Projekt

Millionenförderung für Sanierung der Beelitzer Heilstätten

Beate und Hans-Georg Hoffmann wollen den Chirurgietrakt der ehemaligen Beelitzer Lungenheilstätten sichern.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (r.) lässt sich von den Baumkronenpfad-Betreibern Hans-Georg und Beate Hoffmann die Pläne für die Sanierung der Chirurgie erläutern. 

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (r.) lässt sich von den Baumkronenpfad-Betreibern Hans-Georg und Beate Hoffmann die Pläne für die Sanierung der Chirurgie erläutern. 

Foto: Starke Katrin

Beelitz-Heilstätten.  Von der Decke ist der Putz gefallen, von Türen und Fensterrahmen ist die Farbe abgeplatzt. Das Glas ist längst herausgebrochen. Nur die grünen Wandfliesen sind erstaunlich gut erhalten. Darüber freut sich Beate Hoffmann. Denn die sollen auch nach der Sanierung noch die Wände zieren – wenn Beate Hoffmann und die Verwaltung der HPG Projektentwicklungsgesellschaft hier ihre Büros bezogen haben.

Das wird allerdings noch etwas dauern. Erst einmal muss die äußere Hülle des Gebäudes gesichert werden – des Chirurgietraktes im Quadranten A der ehemaligen Beelitzer Lungenheilstätten. Damit können Beate Hoffmann und ihr Mann Hans-Georg, die Betreiber des Baumkronenpfades in Beelitz-Heilstätten, nun beginnen. In dieser Woche brachte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach den Fördermittelbescheid über 1,3 Millionen Euro vorbei. Mit dieser Summe unterstützt das Land die Sicherung und Sanierung des 160 Meter langen Gebäudes sowie den weiteren Ausbau des Geländes. 4,5 Millionen Euro wollen die Hoffmanns – zunächst – in die Hand nehmen, um das Gelände für Touristen noch attraktiver zu machen.

Einer der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland

Die Beelitzer Heilstätten sind das größte Flächendenkmal Brandenburgs. Von der Landesversicherungsanstalt Berlin vor mehr als 100 Jahren als Arbeiter-Lungenheilstätten errichtet, waren sie einer der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland. Und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1994 das größte Militärhospital der sowjetischen Armee im Ausland.

2013 kaufte die HPG den 70 Hektar großen Quadranten A, „um die besondere Atmosphäre dieses Ortes durch eine touristische Nutzung zu erhalten und erfahrbar zu machen“. Zwei Jahre später eröffneten die Hoffmanns auf dem Areal den 320 Meter langen Baumkronenpfad samt Aussichtsturm. In mehr als 20 Metern Höhe spazieren seither Besucher über einen zwei Meter breiten Steg und blicken auf die verwilderte Parklandschaft sowie verwunschen wirkende Gebäude – an denen der Zahn der Zeit heftig genagt hat. „Auch Vandalismus war ein riesiges Problem“, sagt Beate Hoffmann.

Längster Blumenbalkon Europas

Als die Hoffmanns das Gelände übernahmen, sicherten sie die einstige Chirurgie erst einmal mit einem stählernen Zaun. Jetzt soll die Außenhülle des ehemals modernsten Bauwerks der Heilstätten, in dem ab 1930 Tuberkulosepatienten in drei Operationssälen behandelt wurden, saniert werden. Allein für ein neues Dach rechnet Hans-Georg Hoffmann mit Kosten von mehr als einer Million Euro, außerdem soll die Fassade erneuert, müssen überall neue Fenster eingesetzt werden. „Und wir wollen den längsten Blumenbalkon Europas wieder bepflanzen“, sagt der HPG-Geschäftsführer. Denn als solcher galt der Balkon des 160 Meter langen und damit größten Gebäudes der Heilstätten einst.

Darüber hinaus soll noch jede Menge mehr Grün Einzug auf dem Gelände halten. Auf der Nordseite der Chirurgie wollen die Hoffmanns einen Heidegarten anlegen, dazu sprudelnde Wasserkaskaden. Zwischen den beiden Liegehallen, in denen früher lungenkranke Frauen bis zu sechs Stunden täglich frische Luft tankten, soll ein Heckengarten im barocken Stil entstehen.

Grüne Insel

Das von den Hoffmanns beauftragte Planungsbüro hat mittlerweile erste Skizzen für den Gartenbereich vorgelegt – wobei sich die Planer am früheren Erscheinungsbild orientieren. „Das ist hier eine richtige Gartenanlage gewesen, die wir nun reaktivieren“, erklärt Hans-Georg Hoffmann. Sein Ziel: den gesamten Quadranten A als „Freuzeitpark“ zu etablieren, ihn als „Wandelwelt“ zu einer grünen Insel zu machen. Bislang umfasse das eingezäunte Areal des Baumkronenpfads lediglich 7,5 des 70 Hektar großen Geländes. „60 Hektar davon werden wir entwickeln“, sagt Hoffmann.

Mit dem Baumkronenpfad sei man vor vier Jahren gestartet, aber das sei nur eine Möglichkeit, den Park zu erleben. So denken die Hoffmanns schon weiter. In den „Beelitzer Alpen“ – als Erhebung auf dem Areal vor 100 Jahren angelegt, weil die Lungenkranken zur Genesung Höhenmeter zurücklegen sollten – will das Unternehmerpaar einen Tierpark einrichten. Konkret schwebt Beate Hoffmann ein Affenpark vor.

„Im Laufe des nächsten Jahres werden wir weitere zehn Millionen Euro anfassen müssen“, sagt ihr Mann. Den nächsten Förderantrag werde man schon bald stellen, fügt er mit Blick auf Brandenburgs Wirtschaftsminister hinzu. Der zeigt sich beeindruckt von der Tatkraft der Hoffmanns. So mancher Investor habe sich an der Sanierung alter Substanz schon die Zähne ausgebissen. Doch Hans-Georg Hoffmann ist vor den vor ihm liegenden Aufgaben nicht bange. Er habe als Projektleiter die Sanierung von Gebäuden gestemmt, die „in deutlich schlechterem Zustand waren“ als die Heilstätten-Bauten. Teuer sei üblicherweise der Innenausbau und da werde man sich „sehr reduzieren, sonst verlieren die Bauwerke ihren Charakter“.

„Locker die 300.000er-Marke reißen“

Anders als ursprünglich geplant, soll daher auch nur ein Kopfbau der Chirurgie genutzt werden. „Die Besucher wollen keine perfekt sanierten Häuser sehen. Hier eine Küche einzubauen – das würde die Struktur zerstören“, sagt Hoffmann. Weshalb der 61-Jährige zur Erweiterung der Gastronomie lieber drei neue Gebäude errichtet. Die sind notwendig geworden, weil die Besucherzahlen kontinuierlich steigen.

Kamen im ersten Jahr 160.000 Gäste, werde man in diesem Jahr inklusive des benachbarten Barfußpfads locker die 300.000er-Marke reißen, sagt Marketing-Chef Holger Klementz. Allein am vergangenen, mild-warmen Wochenende kamen 8000 Besucher. Zahlen, die man im Beelitzer Rathaus mit Freude zur Kenntnis nimmt, wie der stellvertretende Bürgermeister Torsten Zado unterstreicht.

Das ganze Gelände solle der Erbauung dienen, betont Hans-Georg Hoffmann. Dem ursprünglichen Konzept der Heilstätten sei man im Grunde treu geblieben, ergänzt seine Frau: „Nur geben wir nicht Tuberkulose-Kranken, sondern Stressgeplagten neue Kraft.“