Brandenburg

Ein Heimatmuseum für Kleinmachnow

Zum 100-jährigen Bestehen als selbstständige Kommune zeigt eine Initiative in der entwidmeten Auferstehungskirche eine Ausstellung.

Im Gemeindereaum der einstigen Kirche treffen sich Andreas Büttner (l.) und Hans Schimkönig, um die Ausstellung „100 Jahre Jahre Feiern“ vorzubereiten.

Im Gemeindereaum der einstigen Kirche treffen sich Andreas Büttner (l.) und Hans Schimkönig, um die Ausstellung „100 Jahre Jahre Feiern“ vorzubereiten.

Foto: Katrin Starke

Stühle stehen übereinandergestapelt am Fenster. Ansonsten ist der Saal mit den hohen Holzbalken leer. Nur die Nische mit der gewölbten Decke am hinteren schmalen Ende des Raumes, in dem sich früher einmal der Altar befand, erinnert noch daran, dass die evangelische Gemeinde hier einst ihre Gottesdienste feierte. Doch schon seit einigen Jahren ist die Auferstehungskirche am Jägerstieg entwidmet, hat die Kirchengemeinde ein neues Gemeindehaus am Zehlendorfer Damm bezogen.

Ausstellung „100 Jahre Feiern“ in Kleinmachnow

Im nächsten Jahr soll neues Leben in das ehemalige Gotteshaus einziehen: Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen Kleinmachnows als selbstständiger Kommune will die Museumsinitiative hier die Ausstellung „100 Jahre Feiern“ zeigen. Mehr noch: Die Jubiläumsschau soll den Auftakt für den Aufbau eines Heimatmuseums markieren. Wobei Hans Schimkönig, einer der beiden Köpfe der Initiative, die Bezeichnung Heimatmuseum gar nicht so gerne hört. „Weil es ein wenig verstaubt klingt“, sagt der Dokumentarfilmer.

Was dem 48-Jährigen vorschwebt, ist „ein Ort, um die Geschichte und Geschichten Kleinmachnows zu bewahren“. Darin ist er, der aus Niedersachsen Zugezogene, sich einig mit dem gebürtigen Kleinmachnower, Andreas Büttner (52), der zweiten treibenden Kraft der Initiative. Um das Museumsprojekt jetzt richtig anschieben zu können, haben die beiden Männer gemeinsam mit weiteren Mitstreitern erst kürzlich den Verein „Museumsinitiative Kleinmachnow“ gegründet.

Noch fast ein Jahr bis zum runden Geburtstag

Obwohl es bis zum runden Geburtstag Kleinmachnows noch fast ein Jahr dauert: „Um eine gute Ausstellung auf die Beine zu stellen, ist das nicht viel Zeit“, sagt Schimkönig. Deswegen hat der Verein auf Flyern und Plakaten an die Bevölkerung appelliert, in Fotoalben und auf Dachböden zu stöbern, ob sich da nicht das eine oder andere Exponat finden lässt.

„Wir suchen Objekte, Filme, Bilder, aber auch Erzählungen von offiziellen oder privaten, von außergewöhnlichen und ganz alltäglichen Feiern für unsere Ausstellung“, sagt Büttner. Denn letztlich seien es Feste, die den Alltag und das Leben in der Gemeinschaft strukturierten. „Das können Fotos von der Jugendweihe oder der Konfirmation sein, förmlich oder feucht-fröhlich. Bilder, die auf der Straße oder an Denkmälern, in der Kneipe oder im Wohnzimmer entstanden sind.“

Silvester-Schnappschüsse aus dem Familienalbum seien ebenso gefragt wie die über Jahrzehnte aufbewahrte Schallplatte vom Tanzabend im Jugendclub. „Und natürlich die Erinnerung der Kleinmachnower an die Grenzöffnung 1989“, ergänzt Schimkönig. Dass die Bürger jede Menge zu erzählen haben, davon ist er überzeugt. Denn diese Erfahrung hat der Dokumentarfilmer bereits bei seinem Projekt „Kleinmachnower Zeitzeugen“ gemacht.

Hans Schimkönig produzierte 16 Kurzfilme

16 Kurzfilme hat Schimkönig mittlerweile produziert. Er hat Interviews geführt mit Antonie Josch, die mit 21 Jahren das Kriegsende in Kleinmachnow erlebte, mit Klaus Nitzsche, der 1990 als erster frei gewählter Bürgermeister verhinderte, dass der Bannwald verkauft wurde. Oder mit Brigitte Müller, die im Garten ihres Siedlungshauses Bau und Fall der Mauer verfolgte. Die Filme des Zeitzeugen-Projekts, das noch fortgeführt wird, sollen später auch im Museum gezeigt werden.

„Im Moment geht es erst einmal darum, einen Bestand aufzubauen“, sagt Schimkönig, „ein digitales Depot ebenso wie physische Exponate.“ Darauf könne bei der Konzeption weiterer Ausstellungen zurückgegriffen werden.

Weniger eine fest installierte Dauerausstellung als wechselnde Schauen zu unterschiedlichen Themen schweben dem Medienmann vor. Doch er und die gut zwei Dutzend Aktiven aus dem Verein verstehen sich nicht in erster Linie als Museumsmacher, sondern als Förderer, die das Ganze anschieben, koordinieren, Spenden sammeln. Ein tragfähiges Konzept für das Haus zu erstellen, darum soll sich ein kürzlich von der Gemeindeverwaltung angeheuertes Kuratorenteam kümmern. Allerdings unter Mitwirkung der Bevölkerung.

Offene Sprechstunde zum Museumsprojekt eingerichtet

Deshalb haben Büttner, Schimkönig und Co. eine Museumswerkstatt eingerichtet: Jeden Freitag zwischen 15 und 19 Uhr sind Bürger zu einer offenen Sprechstunde zum Museumsprojekt in die Auferstehungskirche eingeladen. „Da können sie ihre Bilder und Objekte mitbringen, an Ausstellungsthemen mitarbeiten oder darüber reden, wie sie sich ein Heimatmuseum vorstellen“, sagt Schimkönig. Eine ganz konkrete Idee hat der Dokumentarfilmer schon: Er möchte mit Schulen zusammenarbeiten, hat erste Kontakte zu den Bildungseinrichtungen vor Ort geknüpft. „Mir schwebt vor, Schülern Materialkoffer zu bestimmten Themen – wie dem Leben in Kleinmachnow im Schatten der Mauer – zur Verfügung zu stellen“, sagt der Wahl-Kleinmachnower. Schülern könne so Geschichte vor Ort spannend vermittelt werden.

Auch wenn vieles noch Zukunftsmusik ist und sich die Museumsenthusiasten die Nutzung der Auferstehungskirche mit zwei weiteren Vereinen teilen: „Wir sind froh, dass uns dieser Ort zur Verfügung steht“, sagt Büttner. Auch wenn das einstige Gotteshaus perspektivisch saniert werden müsse und das definitiv nicht mehr vor der Jubiläumsausstellung „100 Jahre Feiern“ der Fall sein könne. Der Unmut der Museumsaktivisten darüber, dass sie ein früheres Domizil aufgeben mussten, hat sich gelegt. Denn bereits 2015 gab es erste Überlegungen, ein Museum aus der Taufe zu heben.

Die Museumsinitiative kam seinerzeit im denkmalgeschützten ehemaligen Verkaufsbüro des Bauunternehmers Adolf Sommerfeld aus den 30er-Jahren unter, organisierte dort erste Ausstellungen. Doch dann entschied die Gemeindevertretung im Dezember 2017, das Haus auf 99 Jahre zur Erbpacht auszuschreiben, die Initiative musste ausziehen. Das dürfte ihr bei den Räumen in der Auferstehungskirche nicht wieder passieren: Die Gemeindeverwaltung hat das Gebäude von der Kirche gekauft, weil es ausreichend Platz für eine vielseitige Nutzung bietet. „Und mit dem Glasziegelfenster von Herbert Sander gibt es bereits ein erstes museales Exponat“, sagt Büttner erfreut.

Infos unter museum-in-km.de