Brandenburg

Stadt in Zahlen: So entwickelt sich Potsdam

Brandenburgs Landeshauptstadt wächst und wächst und wächst – allerdings mittlerweile etwas langsamer als noch in den Vorjahren.

Touristen bleiben im Schnitt 2,3 Tage und besuchen am häufigsten Schloss Sanssouci.

Touristen bleiben im Schnitt 2,3 Tage und besuchen am häufigsten Schloss Sanssouci.

Foto: Waltraud Grubitzsch / picture alliance/dpa

Potsdam. Ende 2018 lebten insgesamt 178.347 Menschen in Potsdam. Das waren 2645 Einwohner mehr als ein Jahr zuvor, was einem Plus von 1,5 Prozent entspricht. Die Zuwachsrate lag damit um 0,9 Prozentpunkte niedriger als 2016 und 2017. Das geht aus dem Statistischen Jahresbericht 2018 hervor, den die Stadtverwaltung jetzt vorgelegt hat. Auf mehr als 300 Seiten gibt der Bericht einen Überblick über die Entwicklung der Stadt – von der Wirtschaft über die Kultur bis hin zu den sozialen Verhältnissen.

Breiten Raum nimmt in dem Papier, das die Stadt seit mittlerweile 28 Jahren jährlich veröffentlicht, die demografische Entwicklung ein. „Weil wir daraus Entscheidungen gerade für die Bereiche Wohnen und Infrastruktur ableiten können“, spricht Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) von einem wichtigen Trend-Indikator. Seit mittlerweile 19 Jahren wächst die Stadt kontinuierlich.

„Und nun schon seit 17 Jahren freuen wir uns über einen stetigen Geburtenüberschuss“, sagt Heike Gumz, Leiterin des Bereichs Statistik bei der Stadtverwaltung. Pro 1000 Einwohner erblickten 2018 elf Neugeborene das Licht der Welt. „Der Wert ging zwar leicht um 0,4 Prozentpunkte zurück, liegt aber immer noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau“, erklärt Gumz. Die Renner auf der Hitliste der Vornamen waren übrigens Charlotte und Karl.

Vornehmlich zogen Migranten zurück in ihre Heimat

11.776 Menschen sind im vergangenen Jahr neu nach Potsdam gezogen – 531 weniger als noch 2017. Schon im zweiten Jahr in Folge sind die Zuzüge rückläufig. Allerdings: Es sind auch mehr Menschen weggezogen aus der Stadt – nämlich 9538. Das ist die höchste Zahl an Weg­zügen seit 1998. Die meisten, die Potsdam abtrünnig wurden, zog es zum einen in das Umland der brandenburgischen Landeshauptstadt und zum anderen ins Ausland.

Doch haben zumeist nicht etwa „eingeborene“ Potsdamer nach „Goodbye-Deutschland“-Manier ihrem Land den Rücken gekehrt. Vornehmlich seien Migranten und Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückgezogen. Auch habe es weniger Familiennachzug gegeben als zuvor angenommen, sagt Heike Gumz. Bei den Zuzüglern konnten insbesondere die Stadtteile Bornstedt, Golm und Waldstadt punkten.

Nach wie vor ist Potsdam mit einem Durchschnittsalter ihrer Bewohner von 42,3 Jahren eine recht junge Stadt. Die meisten Potsdamer sind laut Statistik Jahrgang 1989 – 3242 der heute in der Landeshauptstadt lebenden Menschen wurden im Wendejahr geboren. Leicht gestiegen ist der Ausländeranteil auf nunmehr 8,7 Prozent, wobei die meisten Ausländer aus Syrien, Russland und Polen kamen.

„Die Arbeitslosenquote sank im vorigen Jahr auf die geringste Quote in der Geschichte Potsdams seit der Wiedervereinigung“, erklärt der Oberbürgermeister erfreut. 5224 Arbeitslose waren 2018 durchschnittlich in der Stadt registriert. Über dem bundesdeutschen Schnitt liegen die Bildungsabschlüsse der Potsdamer: 44 Prozent der Bevölkerung haben die Fach- oder Hochschulreife – bundesweit sind das nur 31,9 Prozent. Auch die Zahl der Studierenden an Potsdamer Hochschulen ist erneut gewachsen. So gab es im Wintersemester 2018/19 insgesamt 25.661 Studenten an den Hoch- und Fachhochschulen Potsdams. Am beliebtesten sind die Fächer Rechtswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Germanistik.

Heftig angestiegen auf 740 Fälle ist die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Menschen verletzt wurden – eine Steigerung um 14,4 Prozent. „Das entspricht dem Höchstwert für Potsdam“, sagt Heike Gumz. Am häufigsten traf es Radfahrer: Fast jeder zweite Verletzte war auf dem Fahrrad unterwegs. „Tendenz steigend“, erklärt die Statistikexpertin. Ebenso wie die Zahl der Kriminalfälle – nachdem sie 2017 noch deutlich zurückgegangen war. 16.168 Fälle registrierte die Polizei, wovon etwas mehr als die Hälfte aufgeklärt werden konnte. Kriminalitätsschwerpunkt Nummer eins war Diebstahl mit mehr als 40 Prozent aller Fälle.

Sich ein Haus zu bauen wurde erheblich kostspieliger

„Die Zahl der Fahrraddiebstähle hat deutlich zugenommen, ebenso die Delikte der Rauschgiftkriminalität“, erklärt Heike Gumz. Ist das Fahrrad weg, kann sich der Bestohlene allerdings nur wenig Hoffnung machen, sein Eigentum wiederzubekommen: Die Aufklärungsquote bei den Raddiebstählen ist von 20,9 auf 5,2 Prozent gesunken.

Immer beliebter wird Potsdam bei Touristen: „Das siebente Jahr in Folge haben wir bei den Übernachtungen die Eine-Millionengrenze geknackt“, sagt Oberbürgermeister Schubert. Die Gäste blieben im Schnitt 2,3 Tage und besuchten am häufigsten das Schloss Sanssouci, den Filmpark Babelsberg und das Neue Palais. Als Besuchermagnet erwies sich einmal mehr auch das Museum Barberini. 316.000 Gäste verzeichnete das Haus – damit allerdings auch deutlich weniger als im Eröffnungsjahr 2017, als mehr als eine halbe Million Besucher auf dem Zähler standen.

Sich in Potsdam ein Haus zu bauen wurde erheblich kostspieliger. 410 Euro pro Quadratmeter mussten im Durchschnitt für einen Quadratmeter Bauland gezahlt werden. 2017 hatte der Wert noch bei 304 Euro gelegen.