Kino

Filmfestival Cottbus startet mit Jimi Hendrix

Das Filmfestival Cottbus startet dieses Jahr mit einer Komödie. Darin geht es um die illegale Einreise von Jimi Hendrix in die Türkei.

Das 29. Filmfestival Cottbus wird am 5. November im Staatstheater Cottbus eröffnet.

Das 29. Filmfestival Cottbus wird am 5. November im Staatstheater Cottbus eröffnet.

Foto: Foto: Patrick Pleul / ZB

Cottbus. Nicht von ungefähr soll mit der grenzüberschreitenden Komödie „Smuggling Hendrix“ von Regisseur Marios Piperides das Filmfestival Cottbus am 5. November im Staatstheater Cottbus eröffnet werden. „Dieses Spielfilmdebüt steht spiegelbildlich für den 30. Jahrestag des Mauerfalls“, erklärt Programmdirektor Bernd Buder. „Während wir uns seit drei Jahrzehnten über den Fall des Eisernen Vorhangs freuen können, ist die Insel im östlichen Mittelmeer seit 1974 durch eine schwer bewachte Grenze geteilt.“

In „Smuggling Hendrix“ will der erfolglose Musiker und griechische Zypriot Yiannis, gespielt vom „Soul Kitchen“-Star Adam Bousdoukos, Nikosia und Zypern hinter sich lassen und ein neues Leben in Westeuropa beginnen. Doch sein nach dem Gitarrengott Jimi Hendrix benannter Hund büxt ihm aus – und das ausgerechnet in den türkischen Teil der Insel. Fatal: Ein EU-Gesetz verbietet es strikt, dass Tiere von der türkischen auf die griechische Seite einreisen dürfen.

Es werden auch Arbeiten aus Finnland, der Türkei und Griechenland gezeigt

Seit seinem Start 1991 nimmt das Filmfestival vor allem mit seinen Sonderreihen gesellschaftliche und politische Umbrüche, Entwicklungen und Trends in den Blick. Der von Griechenland, Zypern und Deutschland koproduzierte Film steht für eine Neuerung des Filmfestivals: „Von diesem Jahr an werden auch Arbeiten aus Finnland, der Türkei und Griechenland gezeigt“, kündigt Buder an. „Die drei kreativen Filmlandschaften stehen in enger historischer, ökonomischer und kultureller Verbindung zum klassischen Osteuropa.“

Diese „Erweiterung des Territoriums“ hätten zuvor vermehrt Zuschauer angeregt, die sich mit der ursprünglichen Definition des Festivals, nur Cineastisches aus „früheren sozialistischen Ländern“ zu zeigen, nicht mehr hätten identifizieren können.

An sechs Festivaltagen gibt es 210 Filme zu sehen

Bei der mittlerweile 29. Auflage sind in 14 Sektionen an sechs Festivaltagen (5. bis 10. November) 210 Filme zu sehen, konkurrieren Beiträge vom Experimentalfilm bis zum Blockbuster aus 45 Ländern um die Preisskulptur „Lubina“ – sorbisch für „die Liebreizende“. Nicht nur in Cottbus kommen Filmliebhaber dabei auf ihre Kosten. An vier weiteren externen Spielstätten – darunter das Filmtheater im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin – sind Beiträge zu sehen.

Mit sieben Welt-, einer Europa- und 61 Deutschlandpremieren festige das Filmfestival seinen internationalen Ruf, betont auch Festival-Geschäftsführer Andreas Stein. Was Programmdirektor Buder besonders freut: „2019 prägen die Arbeiten vieler junger Regisseure den Wettbewerb. Die gehen ihre Themen ohne Umwege an.“

18 Preise sind mit insgesamt knapp 80.000 Euro dotiert

Vergeben werden 18 Preise, die mit insgesamt knapp 80.000 Euro dotiert sind. Das Event, das jährlich mehr als 20.000 Besucher anzieht, wird mit 245.000 Euro über die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH von Landesseite unterstützt. „Mit seiner lokalen Verankerung leistet das Filmfestival gerade in Zeiten des Umbruchs einen wichtigen Beitrag“, verweist Medienstaatssekretär Thomas Kralinski auf den Strukturwandel in der Lausitz.

Erlebbar beispielsweise in der Sektion „Heimat“. Das Lausitzer Braunkohlerevier und seine Menschen, die dort mit dem beständigen Wandel leben und versuchen, im Neuen das Alte zu bewahren, schlüpfen dabei in die Hauptrollen. „Exemplarisch steht hierfür Helmut Kurjo“, erklärt Programmmacher Buder. „In den Dörfern zwischen Schwarze Pumpe und Hoyerswerda hat er als Einziger seine sorbische Muttersprache bewahrt.“ Die drei Filme aus vier Jahrzehnten des ihm gewidmeten Programms dokumentierten zugleich das Verschwinden einer ganzen Kultur.

Ein Wiedersehen mit dem singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann

Ein Wiedersehen auf der Leinwand gibt es mit dem 1998 verstorbenen singenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann. Mit seinem Spielfilm-Portrait über Gundermann hatte Regisseur Andreas Dresen beim diesjährigen Filmpreis allein sechs Lolas gewonnen. Filmemacherin Grit Lemke nähert sich nun in einer aktuellen Dokumentation dem DDR-Liedermacher an. In ihrem Festivalbeitrag „Gundermann Revier – Coal Country Song. Gundermann“ erinnert sie an ein Stück Zeitgeschichte, an den DDR-Alltag, den Mauerfall und die Zeit danach im Lausitzer Braunkohlerevier.

Das derzeitige „Spekulieren und Diskutieren über Ostdeutschland und seine Menschen“, die Frage nach Identität, die Erfolge rechtspopulistischer Parteien und allgemeinen Protestverhaltens habe auch Eingang ins Festivalprogramm gefunden, sagt Buder. In der Sektion „Bleibt alles anders“ wird dem Filmschaffen der 1990er-Jahre in Ostdeutschland, der Slowakei und Tschechien nachgespürt. „Sieben Filme, alle zwischen 1990 und 2019 produziert, reflektieren aus unterschiedlichen Perspektiven soziale, kulturelle und persönliche Entwicklungen“, erklärt Buder.

Erstmals gibt es das neue Gesprächsformat „Slow Talk“

Erstmals werden zum Auftakt der Sektion am 6. November im neuen Gesprächsformat „Slow Talk“ zwei Generationen ostdeutscher Dokumentaristen über Mentalitäten und Lebensläufe diskutieren: der 1989 geborene und in der sächsischen Schweiz aufgewachsene Florian Kunert und der gebürtige Eislebener Andreas Voigt, Jahrgang 1953. Nach Georgien und der Ukraine setzt das Filmfestival mit Beiträgen verstärkt aus Ungarn und Montenegro in diesem Jahr außerdem zwei neue Länderschwerpunkte.

Infos zu Programm und Tickets: www.filmfestivalcottbus.de