doppelt so viele wie im Vorjahr. „Zahlreiche Gäste aller Altersgruppen haben einen ganz neuen Eindruck von Fontane bekommen, sind neugierig geworden und haben angekündigt, unsere Stadt erneut zu besuchen“, spricht Golde von Nachhaltigkeit. Die spiele eine wichtige Rolle, immerhin habe die Stadt für die Bemühungen ums Fontanejahr rund zwei Millionen Euro aufgewandt.

Profitiert vom Dichter-Boom haben auch Regionen, die sonst kaum mit Fontane verbunden werden. Die Doppelausstellung im Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde sowie auf Schloss Finsterwalde über den Fontane-Illustrator Alexander Duncker zog 5600 Neugierige an. Bei der Schau zu Fontanes Apothekerberuf im Brandenburgischen Apothekenmuseum in Cottbus schauten 7000 Besucher vorbei. Was bleibt über das Fontane-Jahr hinaus, fragen sich Brandenburger Touristiker. Der Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB), Dieter Hütte, ist optimistisch: „In vielen Regionen wurden touristische Angebote auf die Beine gestellt, die eine langfristige Perspektive haben und zur weiteren Profilierung und zur touristischen Wertschöpfung gerade im ländlichen Raum beitragen können.“

Zum Abschluss ein Fest am 30. Dezember in Neuruppin

Jenseits von Veranstaltungen oder Ausstellungen hat die TMB selbst diverse Ausflugstipps auf Fontanes Spuren zusammengestellt. „Die Route Fontane.Rad führt auf 330 Kilometern durch das Ruppiner Seenland und das Havelland bis nach Potsdam und bietet die Möglichkeit, auf sieben verschiedenen Tagesetappen zu radeln“, erzählt Hütte. „Im Seenland-Oder-Spree gibt es mit dem Fontane-Radwanderweg einen Rundkurs durchs Oderbruch.“

Offiziell endet das Fontane-Jahr mit einer Festveranstaltung am 30. Dezember in Neuruppin.