Architektur

Potsdams neue Panther bei Sanssouci enthüllt

Am Orangerieschloss von Sanssouci wurden Nachgüsse zweier Panther-Plastiken enthüllt - ermöglicht durch die Spende einer Berlinerin.

Auf dem Sprung: Stifterin Gisela Dreßler-Loest und Heinz Berg, Direktor der Generalverwaltung der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, bei der Enthüllung von einer der beiden Panther-Figuren.

Auf dem Sprung: Stifterin Gisela Dreßler-Loest und Heinz Berg, Direktor der Generalverwaltung der Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, bei der Enthüllung von einer der beiden Panther-Figuren.

Foto: Monika Skolimowska / ZB

Potsdam. Ungeduldig habe sie diesen Tag erwartet, gesteht Gisela Dreßler-Loest ein, kurz bevor sich die beiden Laken heben und jeweils einen springenden Panther auf der mittleren Treppenbalustrade unterhalb des Orangerieschlosses von Sanssouci enthüllen.

Ihre private Spende an die Stiftung Pro Sanssouci hat den Nachguss der beiden Figuren erst ermöglicht. Es sind nicht die ersten Skulpturen, die dank der großzügigen Hilfe der Berlinerin im historischen Figurenprogramm des zwischen 1851 und 1861 errichteten Orangerieschlosses ergänzt werden konnten.

Schon 2017 ermöglichte ihr finanzielles Engagement, dass die Büste des „Jupiter von Otricoli“ im westlichen Hain am Schloss aufgestellt werden konnte.

Potsdamer Panther: Mythische Begleittiere des Bacchus

Mit 40.000 Euro jährlich unterstützt Gisela Dreßler-Loest Projekte von Pro Sanssouci. „Aus Verbeugung vor den Künstlern, aber auch aus Liebe zu meinem verstorbenen Mann, dem aus Potsdam stammenden Arzt Hans-Dieter Loest“, spricht sie von einem „Lebensbedürfnis, das ihr helfe, vieles zu ertragen“.

Der Bildhauer August Kiss (1802-1865) hatte die Panther aus Zinkguss einst entworfen. „Vermutlich um 1850 gab König Friedrich Wilhelm IV., der Bauherr des Orangerieschlosses, die Tiere in Auftrag“, berichtet die Kustodin der Skulpturensammlung, Silke Kiesant, vom „weiten Weg“, den die mythischen Begleittiere des Bacchus seither hinter sich gebracht hätten.

Von ihrem ersten Standort am Winzerberg in Höhe der eingemauerten Bacchusmaske seien die Panther nach 1861 auf die Orangerieterrassen gelangt. „Ganz passend“ findet das Kiesant. Der lebensfrohe Mythos von Bacchus spiegle sich nämlich vielfach in den Außenanlagen des italienisch geprägten Orangerieschlosses wider.

Stark beschädigte Panther verschwanden nach dem Krieg im Depot

Mit der schmucken Optik war es in den Nachkriegsjahren allerdings vorbei. „Gesichert ist nur, dass die zwei sich gegenüberstehenden Panther bis 1946 auf ihrem Platz ausharrten“, verweist Kiesant auf ein historisches Foto.

Irgendwann in den 50er- oder 60er-Jahren verschwanden die beiden offenbar stark beschädigten Figuren im Depot. „Bis sich im Frühjahr 2018 unsere Kunsthistoriker auf die Suche nach den Tieren machten“, berichtet Martin Engel, Metallrestaurator der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Der Fund entpuppte sich jedoch mehr als Fragment denn als erhaltene Skulpturen.

„Gesichert waren immerhin der hintere Teil eines Panthers, das von der Mitte des Körpers bis zum Schwanzansatz und den beiden Hinterläufen reicht. Auch der dazu passende Oberkörper mit dem linken Vorderlauf und einem rechten Vorderlauf in Einzelteilen“, erklärt Engel. Einzelteile des S-förmig geschwungenen Schwanzes waren ebenfalls vorhanden. „Doch ausgerechnet die Köpfe fehlten.“

So baute der Bildhauer die verschwundenen Panther-Köpfe

Glück und ein gut bestücktes Archiv halfen den Rechercheuren weiter. Dort stießen die Historiker auf einen Verkaufskatalog der Potsdamer „Zinkgußwaaren=Firma für Kunst und Architektur“ von Friedrich Kahle (1809-1888). „In dessen Fabrik in der Kaiserstraße waren Originale gegossen worden“, sagt Engel.

Der springende Panther sei zu damaliger Zeit eine beliebte Bauplastik gewesen. Für Bildhauer Robert Kannis bot der Katalog genug Informationen, um die Häupter der beiden Panther in der Skulpturenwerkstatt der Schlösserstiftung zu modellieren.

„Zwar war die Neugestaltung wegen der wenigen Originalzeichnungen schwierig, doch hat mir das auch Spielraum gegeben, kreativ zu werden, nicht nur kopieren zu müssen“, erzählt der 34-Jährige von seiner mehr als dreimonatigen Arbeit mit Modelliereisen, Schnitz- und Schleifwerkzeugen.

„Die Figuren wurden erst in Gips, dann in Wachs, schließlich in der Kunstgießerei in Weißensee in Aluminium gegossen. Die Feinheiten wie Haare und Fellbereiche nachzuarbeiten, war die eigentliche Herausforderung “, sagt Kannis.

Pro Stiftung hat bisher 150.000 Euro eingesammelt

Die Erfahrung, die er als Bildhauer und Steinrestaurator in der Skulpturenwerkstatt der Schlösserstiftung seit 2015 gesammelt hat, habe ihm geholfen. Immerhin betreuen er und seine Kollegen rund 6000 Skulpturen in den Parks und Gärten.

Mit 55.000 Euro beziffert Kannis allein die Kosten fürs Gussmaterial. Die private Spende habe mit Blick auf die vielen Arbeitsstunden nur einen Teil der Gesamtkosten decken können.

„Aber jede Spende bringt einen Stein ins Rollen, ein Projekt in Gang“, freut sich Kannis über jede Zuwendung fürs preußische Kulturgut. 150.000 Euro seien mittlerweile über die von der Schlösserstiftung im März 2008 gegründete Stiftung Pro Sanssouci für Projekte ausgereicht worden, ergänzt Heinz Berg, Vorstandschef von Pro Sanssouci.

„Unsere Stiftung, die als Plattform für Nachlass, Zustiftungen oder Schenkungen bereitsteht, macht nicht die große Förderpolitik aus, sondern die Ergänzungen und kleinen Details“, betont Berg.