Traktoren-Sternfahrt

Bauern blockierten Straße - Rangelei mit der Polizei

Die Bauern protestierten mit Landmaschinen gegen das Agrarpaket der Bundesregierung – erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen.

Traktoren-Sternfahrt in Berlin

Landwirte demonstrieren in Berlin gegen die Agrarpolitik des Bundes.

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Berlin. Den Aufstand der Brandenburger Landwirte bekamen die Berliner Autofahrer bis zum Dienstagnachmittag deutlich zu spüren. Bis etwa 15.45 Uhr blockierten die Bauern aus dem benachbarten Bundesland den Großen Stern im Tiergarten mit ihren Traktoren und Landmaschinen. Dann machten sich die Bauern Richtung Süden auf, um Berlin wieder zu verlassen.

Begonnen hatte die Traktorensternfahrt für die meisten Teilnehmer schon gegen fünf Uhr früh. Aus allen Teilen Brandenburgs hatten sich mehr als 1000 Landwirte auf den Weg gemacht. Aufgerufen zu den bundesweiten Protesten hatte die Bewegung „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“.

Landwirte: Sozialer Friede im ländlichen Raum ist gefährdet

Ihre Proteste richteten sich gegen strengere Düngeregeln und das Agrarpaket der Bundesregierung mit dem Aktionsprogramm für den besseren Schutz von Insekten, mit dem staatlichen Tierwohl-Label und der stärkeren Umschichtung von EU-Geldern, die Umweltmaßnahmen für Bauern attraktiver machen soll. Die Landwirte haben sich organisiert, weil sie von der derzeitigen Umwelt- und Landwirtschaftspolitik die Wirtschaftskraft und den sozialen Frieden im ländlichen Raum in Deutschland gefährdet sehen.

Auf fünf Routen waren die Bauern aus Prenzlau, Seelow, Lauchhammer, Bückwitz und Wittstock/Dosse über die Bundesstraßen B1, B2, B5 und B96 nach Berlin gekommen. Nach Angaben einer Sprecherin waren zwischen 600 und 800 Fahrzeuge unterwegs. In Brandenburg sorgten etwa 600 Polizistinnen und Polizisten für die Verkehrssicherheit, in Berlin waren nach Angaben der Polizei etwa 100 Beamte im Einsatz.

Angemeldet war die Veranstaltung von 9 bis 14 Uhr. Aber um 9 Uhr hatte noch keine der Landmaschinen die Berliner Stadtgrenze erreicht. Die Aktion sei ruhig gestartet und wachse jetzt langsam an, sagte ein Sprecher der Leitstelle der Berliner Polizei am Morgen. Gegen 9.30 Uhr wurden die ersten Teilnehmer am Endpunkt, der Siegessäule, erwartet. Der erste Konvoi erreichte schließlich gegen 11.20 Uhr den Großen Stern.

Landwirte geraten mit der Polizei aneinander

Etwa 150 Traktoren standen entlang der Altonaer Straße. Diese war vom Hansaplatz an in beide Richtungen gesperrt. Die Traktoren waren zuvor hupend durch die Innenstadt gefahren. Erste Probleme gab es am Vormittag auf der B1/B5 bei Hoppegarten in Richtung Berlin: Dort kam es zu einer Vollsperrung, wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) meldete. Die Sperrung wurde wenig später wieder aufgehoben. Aus nordöstlicher Richtung hatte ein Konvoi bei Schwanebeck (Barnim) auf der B2 die Berliner Landesgrenze passiert. Und auch im Süden der Hauptstadt hatte ein Konvoi gegen 11.30 Uhr die Stadtgrenze passiert.

Als gegen Mittag alle Teilnehmer um die Siegessäule versammelt waren, gerieten einige Landwirte mit der Polizei aneinander. Ursprünglich sei geplant gewesen, an den Großen Stern zu fahren, zu wenden und dann die Stadt wieder zu verlassen, hieß es. Dem widersetzten sich aber einige der Landwirte und blockierten die Straße des 17. Juni in westlicher Richtung.

Die Polizei versuchte, die Blockade aufzulösen, was nach Beobachtungen eines Morgenpost-Reporters zu Rangeleien zwischen Bauern und Beamten führte. Gegen 12.30 Uhr wurde der Große Stern von der Polizei gesperrt. „Diesen Vorfall werden wir rechtlich prüfen lassen“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Dabei muss die Frage geklärt werden, ob ein Auflagenverstoß vorliegt.“ Ansonsten sei die gesamte Veranstaltung ruhig verlaufen.

Landwirte demonstrieren gegen das Agrarpaket

„Wir demonstrieren heute gegen das Agrarpaket, das die Bundesregierung gemeinsam mit der EU beschließen will“, sagte Ulf Oestreicher. „Es sind immer nur die deutschen Bauer betroffen. Ich glaube nicht, dass ein Bauer aus Portugal überhaupt mitbekommt, was die Politik hier für ein Theater macht.“ Der Landwirt aus der Prignitz will, dass endlich mit den Bauern gesprochen wird und nicht alle Entscheidungen nur am grünen Tisch getroffen werden.

„Wir Landwirte wollen nicht mehr der Buhmann der Nation sein.“ Enrico Voigt sagte: „Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung ist so hart, dass es an unsere Grenzen geht.“ Johanna Mandelkow vom Aktionsbündnis ergänzte: „Ob die Sternfahrten ein Erfolg waren, wird sich erst noch zeigen. Wir werden sehen, ob sich die Politik mit uns an einen Tisch setzt.“

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Traktoren-Sternfahrt nach Berlin - Das waren die Routen:

Route 1

  • Prenzlau – B198 – Angermünde – Abzweig Rosinthal – L200 – Eberswalde – L200 – Bernau – B2 – Berlin.
  • In Berlin dann: Dorfstr. – B2 Malchower Chaussee – B 2 Berliner Allee – Ostseestr. – Wisbyer Str. – Bornholmer Str. – Osloer Str. – Seestr. – Beusselstr. – Turmstr. – Gotzkowskystr. – Levetzowstr. – Altonaer Str. - Großer Stern

Route 2

  • Seelow – B1 – Müncheberg – Rüdersdorf – Berlin
  • In Berlin: Alt- Mahlsdorf – Alt Kaulsdorf – Alt Biesdorf – Alt-Friedrichsfelde – Frankfurter Allee – Frankfurter Tor – Karl- Marx-Allee – Otto Braun-Str. – Mollstr. – Torstr. – Hannoversche Str. – Hessische Str. – Invaliedenstr. – Alt Moabit – Stromstr. – Lessingstr. – Altonaer Str. – Großer Stern

Route 3

  • Lauchhammer – B169 – Elsterwerda – B101 – Bad Liebenwerda – Herzberg – Jüterbog – B115 – Baruth/Mark – B96 – Zossen – Berlin
  • In Berlin: Kirchhainer Damm – Lichtenrader Damm – Mariendorfer Damm – Tempelhofer Damm – Platz der Luftbrücke – Mehringdamm – Wilhelmstr. – Hallesches Ufer – Potsdamer Brücke – Reichspietschufer – Von- der- Heydt-Straße – Klingelhöferstr. – Hofjägerallee – Großer Stern

Route 4

  • Bückwitz – B5 – Friesack – Nauen – Berlin
  • In Berlin: Hamburger Chaussee – Heerstr. – Theodor- Heuss- Platz – Kaiserdamm – Bismarckstr. – Ernst- Reuter- Platz – Str. d. 17. Juni - Großer Stern

Route 5

  • Wittstock/Dosse – L14 – Kyritz – B5 – Bückwitz – Weiter wie Route 4