Studie

Schuldneratlas 2019: Hier leben die meisten Verschuldeten

Die wirtschaftliche Situation der Brandenburger und Berliner hat sich laut einer neuen Studie leicht verbessert.

In Brandenburg ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher gesunken.

In Brandenburg ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher gesunken.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

Potsdam/Berlin. Die Zahl der überschuldeten Menschen in Brandenburg ist gesunken. Aktuell können etwa 210.000 Verbraucher nicht ihre Rechnungen bezahlen – rund 2000 weniger als noch im Vorjahr. Die Überschuldungsquote lag zum Stichtag am 1. Oktober bei 9,83 Prozent und ist somit im Vergleich zum Vorjahr (9,94 Prozent) leicht gesunken, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem am Donnerstag veröffentlichten „Schuldneratlas 2019“ mitteilte. 2017 lag die Überschuldungsquote noch bei 10,02 Prozent.

Damit blieb Brandenburg auch in diesem Jahr unter dem Bundesdurchschnitt von 10,00 Prozent und belegt insgesamt Platz fünf im deutschlandweiten Ranking. Besser schnitten unter den Bundesländern nur noch Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern ab. Am höchsten ist die Überschuldungsquote in Bremen mit 14,02 Prozent. Bundesweit war die Überschuldungsquote erstmals seit 2013 gesunken.

Besonders viele überschuldete Haushalte in Berlin

Auch Berlin gehört weiterhin zu den Bundesländern mit besonders vielen überschuldeten Verbrauchern. Rund 370.000 Berliner haben derzeit deutlich größere Gesamtausgaben samt Schulden als Einnahmen. Das sind etwa 27.000 Personen weniger als ein Jahr zuvor. Die Überschuldungsquote liegt bei 12,31 Prozent.

Die Wirtschaftsauskunftei erfasst nicht nur Privatinsolvenzen, sondern alle Fälle, in denen die zu leistenden Gesamtausgaben höher sind als die Einnahmen. Erkannt wird dies zum Beispiel durch mindestens zwei vergebliche Mahnungen von Gläubigern. Deutschlandweit ist die Zahl überschuldeter Personen in diesem Jahr erstmals seit fünf Jahren wieder gesunken – allerdings nur geringfügig. Aktuell seien rund 6,92 Millionen Verbraucher nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen, so Creditreform. Das seien knapp 10.000 weniger als im Vorjahr. Dennoch waren weiterhin bei jedem zehnten Erwachsenen die Gesamtausgaben dauerhaft höher als die Einnahmen.

Den Hauptgrund für den leichten Rückgang der Überschuldungszahlen sehen die Experten in der guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren. Es sei jedoch zu befürchten, dass der positive Trend nur von kurzer Dauer sein werde, da sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen in Deutschland zuletzt wieder deutlich eingetrübt hätten.

Altersüberschuldung steigt

Gegen den Trend hat auch 2019 die Altersüberschuldung deutlich zugenommen. Die Zahl der Personen ab 70 Jahren, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten, stieg innerhalb von nur zwölf Monaten um 44,9 Prozent auf rund 380.000. Bei den 60 bis 69 Jahre alten Verbrauchern erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Personen um 15,3 Prozent auf 640.000.

Noch dramatischer ist die Entwicklung bei einem Vergleich mit dem Jahr 2013. Seitdem habe sich die Zahl der überschuldeten Senioren sogar um 243 Prozent erhöht. Und auch bei den 60 bis 69 Jahre alten Verbrauchern kämen immer mehr nicht mehr mit ihrem Geld zurecht.

Die Gründe für die wachsende Altersarmut sind nach Einschätzung der Experten vielfältig. Einerseits machten sich hier die Rentenreformen der vergangnen Jahrzehnte bemerkbar, die fast durchweg auf eine Kürzung des Sicherungsniveaus der gesetzlichen Rente abgezielt hätten, heißt es im Schuldneratlas. Außerdem wirkten sich die wachsende Zahl unsteter Erwerbsbiografien und das Anwachsen des Niedriglohnsektors aus. Auch der zum Teil dramatische Anstieg der Mieten spiele eine Rolle.

Überschuldung: Betroffene nehmen oft Sozialleistungen nicht an

Die dramatische Entwicklung bei den Senioren steht in einem auffälligen Gegensatz zur Entwicklung in den übrigen Altersgruppen. Denn erstmals seit 2013 ist in diesem Jahr die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland wieder leicht gesunken – um rund 10.000 auf rund 6,92 Millionen Betroffene. Doch konzentriert sich der Rückgang auf die unter 50-Jährigen. Bei den Älteren gebe es dagegen einen stabilen „Doppeltrend zu Altersarmut und Altersüberschuldung“, heißt es im Schuldneratlas. Altersarmut sei besonders schwerwiegend, betonten die Experten von Creditreform.

Während jüngere Menschen Armut häufig als vorübergehende Lebensphase begriffen und zudem über eine Perspektive verfügten, sich aus ihrer schwierigen Situation herauszuarbeiten, sei das bei älteren Menschen in der Regel nicht mehr der Fall. Mit dem Eintritt in den Ruhestand sinke die Chance älterer Menschen, ihre ökonomische Lage zu verbessern, drastisch. Verschärft werde das Problem dadurch, dass die Betroffenen oft ihnen zustehende Sozialleistungen nicht in Anspruch nähmen.